Die BVG treibt die Erschließung des Neubauquartiers Elisabeth-Aue in Berlin-Pankow mit einer neuen Straßenbahnstrecke voran. In einer aktuellen Ausschreibung sucht das Unternehmen einen Generalplaner für die Detailplanung der Trasse. Vorgesehen sind zwei Streckenäste, die das künftige Wohngebiet mit dem Berliner Nahverkehrsnetz verbinden sollen. Auf dem Gelände der Elisabeth-Aue, derzeit noch ein Feld, sollen bis 2040 rund 5000 Wohnungen entstehen.
Zwei Linien erschließen das Quartier
Das neue Quartier soll von zwei Seiten an das Straßenbahnnetz angebunden werden: Die Linie 50 wird von ihrem bisherigen Endpunkt an der Guyotstraße aus verlängert, während die M1 von der Dietzgenstraße aus nach Norden geführt wird. Beide Äste treffen sich im Rosenthaler Weg und führen dann durch das künftige Bebauungsareal. Insgesamt werden 3,4 Kilometer neue Gleise verlegt und fünf barrierefreie Haltestellen errichtet.
Laut Ausschreibung soll zunächst die Verlängerung der Linie 50 priorisiert werden. Diese führt derzeit von der Wendeschleife an der Guyotstraße über den S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf ins Zentrum von Pankow. Die M1 hingegen bietet eine direkte Verbindung ins Pankower Zentrum und weiter zur Berliner City, etwa zum Hackeschen Markt.
Herausforderungen bei der M1-Verlängerung
Die Ausschreibung weist auf mehrere Schwierigkeiten bei der M1-Verlängerung hin. So ist der Straßenquerschnitt an der Dietzgenstraße stellenweise nur 21 Meter breit, was durch eine denkmalgeschützte Friedhofsmauer begrenzt wird. Zudem wird der bisherige M1-Ast nach Niederschönhausen künftig nicht mehr im regulären Betrieb befahren, bleibt aber für operative Zwecke erhalten. Die Haltestellen Waldemarstraße und Schillerstraße entfallen, der Stopp Nordend wird in die Dietzgenstraße verlegt.
Nördlich der neuen Haltestelle Nordend sind vier weitere Stationen geplant: Dammsmühler Straße, Wiesenkräuterweg, Elisabeth-Aue Süd und Elisabeth-Aue Nord. Dort entsteht auch eine Wendeschleife.
Zeitplan und Planungsstand
Ursprünglich war die Fertigstellung der Straßenbahnstrecke für 2030 vorgesehen. Dieser Termin ist jedoch nicht mehr haltbar. Die BVG rechnet mit der Baugenehmigung (Planfeststellungsbeschluss) frühestens im März 2031. Bei zügigem Bau könnten die ersten Züge Ende 2032 die Elisabeth-Aue erreichen. Die Planungsunterlagen für die Genehmigung sollen bis März 2029 eingereicht werden. Bewerbungen von Planungsbüros sind noch bis Mitte August möglich, die Arbeiten sind für den Zeitraum Januar 2027 bis Dezember 2031 vorgesehen.
Der Senat hatte den Start des ersten Bauabschnitts für 2026 angekündigt. Die Fertigstellung des Gesamtquartiers wird sich nach Angaben von Bausenator Christian Gaebler (SPD) bis 2040 hinziehen. „Wir schaffen für die mehr als 10.000 Berlinerinnen und Berliner, die in der Elisabeth-Aue leben, wohnen und arbeiten werden, eine attraktive Anbindung an den ÖPNV“, sagte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) im März.
Historisches Depot in Niederschönhausen wird reaktiviert
Eine Überraschung hält die Ausschreibung bereit: Das denkmalgeschützte Tram-Depot in der Schillerstraße in Niederschönhausen soll wieder in Betrieb genommen werden. Der Betriebshof ist seit Jahren wegen Einsturzgefahr gesperrt. Die BVG hatte zuvor einen Abriss erwogen, war aber am Widerstand der Denkmalschutzbehörde gescheitert. Nun plant der Verkehrsbetrieb den Umbau parallel zum Streckenbau.
Allerdings gibt es eine technische Hürde: Die Tore der historischen Hallen sind nur 2,20 Meter breit, während die neuen Straßenbahnen vom Typ Flexity und Urbanliner 2,40 Meter breit sind. Die Ausschreibung fordert daher, bei der Planung eine Anbindung des Betriebshofs in nördlicher und südlicher Richtung zu ermöglichen. Ein erneuter Konflikt mit dem Denkmalschutz ist absehbar.



