Warum Sie niemals in einen Badesee pinkeln sollten: Algen und Eutrophierung
Warum Sie niemals in einen Badesee pinkeln sollten

Die Sonne brennt, der See lockt – und irgendwann meldet sich die Blase. Doch wie schlimm ist es eigentlich, einfach ins Wasser zu pinkeln, wenn weit und breit keine Toilette in Sicht ist? Die Szene kennen viele: Badegäste, die sonst kaum weiter als ein paar Schritte ins Wasser gehen, werden plötzlich mutig. Sie waten gerade so tief hinein, dass die Badehose bedeckt ist, schauen sich vorsichtig um – und verraten sich am Ende doch mit einem erleichterten Lächeln. Andere schwimmen möglichst weit hinaus oder suchen sich eine abgelegene Stelle am Ufer, um unbemerkt ihr kleines Geschäft zu erledigen.

Badesee-Pinkeln kann Folgen haben

Auch wenn es kaum jemand offen zugibt: Heimlich in einen Badesee gepinkelt haben wohl die meisten schon einmal. Die Versuchung ist groß, wenn kein Klo in der Nähe ist. Doch Experten sagen: Ganz folgenlos bleibt das nicht. „Alles, was dazu beiträgt, in den See Nährstoffe einzutragen, sollte man vermeiden“, sagt ein Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe auf Nachfrage von TRAVELBOOK. Der Grund: Der im Urin enthaltene Harnstoff dient Algen als Nahrungsquelle.

Große Seen verkraften Urin besser

Dabei spielt die Größe des Gewässers eine entscheidende Rolle. „Der Wannsee etwa ist groß, wenn da nun ein paar Hundert Menschen reinmachen, ist das nicht so schlimm“, erklärt der Experte. Je größer ein See, desto geringer fällt der Einfluss einzelner Badegäste ins Gewicht. Anders sieht es bei kleineren Seen aus. Vor allem in Jahren mit vielen Badegästen und anhaltender Trockenheit, wie aktuell während der Hitzewelle, können die Auswirkungen deutlich stärker sein. Beim Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie heißt es, dass in dem Fall im Wesentlichen das Verhältnis von Gesamteintrag und Gewässergröße entscheidend sei. Der Beitrag des Urins zum Algenwachstum sei dort durchaus relevant. Demnach profitieren allenfalls einzelne Fischer und Angler von höheren Nährstoffwerten im Wasser. Der Grund: Dadurch könne schneller mehr Fischmasse entstehen. Im Sinne des Naturschutzes und auch der Badegäste sei dies jedoch in keinem Fall von Vorteil.

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Urin kann Eutrophierung fördern

Der Große Wannsee wird als Bucht der Havel ständig durchströmt. Urin wird dadurch weitergetragen und verliert sich. In kleineren Seen ohne Durchfluss könne die Situation deutlich problematischer werden, heißt es von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Berlin. Die kleineren Seen haben keinen Abfluss, wodurch die Nährstoffe sukzessive angereichert werden. So komme es zur Eutrophierung, also zur unnatürlichen Anreicherung von Nährstoffen, mit gravierenden ökologischen Folgen. Diese können Verunreinigungen verursachen und je nach Wasseraustausch sowie Intensität der Badenutzung auch hygienisch relevant werden. Für den Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe ist die Sache deshalb eindeutig: „Man sollte grundsätzlich nicht in den See pinkeln. Es gehört sich einfach nicht.“

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