Die Hitzewelle hat Potsdam fest im Griff: Am Samstag, den 27. Juni 2026, wurde um 14 Uhr an der Messstation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) eine Temperatur von 38,9 Grad Celsius gemessen. Damit wurde der bisherige Allzeitrekord vom 20. Juli 2022 eingestellt. Meteorologen erwarten, dass die Tageshöchsttemperatur erst in den späten Nachmittagsstunden erreicht wird, sodass ein neuer Rekord möglich ist. Der Juni-Rekord wurde bereits gebrochen: Bislang lag die höchste Juni-Temperatur bei 38,4 Grad, gemessen am 30. Juni 2019.
Potsdam zählt zu den heißesten Orten Deutschlands
Bereits um 13 Uhr gehörte Potsdam mit 38 Grad offiziell zu den heißesten Orten in Deutschland, gleichauf mit Magdeburg. Nur die DWD-Messstationen am Frankfurter Flughafen und im Wetterpark Offenbach verzeichneten mit etwas mehr als 38 Grad noch höhere Werte. Ein Außenthermometer im Potsdamer Ortsteil Bornim zeigte sogar 40 Grad Celsius an. Die Straßen blieben vergleichsweise leer, in Supermärkten waren Eisregale fast geplündert.
Veranstaltungen abgesagt oder verschoben
Wegen der extremen Hitze wurden zahlreiche Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Die Footballer der Potsdam Royals reagierten auf die Rekordhitze und verschoben den Beginn ihres Spitzenspiels in der German Football League gegen die Dresden Monarchs im Luftschiffhafen auf 18 Uhr. Zuvor war der Kick-Off bereits von 15 auf 17 Uhr verlegt worden. Das Fanfest soll wie geplant um 15 Uhr starten. Bereits gelockerte Regelungen – etwa die Mitnahme kleiner Sonnenschirme und bis zu 1,5 Liter großer PET-Flaschen mit Wasser – bleiben bestehen. Ob Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) den Münzwurf für die Seitenwahl durchführt, blieb offen.
Das Hans Otto Theater sagte die Open-Air-Aufführung von „Was Ihr wollt“ am Samstag wetterbedingt ab. Eine Ersatzvorstellung ist für Mittwoch, den 1. Juli, geplant; Karten behalten ihre Gültigkeit. Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) schloss ihre Schlösser in Potsdam, Brandenburg und Berlin am Wochenende bereits um 13 Uhr. Der Fährbetrieb zur Pfaueninsel wurde eingestellt, alle Veranstaltungen abgesagt. Bereits erworbene Tickets können zurückgegeben werden.
Bahn rät von nicht dringenden Fahrten ab
Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen rieten aufgrund der Hitze von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. In einer Mitteilung hieß es: „Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen. Auch der Schienenverkehr leidet unter den Extrem-Temperaturen.“ Der DWD warnte zudem vor Gewittern und Starkregen. Der bundeseigene Konzern erklärte: „Gemeinsam mit anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen und Branchenorganisationen wie dem Bundesverband Schienennahverkehr (BSN) rät die Deutsche Bahn: Bitte vermeiden Sie heute und morgen alle nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr.“
Wasserverbrauch steigt – Trinkwasser-Tacho im gelben Bereich
Der Trinkwasserverbrauch in Potsdam stieg am Freitag auf 46.654,625 Kubikmeter, wie der Trinkwasser-Tacho der Energie und Wasser Potsdam (EWP) anzeigte. Der rote Bereich beginnt bei 46.800 Kubikmetern. Die EWP rief zu bewusstem Wasserverbrauch auf: Gartenbewässerung maximal zweimal pro Woche, vorzugsweise morgens oder abends, Verzicht auf das Befüllen von Pools und Autowäschen. „Jeder eingesparte Liter hilft dabei, die Versorgung stabil zu halten“, so die EWP. Die Trinkwasserversorgung sei dennoch sicher und zuverlässig.
Waldbrandgefahr und Gesundheitstipps
Die anhaltende Trockenheit ließ die Waldbrandgefahr in Brandenburg weiter steigen. In fast allen Landkreisen galt eine hohe Gefahrenstufe, in Potsdam-Mittelmark, den Städten Potsdam und Brandenburg an der Havel sowie in der Prignitz und im Havelland wurde sie als sehr hoch eingestuft. Der DWD warnte vor extremer Hitze am Samstag zwischen 11 und 19 Uhr, mit zusätzlicher Belastung durch verringerte nächtliche Abkühlung im dicht bebauten Stadtgebiet.
Die Stadtverwaltung rief die Bürger auf, obdachlose Menschen im Blick zu behalten. „Wer eine obdachlose und nicht ansprechbare Person antrifft, sollte nicht zögern, die Rettungsdienste zu benachrichtigen“, hieß es. Die Suppenküche der Volkssolidarität bietet Duschen, Waschmöglichkeiten und kostenloses Wasser. Straßensozialarbeiter verteilen Wasserflaschen, Sonnencreme und Kopfbedeckungen.
Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD) kündigte an, die Städte besser gegen Hitze zu wappnen. „Mehr Stadtgrün, schattige Wege und weniger versiegelte Flächen sind keine Kür, sondern Teil der Daseinsvorsorge“, erklärte er. „Unser Ziel ist, dass Brandenburgs Städte auch bei 35 Grad und mehr lebenswert bleiben.“ Das Ministerium unterstützt Kommunen mit Beratung und Förderprogrammen. In Brandenburg an der Havel wird eine Initiative gefördert, die erprobt, wie Straßenräume durch mehr Grün und Schatten kühler werden können.



