Owen Ansah hat sich am Samstagabend in Bochum den deutschen Meistertitel über 100 Meter gesichert – und das trotz eines schwebenden Verfahrens der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) gegen ihn. Der Sprinter vom Hamburger SV lief in exakt 10,00 Sekunden über die Ziellinie und verfehlte damit seinen eigenen nationalen Rekord um nur zwei Hundertstelsekunden. Vor 14.000 Zuschauern im Wattenscheider Lohrheidestadion feierte er einen Sieg, der weit mehr als nur eine sportliche Bestätigung war.
Selbstbewusst trotz Vorwürfen
„Meine Leistung steht. Ich wollte allen zeigen, dass ich der schnellste Deutsche bin“, sagte Ansah nach dem Rennen. „Ich wollte eine Show bieten, das habe ich geschafft.“ Der 27-Jährige, der als einziger Deutscher die magische 10-Sekunden-Marke über die Sprint-Königstrecke unterboten hat, ließ sich von den laufenden Ermittlungen nicht beeindrucken. Die Nada führt ein sogenanntes Ergebnismanagementverfahren gegen ihn, nachdem er am 9. Juli eine Dopingprobe verweigert haben soll. Damals stand Ansah kurz vor der Abreise zum Diamond-League-Meeting in Monaco, als ein Kontrolleur außerhalb des Zeitfensters erschien. Er sei sehr spät dran gewesen und habe kurz zuvor die Toilette besucht, erklärte der Sprinter. Keine Konsequenzen seien ihm damals aufgezeigt worden.
Der frühere Zehnkämpfer und ARD-Experte Frank Busemann hatte vor den Meisterschaften gemutmaßt: „Sobald man mit so einer Doping-Geschichte in Verbindung gebracht wird, schwebt da immer so ein Schatten über einem. Wenn man da ein bisschen Sand im Getriebe hat, läuft man sofort zwei Zehntel langsamer.“ Ansah widerlegte diese Einschätzung eindrucksvoll. „Es wurde viel gejubelt. Da hat mir das Publikum heute sehr, sehr geholfen. Ihr habt mich super getragen“, sagte er an die Zuschauer gerichtet.
Verfahren wirft Fragen für die EM auf
Ansah durfte trotz des laufenden Verfahrens starten. Experten weisen darauf hin, dass die Verweigerung einer Dopingprobe normalerweise eine mehrjährige Sperre nach sich zieht. Laut seinem Anwalt Rainer Tarek Cherkeh wird sich Ansah umfassend bei der Nada äußern. Die endgültige Entscheidung steht noch aus.
Diese Ungewissheit stellt den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) vor ein Dilemma. In zwei Wochen beginnen die Europameisterschaften in Birmingham, bei denen Ansah als unverzichtbarer Teil der deutschen Sprint-Staffel gilt. Ohne ihn sinken die Medaillenchancen erheblich. Doch falls die Staffel mit ihm antritt und Edelmetall holt, droht eine spätere Aberkennung, falls das Verfahren gegen Ansah nach der EM endet und er gesperrt wird. „Diese Fragen beschäftigen uns“, sagte DLV-Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner. Antworten müssten spätestens in Birmingham gegeben werden.
Unterstützung von allen Seiten
Ansah betonte, dass Trainer, Management, Verband und Anwalt hinter ihm stünden. „Das ermöglicht mir, solche Leistungen auf die Bahn zu bringen.“ Er selbst zeigte sich zufrieden: „Ich habe heute einen guten Job geleistet. Ich bin stolz auf mich. Wattenscheid ist stolz auf mich.“ Sein trotziger Auftritt in Bochum könnte jedoch die Diskussion um die Nominierung für die EM-Staffel weiter anheizen.



