Seit zehn Jahren wartet die Grundschule am Sandsteinweg im Berliner Bezirk Neukölln auf den Bau einer Mensa. Die Schülerinnen und Schüler müssen ihre Mahlzeiten derzeit in provisorischen Räumen einnehmen, darunter ehemalige Umkleidekabinen. Elternvertreterinnen wie Tanja Ballwanz berichten von fehlender Transparenz seitens der Behörden und unhaltbaren Zuständen, die sich über Jahre nicht verbessert hätten.
Provisorische Essensräume seit einem Jahrzehnt
Tanja Ballwanz, deren ältester Sohn vor Jahren die Schule besuchte und deren jüngste Tochter nach den Sommerferien in die fünfte Klasse kommt, schildert die Situation: „Die Probleme sind in der Schulzeit meiner Kinder wesentlich die gleichen geblieben.“ Die Schule nutzt für das Mittagessen Räume, die ursprünglich als Umkleiden konzipiert waren. Diese sind laut Eltern eng, schlecht belüftet und entsprechen nicht den hygienischen Anforderungen für eine Schulmensa.
Der fehlende Mensabau ist seit Langem ein Thema in der Schulgemeinschaft. Bereits vor fünf Jahren gab es konkrete Planungen, doch immer wieder verzögerten sich die Bauarbeiten. Nach Angaben des Bezirksamts Neukölln stockt das Projekt aufgrund von Personalmangel und gestiegenen Baukosten. Ein konkreter Zeitplan für die Fertigstellung existiert nicht.
Eltern fordern mehr Transparenz und schnelle Lösungen
Die Elternvertretung der Schule hat mehrfach schriftlich und in Gesprächen mit dem Bezirksamt auf die Missstände hingewiesen. „Wir erfahren nichts über den aktuellen Stand. Es gibt keine Kommunikation, keine Termine – das ist frustrierend“, sagt Ballwanz. Sie fordert eine Interimslösung, etwa die Nutzung von Containern oder die Anmietung externer Räume, um die Kinder nicht länger in den ungeeigneten Umkleiden essen zu lassen.
Die Schulleitung unterstützt die Forderungen der Eltern, ist aber auf die Entscheidungen des Bezirks angewiesen. Ein Sprecher des Bezirksamts Neukölln erklärte auf Anfrage, man sei sich der Dringlichkeit bewusst, aber die Umsetzung sei aufgrund der angespannten Haushaltslage und der vielen Baustellen im Bezirk schwierig. Man prüfe derzeit, ob zumindest eine provisorische Mensa errichtet werden könne.
Auswirkungen auf den Schulalltag
Die unzureichende Essenssituation hat laut Eltern und Lehrern negative Folgen. Die Kinder hätten kaum Platz, müssten in Schichten essen und könnten die Mittagspause nicht sinnvoll nutzen. Zudem sei die Essensqualität durch die langen Transportwege und die mangelnde Lagerung beeinträchtigt. „Das Mittagessen ist ein wichtiger Bestandteil des Schulalltags. Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, leidet das gesamte Schulklima“, so Ballwanz.
Die Grundschule am Sandsteinweg ist eine von mehreren Schulen in Berlin, die auf einen Mensabau warten. Laut einer Erhebung der Senatsbildungsverwaltung fehlen in der Hauptstadt insgesamt rund 50 Schulmensen. Besonders in den Außenbezirken wie Neukölln ist die Situation angespannt.
Appelle an die Politik
Die Elternvertretung hat sich inzwischen an die Bezirksverordnetenversammlung und an die Senatsbildungsverwaltung gewandt. Sie fordern, dass das Projekt „Mensa am Sandsteinweg“ zur Priorität erklärt wird. „Es kann nicht sein, dass Kinder in einer Großstadt wie Berlin zehn Jahre lang in Umkleiden essen müssen“, sagt Ballwanz. Sie hofft, dass der Druck der Öffentlichkeit und der Politik endlich zu einer Lösung führt.
Bis dahin bleibt die Schulgemeinschaft in der Warteschleife. Der Start des neuen Schuljahres nach den Sommerferien wird erneut ohne Mensa stattfinden – wie schon seit einem Jahrzehnt.



