Fahrradlieferanten: Fast ein Unfall pro Jahr – Studie belegt hohes Risiko
Fahrradlieferanten: Fast ein Unfall pro Jahr

Fahrerinnen und Fahrer von App-basierten Lieferdiensten wie Lieferando oder Foodora verursachen im Durchschnitt fast einen Unfall pro Jahr. Das geht aus einer heute veröffentlichten Studie der Technischen Universität Dresden hervor, die im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) erstellt wurde. Die Autoren ermittelten innerhalb von zwölf Monaten eine Ereignisrate von 0,9 Unfällen pro Person – ein im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen sehr hoher Wert.

Hohe Risiken im Straßenverkehr

„Die Studie belegt, dass der Straßenraum für Riderinnen und Rider mit besonderen Risiken verbunden ist“, sagt Manfred Wirsch, Präsident des DVR. „Wenn neue, fahrradbasierte Geschäftsmodelle unsere Städte verändern, darf dieser Wandel nicht zulasten der Menschen gehen, die ihn ermöglichen.“ Der Schutz der Gesundheit von Lieferdienst-Fahrerinnen und -Fahrern müsse Vorrang haben.

Profil der Fahrer: Überwiegend männlich, akademisch gebildet, aus dem Ausland

Die befragten Lieferdienstfahrer sind überwiegend männlich (93 Prozent), im Durchschnitt 30 Jahre alt und zu 75 Prozent im Ausland aufgewachsen. Die häufigsten Herkunftsländer sind Indien, Bangladesch, Pakistan, die Türkei und Syrien. Rund 70 Prozent verfügen über einen Bachelorabschluss oder eine höhere akademische Qualifikation. Für ihre Arbeit nutzen die Fahrer mehrheitlich elektrisch angetriebene Fahrräder, sogenannte Pedelecs (63 Prozent), gefolgt von konventionellen Fahrrädern (34 Prozent).

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Häufige Unfallursachen: Witterung und Infrastruktur

An 71 Prozent der erfassten Verkehrsunfälle von Lieferdienstfahrern sind keine anderen Verkehrsteilnehmer beteiligt. Als häufigste Ursache nannten 72 Prozent der Befragten rutschige Oberflächen durch Laub, Nässe oder Eis. Weitere relevante Faktoren sind unebene Untergründe durch Schlaglöcher oder Baumwurzeln (37 Prozent), Straßenbahnschienen (32 Prozent) und Bordsteinkanten (24 Prozent). Bei Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmenden waren am häufigsten Pkw-Fahrende (23 Prozent) sowie Fußgängerinnen und Fußgänger (19 Prozent) beteiligt. Das sogenannte Dooring – also Unfälle durch plötzlich geöffnete Autotüren parkender Fahrzeuge – machte 11 Prozent aller Unfallsituationen aus.

Hohe Dunkelziffer bei Unfallmeldungen

Bei etwa jedem zweiten Unfall erlitten Fahrer Verletzungen. Besonders betroffen waren Beine und Füße (73 Prozent) sowie Schultern, Arme und Hände (62 Prozent). Die Studie deckte zudem eine erhebliche Dunkelziffer auf: 26 Prozent der verunfallten Lieferdienstfahrer haben noch nie einen Unfall an ihren Arbeitgeber gemeldet. Lediglich zwölf Prozent meldeten ausnahmslos jeden Unfall. Während Unfälle mit einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens vier Tagen – der gesetzlichen Meldeschwelle – zu 94 Prozent gemeldet werden, bleiben Unfälle ohne längere Krankschreibung häufig unerfasst: 53 Prozent verzichteten in diesen Fällen auf eine offizielle Meldung.

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