Nach nur neun Jahren im Schuldienst hat eine junge Berliner Lehrerin ihre Stelle an einer Grundschule gekündigt. „Ich habe mich dort einfach nicht mehr wertgeschätzt gefühlt“, sagt die 34-Jährige, die anonym bleiben möchte. Sie ist eine von Hunderten Lehrkräften, die jedes Jahr in Berlin den Schuldienst verlassen. Die Gründe sind vielfältig, doch die Belastung durch die Arbeitsbedingungen steht oft im Vordergrund.
Hohe Arbeitsbelastung und fehlende Unterstützung
Die Lehrerin berichtet von langen Arbeitstagen, die oft weit über die reguläre Unterrichtszeit hinausgehen. „Die Vorbereitung, Korrekturen und Elterngespräche fressen viel Zeit“, erklärt sie. Hinzu kämen immer größere Klassen und ein Mangel an pädagogischem Personal. „Man fühlt sich oft allein gelassen mit den Problemen der Schüler“, sagt sie. Die Unterstützung durch die Schulleitung sei häufig unzureichend gewesen.
Mangelnde Wertschätzung durch die Politik
Neben den alltäglichen Herausforderungen sei es vor allem die fehlende Anerkennung von politischer Seite, die sie zum Aufhören bewogen habe. „Die ständigen Sparmaßnahmen im Bildungsbereich und die schlechte Bezahlung im Vergleich zu anderen Berufen sind ein Schlag ins Gesicht“, kritisiert die ehemalige Lehrerin. Sie wünscht sich mehr Investitionen in die Bildung und eine bessere personelle Ausstattung der Schulen.
- Lange Arbeitszeiten und Überstunden sind an der Tagesordnung
- Große Klassen und Personalmangel erschweren den Unterricht
- Fehlende Unterstützung durch Schulleitung und Politik
Auswirkungen auf die Schüler
Die hohe Fluktuation unter den Lehrkräften hat auch negative Folgen für die Schüler. „Die Kinder leiden unter den ständigen Wechseln“, betont die Lehrerin. Kontinuität und Vertrauen seien für eine gute pädagogische Arbeit unerlässlich. Wenn immer wieder neue Lehrer kommen, leide die Qualität des Unterrichts. „Das ist ein Teufelskreis, der dringend durchbrochen werden muss“, fordert sie.
Appell an die Bildungspolitik
Die ehemalige Lehrerin appelliert an die Verantwortlichen in der Berliner Bildungspolitik, endlich zu handeln. „Es kann nicht sein, dass wir jedes Jahr Hunderte von motivierten Lehrkräften verlieren, nur weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen“, sagt sie. Sie plädiert für kleinere Klassen, mehr Unterstützungspersonal und eine bessere Bezahlung. Nur so könne der Lehrerberuf wieder attraktiver werden.
Die 34-Jährige hat sich nach ihrer Kündigung beruflich umorientiert und arbeitet nun in der Erwachsenenbildung. „Ich vermisse die Arbeit mit den Kindern sehr, aber ich konnte einfach nicht mehr“, sagt sie abschließend. Ihr Fall steht exemplarisch für viele, die den Schuldienst verlassen, weil sie sich nicht mehr wertgeschätzt fühlen.



