Prenzlauer Zahnärztin übergibt Praxis an Nachfolger vor Umzug nach Südamerika
Prenzlauer Zahnärztin übergibt Praxis vor Südamerika-Umzug

Prenzlauer Zahnärztin übergibt Praxis an Nachfolger vor Umzug nach Südamerika

Die Verträge sind unterschrieben und die Zukunft der Zahnarztpraxis in der Prenzlauer Grabowstraße gesichert: Ab dem 1. April 2026 wird Dr. Vladik Jakobs aus Berlin die Praxis von Zahnärztin Judith Schmitz übernehmen und gemeinsam mit dem bestehenden vierköpfigen Schwestern-Team weiterführen. Für Judith Schmitz (45) endet damit eine berufliche Ära, während sie persönlich einen radikalen Neuanfang plant – elf Flugstunden von Madrid entfernt in Südamerika.

Lange Suche nach geeignetem Nachfolger

Es war lange Zeit ungewiss, ob Judith Schmitz einen passenden Nachfolger für ihre Praxis finden würde. Gegenüber Gerüchten, die in der Uckermark-Stadt kursierten, stellt sie nun klar: „Weder bin ich schwanger noch insolvent noch frisch geschieden.“ Stattdessen präsentiert sie eine positive Lösung: Mit Dr. Vladik Jakobs (57) hat sie einen erfahrenen Zahnmediziner gefunden, der die Praxis nahtlos übernimmt. Die Arbeitsverhältnisse der vier Zahnarzthelferinnen bleiben dabei vollständig erhalten.

Dr. Vladik Jakobs: Vom Zahntechnikermeister zum Praxisinhaber

Dr. Vladik Jakobs bringt einen besonderen beruflichen Werdegang mit: Nach einer Ausbildung zum Zahntechnikermeister absolvierte er ein Zahnmedizinstudium in Lettland und schloss das deutsche Staatsexamen erfolgreich ab. Bisher arbeitete er als angestellter Zahnarzt in Berlin. Während des Ukraine-Krieges leistete er zudem medizinische Hilfe in Frontnähe. Die Uckermark entdeckte er zunächst zufällig bei der Besichtigung einer anderen Praxis. „Die Landschaft und der Menschenschlag haben mich sofort überzeugt“, erklärt Jakobs. Als Judith Schmitz von seiner Suche nach einer beruflichen Perspektive in der Region erfuhr, war der Kontakt schnell hergestellt. „Die Chemie stimmte einfach“, betonen beide Mediziner.

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Stadt Prenzlau unterstützt mit 55.000 Euro gegen Ärztemangel

Die Stadt Prenzlau fördert die Praxisübernahme mit einem kommunalen Investitionszuschuss von 55.000 Euro. Grundlage ist die „Richtlinie zur Förderung eines kommunalen Investitionszuschusses gegen Ärztemangel in der Stadt Prenzlau und ihrer Ortsteile“. Dr. Jakobs zeigt sich dankbar: „Für die freundlichen Kontakte und die zügige Entscheidung bin ich sehr dankbar. Es ist ein gutes Zeichen, wenn sich das Rathaus so bewusst für die medizinische Versorgung einsetzt.“ Zu den Förderbedingungen gehört eine mindestens fünfjährige Tätigkeit am Vertragsarztsitz – eine Verpflichtung, die Jakobs fest entschlossen ist zu erfüllen. Derzeit sucht er noch eine Wohnung in Prenzlau.

Judith Schmitz: Kritik am deutschen Gesundheitssystem

Judith Schmitz, die ihre Praxis erst vor wenigen Jahren von ihrer Mutter Dr. med. Brunhilde Schmitz übernommen hatte, übt deutliche Kritik am deutschen Gesundheitssystem. Als Selbstständige habe sie zu viel Bürokratie erlebt, ihre Altersvorsorge sei „von Verwaltungsexperten komplett verspekuliert worden“. Sie befürchtet, dass das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren weiter leiden wird. Die politische Diskussion über Zahnarztkosten sei nur ein Beispiel dafür.

Die ärztliche Unterversorgung in Brandenburg und speziell in der Uckermark sieht sie als Ergebnis eines totalen Versagens der übergeordneten Behörden. Diese hätten es versäumt, vorausschauend zu planen, obwohl bekannt war, dass viele Ärzte in den Ruhestand gehen und gleichzeitig die Zahl der Medizinstudenten rückläufig ist. „Ärzte kann man nicht durch mehr Telematik oder durch mehr Pharmakologie ersetzen“, betont Schmitz.

Herausforderungen für Ärzte im Alltag

Schmitz beschreibt den beruflichen Alltag von Ärzten als ständigen Spagat: Sie müssten deutlich mehr arbeiten als vor 20 Jahren, um einerseits die Qualitätssicherungskriterien der Krankenkassen zu erfüllen und andererseits Wirtschaftlichkeitsprüfungen standzuhalten. Dabei bewegen sie sich „ständig im Spagat zwischen dem, was menschlich vertretbar, medizinisch sinnvoll und wirtschaftlich angemessen ist“. Ärzte seien auch nur Menschen, die tagsüber ständig aufmerksam sein müssten und abends erschöpft seien.

Vor diesem Hintergrund appelliert sie an die Patienten:

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  • Verständnisvoll mit Ärzten umgehen
  • Termine wahrnehmen
  • Rechnungen pünktlich bezahlen
  • Verstehen, dass Ärzte sich manchmal nicht so viel Zeit nehmen können, wie es wünschenswert wäre

Sie dankt ihren Patienten für das Vertrauen in ihr Team und ist zuversichtlich, dass dieses Vertrauen auch ihrem Nachfolger Dr. Jakobs zuteilwerden wird.

Familienpläne: Neuanfang in Südamerika

Im Sommer plant Judith Schmitz mit ihrem Mann und den Kindern den Umzug nach Südamerika, wo die Familie bereits ein neues Zuhause gefunden hat. „Gesellschaftlich, wirtschaftlich und finanziell entspricht das Auswandererland mehr unseren Vorstellungen“, begründet sie den Schritt. Für ihre Eltern, die in Deutschland bleiben, bedeuten die Auswanderungspläne einen schweren Einschnitt – besonders der Abschied von den Enkelkindern.

Doch Schmitz relativiert die Entfernung: „Von Madrid aus sind es elf Flugstunden. Einen Film an Bord geschaut, etwas Schlaf – und schon ist man da“. Manche Familien innerhalb Deutschlands würden sich im Jahr vielleicht auch nur zwei- oder dreimal sehen. Und dank Internet bleibe man ja nicht „aus der Welt“.

Bis Ende März wird Judith Schmitz noch in ihrer Praxis in der Grabowstraße praktizieren, während sie parallel ihr Haus verkauft. Für Dr. Vladik Jakobs beginnt dann am 1. April ein neues Kapitel als Praxisinhaber in der Uckermark – und für die Patienten der Praxis bleibt die medizinische Versorgung damit langfristig gesichert.