EFSA bremst Sucralose-Ausweitung: Kein Sicherheits-Go für Backwaren bei hohen Temperaturen
EFSA: Kein Sicherheits-Go für Sucralose in Backwaren

EFSA zieht Bremse: Sucralose in Backwaren bei hohen Temperaturen nicht sicher bewertet

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine klare Entscheidung getroffen: Neue Backanwendungen für den künstlichen Süßstoff Sucralose (E 955) erhalten derzeit kein Sicherheits-Go. Dies betrifft insbesondere industriell gebackene, haltbare Kuchen und abgepackte Kekse, die bei hohen Temperaturen über längere Zeiträume hergestellt werden.

Hintergrund: Industrie wollte Nutzung ausweiten

Die Lebensmittelindustrie hatte beantragt, die Verwendung von Sucralose innerhalb der bestehenden Kategorie auf sogenannte feine Backwaren auszudehnen. Diese werden typischerweise industriell bei erhöhten Temperaturen gebacken und sind lange haltbar. Die EFSA teilte auf Nachfrage mit, dass sie die verfügbaren Daten geprüft hat, jedoch zu keiner abschließenden Sicherheitsbewertung kommen konnte.

Wichtig zu betonen: Die bisherigen Anwendungen von Sucralose – etwa in Zero-Getränken, Desserts oder Kaugummi – bleiben weiterhin als sicher eingestuft. Die Behörde hat hierfür klare Höchstmengen festgelegt, wobei der gesundheitliche Richtwert bei 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag liegt.

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Problem: Instabilität bei Hitze und mögliche Chlorfreisetzung

Laut EFSA deuten wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass Sucralose bei den hohen Temperaturen, die in bestimmten Backprozessen erreicht werden, über längere Zeiträume nicht stabil ist. Es bestehe die Möglichkeit, dass Chlor freigesetzt wird und sich chlorierte organische Verbindungen bilden könnten.

Die Behörde stellt jedoch klar, dass sie kein konkretes Gesundheitsrisiko identifiziert hat. Vielmehr fehlen ausreichende Daten, um Entwarnung für die neuen Verwendungen zu geben. Weitere Untersuchungen seien dringend erforderlich, um die Sicherheit unter diesen Bedingungen zu bewerten.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt seit Jahren

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät bereits seit längerer Zeit, Sucralose-haltige Lebensmittel nicht über 120 Grad Celsius zu erhitzen. In Laborversuchen konnten sich unter bestimmten Bedingungen chlorierte Verbindungen bilden, darunter Stoffe mit potenziell gesundheitsschädlichen Eigenschaften.

Paradoxe Situation: Backmischungen sind bereits im Umlauf

Während die Industrie mit ihren Anträgen gebremst wird, gelangt Sucralose bereits jetzt in Form von Backmischungen in private Haushalte. Rechtlich gelten diese Mischungen als Pulver, was ihre Verwendung ermöglicht. Die EFSA hat die EU-Kommission empfohlen, das Risiko der Bildung chlorierter Verbindungen auch beim privaten Kochen und Backen genauer zu prüfen.

Die Entscheidung der EFSA unterstreicht die Bedeutung einer strengen wissenschaftlichen Bewertung von Lebensmittelzusatzstoffen, insbesondere wenn neue Anwendungsbereiche erschlossen werden sollen. Verbraucher sollten sich bewusst sein, dass die Sicherheit von Sucralose in herkömmlichen Produkten weiterhin gegeben ist, während bei Backwaren mit hoher Hitzeeinwirkung noch Forschungsbedarf besteht.

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