Die USA haben in der Nacht zum Mittwoch neue Angriffe auf den Iran gestartet und nach eigenen Angaben über 80 Ziele getroffen. Das Regionalkommando des US-Militärs im Nahen Osten (Centcom) teilte mit, die Streitkräfte hätten unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus attackiert. Damit sei die Fähigkeit des Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören. Die Angriffe seien inzwischen beendet.
Iranische Medien melden Tote und Verletzte
Staatlichen iranischen Medien zufolge wurden bei den US-Angriffen im Süden des Irans acht Militärs getötet. Bei den Opfern handele es sich um Angehörige der Luftwaffe und der Marine, die in den Städten Bandar Abbas und Buschehr ums Leben kamen. Der iranische Sender Press TV berichtete zudem von mehreren Verletzten in der Hafenstadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Die Revolutionsgarden meldeten den Tod eines Soldaten der Flugabwehr in der Stadt Mahschahr in der Provinz Chusestan.
Trump kündigt neue Angriffe an und droht mit ziviler Infrastruktur
US-Präsident Donald Trump kündigte bei einer Pressekonferenz am Rande des Nato-Gipfels in Ankara weitere Angriffe an. „Wir haben sie hart am gestrigen Abend getroffen. Heute werden wir sie auch hart treffen – das sollte ich wohl ankündigen“, sagte Trump. Er zeigte sich unzufrieden über das „sehr schlechte Benehmen“ der Führung in Teheran. Trump drohte zudem mit Angriffen auf zivile Infrastruktur und der Einnahme der für die iranische Ölindustrie wichtigen Insel Charg. „Vielleicht übernehmen wir die Insel Charg“, sagte Trump. Es gebe nichts, das der Iran daran ändern könne. Bereits am Dienstag seien Ziele auf der Insel attackiert worden, allerdings nicht die Ölanlagen.
Friedensplan für hinfällig erklärt – Märkte reagieren
Trump erklärte die Absichtserklärung zur Beendigung des Konflikts mit dem Iran für hinfällig. Die Vereinbarung sei „vorbei“, sagte Trump vor dem Nato-Gipfel. Er wolle nicht mit Teheran verhandeln und mit dem Iran nichts mehr zu tun haben. „As far as I am concerned, it's over. It's just a waste of time dealing with them“, so Trump. Der deutsche Aktienmarkt reagierte mit deutlichen Verlusten: Der Dax lag am Vormittag mehr als zwei Prozent im Minus und fiel unter die Marke von 25.000 Punkten, womit alle im Juli erzielten Gewinne verloren gingen. Parallel dazu stieg der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent auf 78,50 Dollar, ein Plus von etwa sechs Prozent und der höchste Stand seit dem 22. Juni.
Nato-Generalsekretär verteidigt US-Angriffe
Nato-Generalsekretär Mark Rutte verteidigte die neuen US-Angriffe als „absolut notwendig“. Die US-Reaktion sei nach iranischen Attacken gegen Tanker in der Straße von Hormus unerlässlich gewesen. Wenn Iran gegen den Waffenstillstand verstoße, „ist eine entschiedene Reaktion der USA unerlässlich“, sagte Rutte beim Nato-Gipfel. Er versuchte zudem, Zweifel an der Bündnistreue von Trump zu zerstreuen: „Es gibt ein uneingeschränktes Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur Nato.“
Iran droht mit Reaktion – Raketenalarm in Kuwait und Bahrain
Der Iran hat nach den jüngsten US-Angriffen mit einer Reaktion gedroht. Das iranische Oberkommando der Streitkräfte erklärte, es werde „entschlossen auf diese Aggression und diesen terroristischen Akt reagieren“. „Die Zeit der Einschüchterung und Erpressung ist vorbei“, schrieb Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf auf X. „Sie führt zu nichts. Wir knicken nicht ein.“ Nach den US-Angriffen aktivierte Kuwait seine Flugabwehr und fing nach eigenen Angaben zwei ballistische Raketen und 13 Drohnen aus dem Iran ab. Auch Bahrain meldete anfliegende Geschosse. Das Elektrizitätsministerium Kuwaits teilte mit, dass mehrere Stromleitungen durch Granatsplitter beschädigt worden seien.
Trauerzug für Chamenei im Irak – Tausende nehmen Abschied
Die tagelangen Trauerprozessionen für Irans getöteten obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei haben den Irak erreicht. Tausende Menschen erwiesen in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf Chamenei die letzte Ehre. Während sein Sarg auf einem Lastwagen durch die Straßen gefahren wurde, riefen die Trauernden „Tod Amerika“ und „Tod Israel“. Die sogenannten Volksmobilisierungskräfte (PMF), ein Bündnis aus vorwiegend schiitischen und Iran-treuen Milizen im Irak, meldete gewaltige Teilnehmerzahlen von mehr als zwei Millionen Menschen. Eine Bestätigung aus anderen Quellen gab es nicht, der Andrang war Bildern zufolge jedoch enorm.
Weitere Entwicklung: Libanons Präsident reist nach Washington
US-Präsident Donald Trump hat den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun zu einem Besuch am 21. Juli nach Washington eingeladen. Beide wollen sich zu einem bilateralen Gespräch im Weißen Haus treffen, wie ein hochrangiger US-Regierungsbeamter der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Aoun selbst teilte in einem X-Post mit, er erwarte von seinem bevorstehenden Besuch positive Auswirkungen auf den Libanon. Zudem finden in Washington seit einigen Wochen erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Regierungsvertretern statt.



