Italiens Urlaubsparadies Cinque Terre droht Überflutung
Cinque Terre: Überflutungsgefahr durch Klimawandel

Die Cinque Terre, bekannt für ihre bunten Häuser und malerischen Küsten, sind eines der beliebtesten Urlaubsziele Italiens. Doch eine neue internationale Studie zeigt düstere Prognosen: Der Klimawandel bedroht die Region mit steigendem Meeresspiegel und zunehmenden Überflutungen.

Studie zeichnet Szenarien bis 2150

Forscher des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV), des italienischen Forschungsrats CNR sowie mehrerer europäischer Universitäten haben erstmals detaillierte Szenarien für den Meeresspiegelanstieg und die Auswirkungen von Sturmfluten an den Küsten von Monterosso und Vernazza erstellt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Remote Sensing“ veröffentlicht.

Laut den Berechnungen könnte der relative Meeresspiegel bis zum Jahr 2150 zwischen 60 Zentimetern und 1,17 Metern ansteigen. Besonders betroffen wären niedrig gelegene Küstenabschnitte, kleine Strände, Hafenanlagen sowie touristische Infrastruktur. „Nach unseren Berechnungen könnte der relative Meeresspiegel bis 2150 zwischen 0,60 und 1,17 Metern ansteigen, mit einer daraus resultierenden Ausweitung der Flächen, die von Überflutungen bedroht sind“, erklären die Studienkoordinatoren Marco Anzidei vom INGV und Alessandro Bosman vom Forschungsinstitut CNR-IGAG.

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Gefahr durch Extremwetter

Die oft nur schmalen Strände von Monterosso und Vernazza gehören zu den wichtigsten touristischen Attraktionen der Region. Gleichzeitig befinden sich viele Hafenbereiche, Promenaden und Verkehrswege nur wenige Meter über dem jetzigen Meeresspiegel. Bereits heute sorgen Winterstürme regelmäßig für Schäden an Küstenanlagen. Die Forscher weisen darauf hin, dass der steigende Meeresspiegel die Auswirkungen von Sturmfluten zusätzlich verstärken wird.

„Unsere Arbeit hat außerdem gezeigt, dass bei Extremereignissen vor allem kleine Strände und niedrig gelegene Hafenbereiche besonders empfindlich sind“, betonen Anzidei und Bosman. Im ungünstigsten Klimaszenario rechnen die Wissenschaftler mit erheblichen Wellenhöhen entlang der Küste. Dadurch könnten nicht nur touristische Einrichtungen, sondern auch zentrale Verkehrsverbindungen gefährdet werden.

Die Bahnlinie entlang der Cinque Terre gilt als Lebensader der Region und verbindet die fünf Dörfer mit den Hafenstädten La Spezia und Genua. „Bei einem höheren Meeresspiegel könnten die Wellen im schwerwiegendsten Klimaszenario Run-up Höhen von mehr als 13 Metern erreichen“, warnen die Forscher, „mit möglichen Risiken für die Eisenbahnlinien, die die Cinque Terre verbinden“.

Schutzmaßnahmen dringend erforderlich

Die Studie liefert eine wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Schutzmaßnahmen. Dazu zählen nach Angaben der Autoren die Anhebung von Hafenkais, verbesserte Entwässerungssysteme sowie ein besserer Schutz von Verkehrswegen, touristischen Einrichtungen und anderen kritischen Infrastrukturen. Für die Verantwortlichen im Nationalpark und die lokalen Verwaltungen sind solche Erkenntnisse von großer Bedeutung.

Die Cinque Terre leben wirtschaftlich in hohem Maße vom Tourismus. Gleichzeitig gehören die historischen Ortskerne und Küstenlandschaften zu den empfindlichsten Kulturgütern Italiens. Die Herausforderung besteht darin, den einzigartigen Charakter der Region zu bewahren und sie zugleich widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen, warnen die Experten.

Erst kürzlich hatte eine weitere besorgniserregende Studie für Aufsehen gesorgt: Demnach setzt der steigende Meeresspiegel der Stadt Venedig immer stärker zu. Mehr als die Hälfte des historischen Zentrums der Lagunenstadt befindet sich gerade einmal zwischen 80 Zentimetern und 1,20 Metern über dem Wasser. Ohne wirksame Rettungsmaßnahmen dürfte Venedig langsam versinken.

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