Berlin steht vor einer richtungsweisenden Wahl: Am 20. September 2026 entscheiden die Bürger über die künftige Verkehrspolitik der Hauptstadt. Die Parteien haben ihre Konzepte vorgelegt – sie reichen von massivem U-Bahn-Ausbau bis hin zu autofreien Kiezen. Ein Überblick über die wichtigsten Positionen.
SPD setzt auf Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs
Die SPD will vor allem den öffentlichen Nahverkehr stärken. Geplant sind neue U-Bahn-Linien, insbesondere eine Verlängerung der U5 bis zum Hauptbahnhof und eine neue Linie U9 vom Alexanderplatz zum Südkreuz. Zudem sollen Busspuren ausgeweitet und die Taktung auf vielen Linien verdichtet werden. „Wir wollen, dass Berliner und Besucher schneller und umweltfreundlicher ans Ziel kommen“, sagte ein Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus.
Grüne fordern autofreie Innenstadt und Tempo 30
Die Grünen gehen noch weiter: Sie wollen die Innenstadt weitgehend autofrei machen. Geplant ist ein flächendeckendes Tempolimit von 30 km/h auf allen Hauptstraßen, mit Ausnahme weniger Durchgangsachsen. Zudem sollen Parkplätze in zentralen Bezirken reduziert und in Grünflächen oder Fahrradstraßen umgewandelt werden. „Berlin muss lebenswerter werden – weniger Lärm, weniger Abgase, mehr Platz für Menschen“, erklärte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen.
CDU und FDP setzen auf Autoverkehr und Technologie
Die CDU und die FDP lehnen eine autofreie Innenstadt ab. Sie setzen stattdessen auf den Ausbau von Straßen und Brücken sowie auf intelligente Verkehrssteuerung. Die CDU fordert zudem den Bau neuer Parkhäuser an den Stadträndern, um den Parksuchverkehr zu reduzieren. Die FDP will vor allem auf Elektromobilität setzen und dafür mehr Ladesäulen in der Stadt installieren. „Ein Verbot von Autos ist der falsche Weg – wir brauchen moderne Technik, nicht Verbote“, so ein FDP-Sprecher.
Linke und AfD mit konträren Positionen
Die Linke möchte den Nahverkehr kostenlos machen und fordert einen massiven Ausbau von Radwegen. Die AfD hingegen lehnt Tempolimits und autofreie Zonen ab und setzt auf den Erhalt des Autoverkehrs als Rückgrat der Mobilität. „Die Berliner wollen nicht bevormundet werden – sie brauchen ein funktionierendes Verkehrssystem für alle“, sagte ein AfD-Vertreter.
Wie geht es weiter nach der Wahl?
Nach der Wahl am 20. September werden Koalitionsverhandlungen zeigen, welche Verkehrspolitik tatsächlich umgesetzt wird. Klar ist: Die Zukunft des Berliner Verkehrs wird entscheidend davon abhängen, welche Koalition sich bildet. Die Bürger haben die Wahl zwischen radikalen Veränderungen und behutsamen Modernisierungen.



