Extremhitze in Städten: So schützen sich Paris, Singapur und Barcelona
Extremhitze: So schützen sich Städte weltweit

Großstädte leiden besonders unter Hitze: Dichte Bebauung lässt Betonwüsten sich schnell aufheizen, die Wärme kann nachts kaum entweichen. Mit dem Klimawandel werden Hitzewellen häufiger und intensiver. Doch weltweit zeigen Städte, wie sie sich wappnen – von Wasser und Begrünung bis zu ausgeklügelter Bauweise.

Paris: Wasser und Hitzestresstest

Die französische Hauptstadt hat rund 1.400 kühle Orte geschaffen – von schattigen Parkplätzen bis zu öffentlichen Rathausräumen. Kostenlose Trinkwasserspender und Sprühnebelduschen auf Plätzen und Wegen bieten Erfrischung. Frankreich verfügt über einen landesweiten Hitzeschutzplan mit Warnstufen, einem Register für Risikogruppen und öffentlichen Hinweisen. In zwei Pariser Bezirken wurde getestet, wie Krankenhäuser, Feuerwehr, Anwohner und Schulen mit extremer Langzeithitze umgehen – ein Vorbild für andere Städte.

Singapur: Grün und unterirdische Kühlung

Der Stadtstaat setzt auf massive Begrünung: Vertikale Gärten an Hochhäusern, begrünte Fassaden und Dachgärten reduzieren die Aufheizung und spenden Schatten. Neue Stadtviertel werden so geplant, dass die Luft besser zirkuliert. In einigen Stadtteilen kühlt ein unterirdisches Rohrnetz ganze Häuserblocks mit eiskaltem Wasser, das viele Klimaanlagen ersetzt – das spart Strom und verringert Abwärme. Helle Fassaden und Straßenbeläge speichern weniger Hitze.

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Dakar: Lehmarchitektur als Vorbild

Der Architekt Francis Kéré aus Burkina Faso, der 2022 als erster Afrikaner den Pritzker-Preis erhielt, überträgt uralte Bautechniken auf moderne Bauten. Sein Neubau des Goethe-Instituts in Dakar besteht aus rotbraunen Lehmziegeln, die Wärme aufnehmen und langsam abgeben. Durch die Ausrichtung kühlt sich das geschwungene Gebäude mit Zugluft und eigenem Schatten. Kéré hält Lehmarchitektur auch für größere Bauprojekte für geeignet.

Barcelona: Superblöcke und Kühlräume

Obwohl Barcelona nicht so extrem heiß ist wie Sevilla, macht die hohe Luftfeuchtigkeit Temperaturen über 35 Grad unangenehm. Rund 500 Kühlräume in öffentlichen Gebäuden, Museen und Apotheken bieten Schutz. Bekannt sind die sechs „Superilles“ (Superblöcke) – Inseln aus Häuserblöcken und verkehrsberuhigten Straßen mit viel Grün und Schatten. Lieferfahrzeuge und Anwohner dürfen mit maximal zehn km/h fahren, Fußgänger und Radfahrer haben Vorrang.

Nahost: Windtürme zur Kühlung

Schon vor Jahrhunderten entwickelten Baumeister in Persien und Arabien Windtürme (Badgir oder Baradschil) zur natürlichen Belüftung. Wind strömt durch Öffnungen und leitet kalte Luft nach unten. In Doha (Katar) sind neue Gebäude so angelegt, dass Luftströme Außenbereiche kühlen. Die ältesten Windtürme im Iran stammen aus dem 14. Jahrhundert; sie sind auch im historischen Viertel Dubais zu sehen. In der Golfregion werden die meisten Gebäude jedoch mit Klimaanlagen gekühlt.

Medellín: Grüne Korridore senken Temperatur

In der kolumbianischen Millionenstadt wurden Verkehrsachsen in „Grüne Korridore“ verwandelt: Tausende Bäume und Sträucher auf Straßen, Mittelstreifen und Plätzen bremsen die Aufheizung und spenden Schatten. Laut Stadtverwaltung sanken die Temperaturen in begrünten Bereichen um rund zwei Grad Celsius, die Luftqualität verbesserte sich. Das Projekt wurde international ausgezeichnet.

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