Klimawandel stärkt Sojaanbau in Sachsen: Anbaufläche steigt um 40 Prozent
Sojaanbau in Sachsen steigt um 40 Prozent

Längere Hitzeperioden und schwere Trockenphasen – sächsische Landwirte sind im Zuge der Klimakrise mit immer herausfordernderen Witterungsverhältnissen konfrontiert. Sie suchen nach widerstandsfähigen Kulturen, die dennoch gute Erträge liefern. Immer mehr Betriebe im Freistaat setzen dabei auf die Sojabohne, die sich als besonders anpassungsfähig erweist.

Sojabohne als Gewinner des Klimawandels

„Sie ist einer der Gewinner des Klimawandels. Diese Frucht hat Zukunft“, erklärt Torsten Krawczyk, Präsident des sächsischen Landesbauernverbandes. Nach Verbandsangaben ist die Anbaufläche in Sachsen mit 2.600 Hektar im Vergleich zum Jahr 2025 um 40 Prozent gestiegen. Dennoch sind Sojabohnen bisher noch ein Nischenprodukt. Die steigende Nachfrage zeigt jedoch, dass die Landwirte auf die Vorteile der Hülsenfrucht setzen.

Hitzeverträglichkeit und Trockenheitstoleranz

„Es ist keine Wunderfrucht und braucht auch zur richtigen Zeit Wasser, aber sie ist hitzeverträglich“, sagt Stefan Hesse, Landwirt aus Malschwitz in der Oberlausitz. Sein Betrieb ist auf Ackerbau spezialisiert und produziert Getreide, Ölsaaten, Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Seit sieben Jahren baut Hesse auf etwa 20 Hektar Sojabohnen an – und ist zufrieden. Der Sojaanbau macht etwa zehn Prozent seines Betriebs aus, erläutert der 43-Jährige. Ein Vorteil der Hülsenfrucht sei, dass sie später als Erbse oder Raps blühe und reife. „Frühjahrs-Trockenheit, wie sie in den vergangenen Jahren oft der Fall war, macht ihr weniger aus.“ Sojabohnen benötigen erst ab Juli viel Wasser, und dann gebe es im Durchschnitt wieder mehr Niederschläge.

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Risikoverteilung und stabile Preise

„So ist es für mich eine günstige Risikoverteilung auf mehrere Früchte. Eine der drei Pflanzen wird für einen guten Ertrag sorgen“, sagt Hesse. Zudem sind die Preise für Sojabohnen seinen Angaben zufolge stabil und wegen des deutlich höheren Proteingehalts etwa doppelt so hoch wie bei Erbsen. Dies macht die Sojabohne wirtschaftlich attraktiv, trotz der höheren Anforderungen an die Aussaat.

Weitere trockenheitstolerante Kulturen gewinnen an Bedeutung

Immer mehr Betriebe setzen wegen deren hoher Trockenheitstoleranz und Resilienz gegenüber Hitzestress auf Soja und Sonnenblumen, erläutert der landwirtschaftliche Unternehmensberater Frederik Vielhauer. Weitere Kulturen, die im Zuge des Klimawandels an Bedeutung gewinnen könnten, sind demnach Faserhanf, Sorghum-Hirse sowie Kichererbsen und Lupinen. Auch Quinoa und Amarant gelten als Kulturen, die unter wärmeren und trockeneren Bedingungen perspektivisch interessanter werden könnten.

Stickstoffbindung und Herausforderungen beim Anbau

Hülsenfrüchte binden in einer Gemeinschaft mit speziellen Knöllchenbakterien mit ihren Wurzeln Stickstoff – was den Bedarf an mineralischem Stickstoffdünger vermindert. Auch Folgekulturen wie Weizen profitieren noch von dem im Boden verbleibenden Stickstoff. Die Herausforderung beim Anbau der Sojabohne liegt Landwirt Hesse zufolge darin, dass sie als nicht einheimische Kultur die nützlichen Bakterien braucht. Diese müssten vor der Aussaat aufgesprüht werden, erklärt der 43-Jährige.

Deutschland europaweit noch mit Nachholbedarf

130.800 Tonnen Sojabohnen ernteten die deutschen Landwirtinnen und Landwirte nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) im Jahr 2025 auf einer Anbaufläche von 43.300 Hektar. Das ist dreimal so viel wie im Jahr 2016. Größter Sojaerzeuger in Europa ist Italien mit einer Anbaufläche von rund 309.000 Hektar vor Serbien (207.000 Hektar), Frankreich (150.000 Hektar) und Rumänien (130.000 Hektar).

Soja als Eiweißquelle für Nutztiere und Lebensmittel

Soja wird als eine Eiweißquelle für Nutztiere in Form von Sojaschrot vermarktet. Deutschland deckt laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft bisher nur etwa drei Prozent des hiesigen Bedarfs ab, der weitaus größte Anteil wird importiert. Weltweit gehen nur etwa sieben Prozent der Sojaproduktion in die direkte Lebensmittelverarbeitung, wie es hieß. In Deutschland sei dieser Anteil etwas höher. Sojaprodukte wie Tofu, Sojadrinks oder Fleischersatzprodukte, die im Einzelhandel erhältlich sind, stammen demnach häufig aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern.

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