Die Berliner Umweltverwaltung sieht sich beim ambitionierten Ziel, bis zum Jahr 2040 insgesamt eine Million Bäume in der Hauptstadt zu pflanzen, trotz harscher Kritik auf einem guten Weg. „Wir haben Personal, wir haben Mittel, wir arbeiten mit Hochdruck an dem Thema“, erklärte Andreas Kraus (CSU), Staatssekretär für Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin, im RBB-Inforadio. Er betonte: „Wir machen das Ergebnis und den Erfolg dieses Gesetzes nicht daran fest, wie viele Planstellen ich in zwölf Monaten schaffe, sondern wir machen das daran fest, was am Ende dabei rauskommt.“
Kritik an mangelndem Personal
Heinrich Strößenreuther, Initiator und Vorstand der „BaumEntscheid“-Initiative, hatte jüngst erneut seine Kritik am Senat bekräftigt. Er bemängelt, dass die Verwaltung für die gewaltige Aufgabe bisher kaum zusätzliches Personal aufgebaut habe. Der Senat müsse dringend mehr Planstellen schaffen, um die Pflanzungen zu realisieren. Strößenreuther fordert seit Langem eine deutliche Beschleunigung der Maßnahmen.
Kraus widerspricht dieser Darstellung entschieden. Er verweist auf die Fortschritte, die bereits erzielt wurden. Bis 2027 müsse der Senat die Zahl der Bäume in der Stadt wieder auf 440.000 erhöhen. Aktuell, so Kraus, liege die Zahl bei 439.318. Das im November vergangenen Jahres verabschiedete Klimaanpassungsgesetz des Senats gibt das Ziel von einer Million Bäumen bis 2040 vor. Die Differenz zwischen dem aktuellen Bestand und dem Zwischenziel von 440.000 ist mit 682 Bäumen vergleichsweise gering.
Herausforderungen im Untergrund
Kraus sieht jedoch andere, oft übersehene Herausforderungen. Insbesondere der Untergrund in den dicht besiedelten Gebieten Berlins sei „unheimlich voll“ mit Abwasserkanälen, Strom- und Gasleitungen. „Dort noch mehr Grün in die Fläche zu bringen, noch mehr Boden zu entsiegeln, das ist eine wahnsinnig komplexe Aufgabe“, erläuterte der Staatssekretär. Die Entsiegelung von Flächen sei ein zentraler Bestandteil des Vorhabens, um Platz für neue Bäume zu schaffen.
Die Verwaltung arbeite mit Hochdruck daran, geeignete Standorte zu identifizieren und die notwendigen Genehmigungen zu beschleunigen. Dabei müssten zahlreiche Interessen abgewogen werden, von der Verkehrssicherheit bis zum Schutz der bestehenden Infrastruktur. Kraus zeigte sich zuversichtlich, dass die gesteckten Ziele erreicht werden können, auch wenn der Weg steinig sei.
Bilanz und Ausblick
Nach Angaben der Senatsverwaltung wurden in den letzten Jahren bereits tausende neue Bäume gepflanzt, doch der Druck bleibt hoch. Die Initiative „BaumEntscheid“ hatte das Thema mit einem Volksbegehren auf die politische Agenda gesetzt. Der Senat reagierte mit dem Klimaanpassungsgesetz, das nicht nur die Baumzahl, sondern auch Maßnahmen zur Entsiegelung und Begrünung vorsieht.
Kraus unterstrich, dass der Erfolg des Gesetzes nicht allein an der Zahl der Planstellen gemessen werden dürfe, sondern an den tatsächlichen Ergebnissen. Die kommenden Jahre würden zeigen, ob der Senat sein Versprechen einlösen kann. Bis 2040 müssen noch rund 560.000 Bäume gepflanzt werden, um die Million zu erreichen. Das erfordert jährlich etwa 35.000 Neupflanzungen – eine enorme logistische und finanzielle Herausforderung.
Die Diskussion um das Baumziel ist Teil einer breiteren Debatte über Klimaanpassung in Berlin. Die Stadt leidet zunehmend unter Hitzewellen und Trockenheit, weshalb mehr Grün als dringend notwendig erachtet wird. Die Umweltverwaltung hält an ihrem Kurs fest und betont die Bedeutung langfristiger Planung.



