SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat Vermögen- und Erbschaftsteuer zum „Schlüsselthema“ 2026 erklärt. Die Partei fordert mehr Umverteilung, um „Gerechtigkeit“ herzustellen. Doch eine neue Metastudie widerlegt die Prämisse: Gleichheit ist nicht gleich Wohlbefinden.
Größte Meta-Analyse zum Thema Ungleichheit
Ein internationales Forscherteam veröffentlichte im Dezember 2025 die bisher umfassendste Meta-Analyse zum Zusammenhang zwischen ökonomischer Ungleichheit und Wohlbefinden. Ausgewertet wurden 168 Studien mit Daten von 11,4 Millionen Menschen aus über 38.000 geografischen Einheiten. Das Ergebnis: „Menschen, die an Orten mit größerer Ungleichheit leben, berichten im Durchschnitt kein geringeres Wohlbefinden als jene an 'gleicheren' Orten“, so der federführende Autor Dr. Nicolas Sommet vom LIVES Centre der Universität Lausanne in der Studie.
Politische Konsequenzen für Deutschland
Die Autoren der im Wissenschaftsmagazin Nature publizierten Analyse ziehen klare Schlüsse: Nicht Umverteilung, sondern Wirtschaftswachstum, das Menschen aus der Armut herausholt, sei der wirksame Hebel für öffentliche Gesundheit und Wohlbefinden. Diese Erkenntnis stellt die deutsche Debatte um Steuererhöhungen für Reiche infrage. Die SPD plant, die „Reichensteuer“ weiter zu erhöhen, obwohl die Metastudie keinen Beleg für einen positiven Effekt solcher Maßnahmen auf die Zufriedenheit der Bevölkerung findet.
Widerspruch zu verbreiteten Annahmen
Die Studie kontert das oft zitierte Buch The Spirit Level, wonach gleichmäßigere Gesellschaften fast immer besser abschneiden. Die Forscher um Sommet fanden keine Bestätigung für diese These. Der Sozialpsychologe betont, dass politische Maßnahmen gezielt Armut bekämpfen sollten, statt pauschal Ungleichheit zu verringern. Daniel Stelter, Herausgeber des Wirtschaftsblogs „beyond the obvious“ und Autor des Buches Absturz – So retten wir Deutschland, kommentiert in dem Podcast die Implikationen für die deutsche Politik.
Wachstum als Schlüssel
Die Meta-Analyse zeigt, dass die Konzentration auf Umverteilung das eigentliche Ziel vernachlässigt: die Beseitigung von Armut. In Ländern mit hohem Wirtschaftswachstum steige das Wohlbefinden auch bei moderater Ungleichheit. Die WHO unterstützt diese Linie in einem Bulletin vom Mai 2024: Wirtschaftspolitik, die Arbeitsplätze schaffe und Einkommen erhöhe, verbessere die psychische Gesundheit stärker als reine Transferleistungen. Die deutsche Politik sollte daher nach Ansicht der Autoren ihren Fokus von Steuerdebatten auf Wachstumsimpulse lenken.



