Wal-Obduktion auf Anholt: „Timmy“ war ein Weibchen und hatte Fischernetz im Darm
Wal-Obduktion: „Timmy“ war ein Weibchen mit Netz im Darm

Die mit Spannung erwartete Obduktion des als „Timmy“ oder „Hope“ bekannten Buckelwals am Strand der dänischen Insel Anholt hat erste konkrete Ergebnisse geliefert. Wie das Expertenteam mitteilte, war das Tier entgegen mancher Spekulationen tatsächlich ein Weibchen. Dies bestätigte die Freilegung des Gebärmutterhalses während der Untersuchung.

Erste Befunde der Wal-Obduktion

Der Livestreamanbieter News5, der die Obduktion mit Kameras begleitet, berichtete von den ersten Schritten des Teams. Die Fachleute begutachteten den gelb-bräunlichen Kadaver zunächst genau, machten Notizen und vermaßen das Tier. Anschließend wurde der Kadaver mit einem länglichen Messer aufgeschnitten, um die Gase aus dem stark aufgeblähten Körper abzulassen. Danach öffneten und zerteilten die Experten den Wal. Zahlreiche Schaulustige und Medienvertreter versammelten sich hinter der Absperrung, um das Geschehen zu verfolgen.

Fischernetz im Darm entdeckt

Im Zuge der Obduktion wurden weite Teile des Magens und Darms des Tieres entfernt. Dabei stießen die Wissenschaftler auf ein Stück Fischernetz im Darm des Buckelwals. Dies könnte ein Hinweis auf die Todesursache sein, doch die endgültige Klärung ist schwierig. „Es könnte schon zu spät sein, um etwa innere Blutungen zu entdecken“, erklärte der dänische Walforscher Peter Teglberg Madsen. Auch die Frage, ob der Wal Wasser in der Lunge hatte, lasse sich womöglich nicht mehr beantworten. Fischernetze in Magen und Darm könnten jedoch zum Tod des Tieres beigetragen haben.

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Herausforderungen bei der Untersuchung

Der Kadaver liegt seit mehreren Wochen vor der Urlaubsinsel und ist durch Fäulnisgase stark aufgebläht. Möwen haben ihn bereits traktiert. „Der Wal hat jetzt schon sehr lange in der Sonne gelegen und wird sehr stinken“, warnte Madsen. Schaulustige benötigen daher einen starken Magen. Zudem besteht ein Gesundheitsrisiko: „Jeder, der sich dem Wal nähert, kann sich mit Krankheiten, Viren oder Bakterien anstecken. Deshalb begrenzen wir die Zahl der Menschen am Wal und tragen Schutzkleidung, Schürzen, Masken, Handschuhe“, so Madsen bereits im Mai.

Beteiligung deutscher Institutionen

Aus der Ferne verfolgt auch das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern die Obduktion. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace und das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund wollen ebenfalls per Stream dabei sein. Die Experten planen zudem die Entnahme von Hautproben für einen DNA-Test. Die gesamte Obduktion ist auf etwa sechs Stunden anberaumt.

Weiteres Vorgehen

Der Kadaver soll im Zuge der Obduktion in kleine Teile zerlegt werden, die dann in vorbereitete Container kommen. Anschließend werden die Überreste aufs Festland transportiert und vernichtet. Dies wird jedoch erst Anfang nächster Woche geschehen, wie ein Sprecher des dänischen Amts für Naturverwaltung mitteilte. Ein Abtransport am Wochenende sei aufgrund eingeschränkter Öffnungszeiten der zuständigen Unternehmen wenig sinnvoll.

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