Downsyndrom und Sprachwitz: Warum ich lachen muss, wenn meine Tochter schimpft
Downsyndrom: Sprachwitz einer Tochter bringt Mutter zum Lachen

Downsyndrom und Sprachwitz: Warum ich lachen muss, wenn meine Tochter schimpft

Ein Familiennewsletter von Sandra Schulz erzählt von besonderen Momenten mit ihrer Tochter, die das Downsyndrom hat. Die Mutter berichtet humorvoll und einfühlsam über den Alltag, in dem Sprache eine überraschende Rolle spielt.

Kreatives Fluchen und rhetorische Figuren

"Du Zitrone!" sagte meine Tochter mit Downsyndrom neulich zu mir mit einem verschmitzten Grinsen. Nicht alle ihrer Flüche sind niedlich, und so habe ich einen neuen Erziehungsauftrag – auch für mich selbst. Wer hat schon Logopädie, wenig Grammatikkenntnisse, aber dennoch ein ausgeprägtes Gefühl für sprachliche Wirkung?

Es könnte sein, dass unsere Tochter einfach alle Flüche aneinanderreiht, die sie irgendwo aufgeschnappt hat: auf dem Schulhof, bei Kinderpartys oder auch von mir, wenn ich mal ein Wort mit "Sch" am Anfang zische. Auf jeden Fall zeigt sie ein Faible für das Trikolon, eine dreigliedrige Aufzählung. "Scheiße, Mann, Fuck!" habe ich sie neulich poltern hören, als sie sich ärgerte. Und ich – die Journalistin und Mama, die das Kind zur Logopädie fährt – rief aus dem Hintergrund: "Mist!"

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Die Kraft der Sprache im Alltag

Anscheinend spürt sie, worin die Stärke dieses rhetorischen Stilmittels liegt. Es heißt, damit werde der Eindruck von Vollständigkeit suggeriert, und die Drillingsformel sei besonders einprägsam. Tatsächlich ist die Botschaft überdeutlich, wenn mir meine Tochter ihre nackten Käsefüße entgegenstreckt, damit ich ihr in die Socken helfe. Ihre Begründung: "Bin schwach, platt, fertig." Und weil sie weiß, dass sie im ganzen Satz antworten soll, schiebt sie sauber artikuliert nach: "Ich bin schwach." Woraufhin ich – immer bemüht, den Wortschatz zu erweitern – korrigiere: "Du bist nicht schwach, sondern faul."

Wenn es gut läuft, lachen wir beide. Wenn es schlecht läuft, höre ich wieder etwas Sprachgewaltiges oder sie beginnt zu fauchen. Bisher habe ich nicht erlebt, dass meine Tochter von Angesicht zu Angesicht beleidigt. Noch nicht. Denn sie scheint gerade zu üben. "Du Püps!", sagte sie neulich und wollte testen, wie ich reagiere. Was ich tat – mit ernstem Gesicht und strenger Stimme. Sofort lenkte sie ein: "Na gut, du Huhn!" Und unterbreitete mir kichernd weitere Vorschläge: "Du Zitrone! Du Schnitzel! Du Pfannkuchen!" Was mich an eine bestimmte Stelle aus dem Conni-Buch erinnerte, das ich ihr oft vorlese.

Überraschende Wortschatz-Erweiterungen

Manchmal muss ich grübeln, woher die Begriffe stammen, die plötzlich im Wortschatz meiner Tochter auftauchen. "Ach, Papa!", flötete sie neulich beim Abendbrot und drückte sich an ihn. Flöten kann sie nämlich noch besser als fluchen. Nachdem sie seine Frisur gelobt hatte ("Sieht toll aus!"), ging sie zu den inneren Werten über: "Papa – goldig, mutig und lieb!"

Das finde ich sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr gelungen, auch wenn mir erst nach Längerem einfiel, woher das "goldig" kam: von der netten Frau an der Wursttheke, die ihr immer eine dicke Scheibe Lyoner abschneidet. So schneidet sich unsere Tochter mit Downsyndrom überall eine Scheibe ab, ob man will oder nicht. Deswegen ermahnen mein Mann und ich uns jetzt gegenseitig, wenn wir merken, dass sich ein "Sch"-Laut anbahnt. Wie kann man nur als Sprachvorbild lustvoll fluchen? Uns fällt nichts Gescheites ein, verdammt!

Reflexionen über Familie und besondere Bedürfnisse

Im vergangenen Newsletter erzählte ich von Diagnosen und Prognosen während meiner Schwangerschaft. Eine Leserin schrieb mir von ihrer Tochter mit kongenitalem Hyperinsulinismus und teilte ihre Erfahrungen: Der Weg war nicht leicht, aber ihre Tochter scheint glücklich zu sein. Solche Geschichten erinnern mich daran, dass das Erwachsenwerden von Kindern mit besonderen Bedürfnissen oft aus Bangen besteht, ob der richtige Weg gewählt wurde.

Dieser Familienalltag mit Downsyndrom ist voller Überraschungen, die mich zum Lachen bringen, nachdenken lassen und manchmal auch fordern. Es ist eine Reise, auf der Sprache nicht nur Mittel zur Kommunikation, sondern auch Quelle der Freude und Verbindung wird.

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