Die Harzer Bergwacht ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich häufiger ausgerückt als im Vorjahreszeitraum. Wie eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes mitteilte, kamen die Bergwachtgruppen in Wernigerode und Thale bis Ende Juni auf insgesamt 54 Einsätze – ein Anstieg um 23 Prozent gegenüber 44 Einsätzen im ersten Halbjahr 2025. Besonders häufig mussten die ehrenamtlichen Retter auf dem Brocken und seinen Zugangswegen helfen.
Schwerpunkt Brocken: 41 Einsätze in Wernigerode
Die Bergwacht Wernigerode war mit 41 Einsätzen deutlich stärker gefordert als die Bergwacht Thale, die auf 13 Einsätze kam. Mehr als die Hälfte aller Einsätze entfiel auf Verletzungen nach Stürzen oder andere chirurgische Notfälle. Hinzu kamen internistische Notfälle, etwa akute Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, sowie Such- und Hilfeleistungseinsätze. Ein klarer Schwerpunkt lag auf dem Brocken und seinen Zugangswegen: Allein sieben Einsätze wurden auf dem Brockenplateau registriert, jeweils vier weitere am Goetheweg und im Eckerloch.
In diesem Jahr kamen bereits viermal Rettungshubschrauber mit Seilwinde zum Einsatz, um Verletzte aus schwer zugänglichem Gelände zu bergen. Im ersten Halbjahr 2025 hatte es drei Windenrettungen gegeben. Die zunehmende Zahl aufwendiger Rettungen belastet die ehrenamtlichen Kräfte.
Jugendgruppe verließ Notrufort – Appell der Bergwacht
Zu den aufwendigsten Einsätzen gehörte Anfang Januar die Rettung einer Jugendgruppe. Die Jugendlichen hatten wegen eines erschöpften Gruppenmitglieds einen Notruf abgesetzt, den gemeldeten Standort anschließend jedoch verlassen. Dadurch drohte sich der Einsatz zu einer großangelegten Suchaktion auszuweiten. Die Bergwacht appelliert deshalb eindringlich, nach einem Notruf möglichst am angegebenen Ort zu bleiben oder Änderungen des Standorts umgehend der Leitstelle mitzuteilen. „Wer den Standort verlässt, riskiert, dass die Rettungskräfte ihn nicht finden und wertvolle Zeit verloren geht“, warnt die Sprecherin.
Wander-Apps: Bequem, aber riskant
Mit Sorge beobachten die Einsatzkräfte den zunehmenden Einsatz von Wander-Apps. Digitale Tourenplaner seien zwar eine sinnvolle Unterstützung, ungeprüfte Routenvorschläge könnten Menschen aber in schwieriges oder gefährliches Gelände führen. Die Bergwacht rät deshalb, Touren sorgfältig zu planen, sich nicht allein auf Apps zu verlassen und stets eine Karte sowie ausreichend Verpflegung und wetterfeste Kleidung mitzuführen. „Viele Wanderer überschätzen ihre Fähigkeiten oder unterschätzen die Bedingungen im Harz“, so die Sprecherin. „Eine App ersetzt keine Erfahrung und keine Vorbereitung.“
Die Harzer Bergwacht besteht aus ehrenamtlichen Helfern, die ganzjährig im Einsatz sind. Die steigende Zahl von Notfällen – insbesondere auf dem Brocken – zeigt, wie wichtig eine gute Vorbereitung und ein verantwortungsvolles Verhalten in den Bergen sind.



