Mitte Juni wird es spannend bei der Bahn. Mit neun Jahren Verspätung soll am Mittag des 15. Juni der Betrieb auf der neuen S-Bahnlinie S15 zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof starten. Diesen Termin nannte Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek am Donnerstag bei einer Besichtigung des neuen Bahnsteigs am Hauptbahnhof.
Hintergrund der Verzögerungen
Einen Tag zuvor wird die ICE-Strecke nach Hamburg nach der Generalsanierung wieder befahren. Der Busersatzverkehr endet. Eigentlich sollte die Strecke Ende April wieder in Betrieb gehen, der harte Winter durchkreuzte das. Ebenfalls am Sonntag, 14. Juni, wird die Stadtbahn für Regional- und Fernzüge für ein halbes Jahr gesperrt. Bis Mitte Dezember gibt es keine Fern- und Regionalzüge zwischen Ostbahnhof und Charlottenburg. Fahrgäste müssen in die parallel fahrende S-Bahn steigen. Fernzüge werden durch den Tunnel umgeleitet, viele Regionalzüge fallen aus.
Baumaßnahmen und Terminverschiebungen
Die Bahn bündelt in diesen sechs Monaten diverse Arbeiten, zum Beispiel am Bahnhof Zoo und am Hauptbahnhof. Hier wurden erstmals Weichen eingebaut, um den Betrieb flexibler zu machen. Das war bei der Eröffnung 2006 eingespart worden. Als Anfang der 90er Jahre die Idee eines Kreuzungsbahnhofs entworfen wurde, war eine neue Nord-Süd-S-Bahn vorgesehen. Diese sollte den Hauptbahnhof nach Norden und Süden anbinden. 2011 begann die Planung für den ersten Abschnitt, die Inbetriebnahme sollte 2017 erfolgen – also vor neun Jahren.
Durch eine regelrechte Kaskade an Pannen bei Bau und Planung musste die Bahn zahlreiche Eröffnungstermine wieder absagen. Zuletzt wurden die Termine im Jahrestakt wieder verworfen. Zuletzt fehlten mehrere Jahre Prüfer für den Zulassungs- und Abnahmeprozess.
Provisorischer Bahnsteig und zukünftige Planungen
Die größte Panne wird vermutlich erst Mitte der 30er Jahre behoben. Denn die S15 wird bis auf Weiteres an einem provisorischen Bahnsteig unterhalb der Invalidenstraße halten. Der vorgesehene Bahnsteig unterhalb des Hauptbahnhofes kann wegen technischer Schwierigkeiten mit den darüberliegenden Brücken nicht gebaut werden. Solange müssen Fahrgäste beim Umsteigen weite Wege laufen, die verkehrliche Bedeutung des S15-Stummels ist ohnehin gering.
Ursprünglich hieß das Schienenprojekt S21. Wegen der Ähnlichkeit mit Stuttgart 21 spricht die Bahn seit einiger Zeit lieber von S15. So ist die neue Strecke auch bereits in der App hinterlegt. Der erste Zug mit Fahrgästen startet demnach um 11.57 Uhr. Eine Zwischenstation wird es nicht geben, der Zug hält nur auf dem Ring in Wedding und Gesundbrunnen.
Die seit Jahrzehnten vorgesehene Zwischenstation Perleberger Brücke war dem Land Berlin lange zu teuer. Erst 2023 bestellte der Senat die Station. Nun soll sie nachträglich angeflanscht werden, einen Termin gibt es nicht. Die Kosten werden sich vervielfachen.
Die Kurve vom Hauptbahnhof nach Westen auf den Nordring soll erst 2029 mit Inbetriebnahme der Siemensbahn befahren werden. Langfristig soll die S15 einmal die Berliner Innenstadt unterqueren: Vom Nordring soll die Strecke über Hauptbahnhof, Potsdamer Platz und Gleisdreieck bis zu den beiden S-Bahnhöfen Yorckstraße und Großgörschenstraße führen. Geplant wird aktuell nur der zweite Abschnitt, der dritte liegt in ferner Zukunft.



