Ein verheerender Waldbrand in der südspanischen Provinz Almería hat mindestens elf Menschen das Leben gekostet. Die Regionalregierung Andalusiens bestätigte die Opferzahl, während 19 Personen weiterhin vermisst werden. Der TV-Sender RTVE bezeichnete den Brand als den „tödlichsten Waldbrand des 21. Jahrhunderts“ in Spanien. Unter den Toten befinden sich mutmaßlich auch Ausländer, darunter möglicherweise Briten und Belgier, wie der regionale Gesundheitsminister Antonio Sanz erklärte. Die Identifizierung der Opfer stehe noch aus.
Hintergründe des Brandes und Rettungsmaßnahmen
Der Brand war am Donnerstagabend in der 3.000-Einwohner-Gemeinde Los Gallardos ausgebrochen. Als Ursache wird der Einsturz einer Stromleitung vermutet. Bis Freitagmorgen erfassten die Flammen mehr als 3.000 Hektar Land. Vier der Opfer wurden in einem Fahrzeug eingeschlossen, sieben weitere auf Straßen von den Flammen überrascht und verbrannt. Die Behörden gehen davon aus, dass die Menschen bei ihrer Flucht eine falsche Route wählten.
Mehr als 1.000 Bewohner mehrerer Ortschaften wurden evakuiert und in Notzelten untergebracht. Auch ein Campingplatz wurde vorsorglich geräumt. „Durch die Evakuierungen wurden viele Menschenleben gerettet“, betonte Sanz. Rund 460 Einsatzkräfte, unterstützt von elf Löschflugzeugen und Hubschraubern, kämpfen gegen das Feuer. Acht Verletzte wurden registriert, vier davon schwer.
Reaktionen aus Politik und Königshaus
Ministerpräsident Pedro Sánchez drückte auf der Plattform X seine „große Trauer und Bestürzung“ aus. Das spanische Königshaus um Monarch Felipe VI. schrieb: „Tief betroffen über die Tragödie des Waldbrandes von Los Gallardos. Wir sprechen den Familien und Angehörigen der Todesopfer sowie allen Betroffenen unser Mitgefühl aus.“ Gesundheitsminister Sanz nannte den Brand eine „beispiellose Tragödie“ und ergänzte: „Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen.“
Kritik an Präventionsmaßnahmen und Klimawandel
Experten beklagen mangelnde Vorsorge. Forstexperten und Brandbekämpfer sprachen in RTVE unisono von einer vermeidbaren Tragödie. „Es ist wie ein ewiges Déjà-vu. Jedes Jahr fordern wir mehr Vorsorgemaßnahmen“, sagte Waldbrandbekämpfer Román García. Die zunehmende Trockenheit und der Feuchtigkeitsmangel durch den Klimawandel machten Wälder und Buschland zu leicht entzündlichem Brennstoff. Seit Jahresbeginn haben großflächige Feuer in Spanien laut dem Waldbrand-Informationssystem der Europäischen Kommission (EFFIS) bereits mehr als 57.000 Hektar Land zerstört.
Vergleich mit früheren Bränden
Der bislang tödlichste Waldbrand in Spanien ereignete sich 1984 auf La Gomera mit 20 Toten. 2005 kamen bei einem Brand in Guadalajara elf Feuerwehrleute ums Leben. Der aktuelle Brand in Almería gilt als der schwerste in Andalusien. Die Region ist bei Touristen aus Großbritannien, Belgien und Frankreich beliebt, die Strände wie die Playa de Mojácar besuchen.



