Owen Ansah trotzt Nada-Druck und holt deutschen 100-Meter-Titel
Ansah holt deutschen 100-Meter-Titel trotz Nada-Verfahren

Owen Ansah hat bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Bochum seinen Titel über 100 Meter verteidigt – und das trotz eines schwebenden Verfahrens der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) gegen ihn. Der Sprinter vom Hamburger SV siegte in exakt 10,00 Sekunden und verfehlte damit seinen eigenen nationalen Rekord um nur zwei Hundertstelsekunden. Vor den 14.000 Zuschauern im Wattenscheider Lohrheidestadion präsentierte sich Ansah selbstbewusst und ließ sich von den Vorwürfen nicht aus der Ruhe bringen.

Ansah: „Ich wollte eine Show bieten“

„Meine Leistung steht. Ich wollte allen zeigen, dass ich der schnellste Deutsche bin“, sagte Ansah nach dem Rennen. „Ich wollte eine Show bieten, das habe ich geschafft.“ Das Publikum quittierte seine Leistung mit viel Applaus, keine Missfallensbekundungen waren zu hören. Ansah bedankte sich bei den Fans: „Es wurde viel gejubelt. Da hat mir das Publikum heute sehr, sehr geholfen. Ihr habt mich super getragen.“ Mit seinem Auftritt widerlegte er die Einschätzung des früheren Zehnkämpfers und ARD-Experten Frank Busemann, der vor den Meisterschaften gemutmaßt hatte, dass ein solches Verfahren einen Schatten werfe und zu langsameren Zeiten führe. „Wenn man da ein bisschen Sand im Getriebe hat, läuft man sofort zwei Zehntel langsamer“, hatte Busemann gesagt.

Der Fall: Verweigerte Dopingprobe?

Der Hintergrund des Verfahrens: Ansah sollte am 9. Juli zu einem Diamond-League-Meeting nach Monaco reisen. Nach eigenen Angaben war er gerade auf dem Weg zum Flughafen, als ein Nada-Kontrolleur außerhalb seines Proben-Zeitfensters erschien und eine Dopingprobe verlangte. Ansah sei bereits sehr spät dran gewesen und habe kurz zuvor die Toilette aufgesucht, sodass er keine Probe abgeben konnte. Er habe dies mit dem Kontrolleur besprochen, und es seien keine Konsequenzen aufgezeigt worden. Noch am selben Wettkampftag wurde er dann von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) kontrolliert. Sein Anwalt Rainer Tarek Cherkeh kündigte an, dass sich Ansah umfassend bei der Nada äußern werde.

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Auswirkungen auf die EM in Birmingham

Die Europameisterschaften in Birmingham beginnen in zwei Wochen, und Ansah gilt als unverzichtbarer Teil der deutschen Sprintstaffel. Ohne ihn sinke die Medaillenchance erheblich, heißt es. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) steht vor schwierigen Fragen: Soll die Staffel mit Ansah antreten? Falls er später gesperrt wird, droht eine nachträgliche Aberkennung von Medaillen. DLV-Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner bestätigte, dass diese Überlegungen bereits laufen. „Antworten muss es spätestens in Birmingham geben“, so Bügner.

Trotz der Unsicherheit zeigte sich Ansah optimistisch. Trainer, Management, Verband und Anwalt stünden hinter ihm, sagte der 100-Meter-Meister: „Das ermöglicht mir, solche Leistungen auf die Bahn zu bringen. Ich bin stolz auf mich. Wattenscheid ist stolz auf mich.“

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