Mehr als 420.000 Mal haben die landeseigenen Wohnungsbauunternehmen in Berlin seit 2024 die Mieten erhöht. Das geht aus einer Anfrage der Grünen-Abgeordneten Katrin Schmidberger hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Jede fünfte Wohnung in Berlin gehört landeseigenen Unternehmen. Für sie gelten strengere Regeln als für private Vermieter. Die Auswertung zeigt, was das für Mieter bedeutet – und was nicht.
Fünf Erkenntnisse aus den Daten
Die Daten offenbaren fünf zentrale Erkenntnisse über das Mietenplus bei Berlins größten Vermietern. Erstens: Einzelne Mieter zahlen mehr. Die Erhöhungen erfolgen nicht pauschal, sondern betreffen einzelne Mietverhältnisse. Die landeseigenen Unternehmen müssen sich an die Mietpreisbremse halten, die in Berlin gilt. Dennoch sind die Erhöhungen in ihrer Summe beachtlich.
Zweitens: Die Erhöhungen verteilen sich unterschiedlich auf die sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften: Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie WBM. Jede Gesellschaft hat eigene Mieterhöhungsquoten. Drittens: Die durchschnittliche Mieterhöhung liegt bei etwa 2,5 Prozent pro Jahr, was der gesetzlichen Kappungsgrenze entspricht.
Auswirkungen auf Mieter
Viertens: Für Mieter bedeutet dies, dass sie trotz der strengeren Regeln mit jährlichen Anpassungen rechnen müssen. Die Mietpreisbremse erlaubt Erhöhungen bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete, maximal 15 Prozent in drei Jahren. Fünftens: Die Auswertung zeigt auch, dass die Unternehmen soziale Staffelung und Härtefallregelungen anwenden, um besonders betroffene Mieter zu schützen.
Katrin Schmidberger kommentierte die Ergebnisse: „Die Zahlen zeigen, dass die landeseigenen Unternehmen ihrer Verantwortung nur teilweise gerecht werden. Es braucht mehr Transparenz und eine konsequentere Anwendung der sozialen Kriterien.“ Die Daten umfassen den Zeitraum von Januar 2024 bis Juni 2026 und basieren auf den jährlichen Berichten der Unternehmen an den Senat.
Regeln für landeseigene Unternehmen
Im Gegensatz zu privaten Vermietern unterliegen die landeseigenen Wohnungsbauunternehmen zusätzlichen Vorgaben des Berliner Senats. Dazu gehören eine Begrenzung der Mieterhöhungen auf maximal 2 Prozent pro Jahr sowie die Verpflichtung, bei Modernisierungen die Mieter nicht übermäßig zu belasten. Die aktuelle Auswertung zeigt jedoch, dass diese Regeln nicht in allen Fällen eingehalten werden.
Die landeseigenen Unternehmen verwalten rund 400.000 Wohnungen in Berlin. Die Mieterhöhungen betreffen etwa 10 Prozent des Bestands pro Jahr. Die genauen Zahlen variieren je nach Gesellschaft: Die Gewobag führte die meisten Erhöhungen durch, gefolgt von der Degewo. Die Howoge und die Stadt und Land meldeten die geringsten Anpassungen.
Bedeutung für den Wohnungsmarkt
Die Ergebnisse der Anfrage sind ein wichtiger Indikator für die Entwicklung der Mietpreise in Berlin. Die landeseigenen Unternehmen gelten als Preisführer auf dem Markt. Ihre Mietpolitik beeinflusst auch private Vermieter. Die Auswertung zeigt, dass die Mietpreisbremse zwar wirkt, aber nicht alle Mieter ausreichend schützt.
Die Grünen fordern daher eine Verschärfung der Regeln: „Wir brauchen eine gesetzliche Mietendeckelung für alle Vermieter, nicht nur für landeseigene“, so Schmidberger. Der Senat prüft derzeit weitere Maßnahmen, um den Anstieg der Mieten zu bremsen.



