Der frühere Wirecard-Chef Markus Braun hat am 270. Verhandlungstag seines Mammutprozesses in München über die psychischen Belastungen der sechsjährigen Untersuchungshaft gesprochen. Trotz anhaltender Energie leide er unter Einsamkeit und dem Gefühl, aus dem Familienleben herausgerissen zu sein.
Sechs Jahre U-Haft: Einsamkeit und Isolation
Seit Juli 2020 sitzt der einstige Börsenstar ununterbrochen in Untersuchungshaft. Der Gefängnisalltag sei eintönig und mache ihm schwer zu schaffen, sagte Braun bei einer Befragung zu seinen persönlichen Verhältnissen. „Dass man sich nicht emotionalisieren lässt und immer wieder in einen konstruktiven, rationalen Zustand zurückfindet, ist eine tägliche Herausforderung.“ Er sei inzwischen geschieden, betonte aber: „Das Verhältnis zu meiner Frau und Familie ist unverändert stark.“ Einmal im Monat dürfen ihn seine Angehörigen besuchen.
Milliardenbetrug: Staatsanwaltschaft sieht Braun als Haupttäter
Die Staatsanwaltschaft hält Braun für den Hauptverantwortlichen im mutmaßlich größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Laut Anklage sollen Braun und seine Komplizen über Jahre hinweg Umsätze in Milliardenhöhe erfunden und die Bilanzen des defizitären Konzerns gefälscht haben, um ihn mit hohen Bankkrediten über Wasser zu halten. Der mutmaßliche Schaden wird auf rund drei Milliarden Euro beziffert. Braun bestreitet die Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Betrügerbande um den untergetauchten ehemaligen Vertriebsvorstand Jan Marsalek.
Hoffnung auf berufliche Zukunft nach der Haft
Der 55-Jährige äußerte sich zuversichtlich über seine Zeit nach der Haftentlassung: „Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass ich in kürzester Zeit wieder etwas Konstruktives machen würde.“ Wann ein Urteil fällt, bleibt ungewiss. Die Kammer hatte ursprünglich gehofft, den Prozess Ende des vergangenen Jahres abzuschließen. Bislang gibt es jedoch keine Termine für Plädoyers oder das Urteil.



