Hebammen erhalten bessere Bezahlung und weniger Bürokratie nach monatelangen Verhandlungen
Hebammen: Mehr Geld und weniger Bürokratie ab April

Monatelanges Ringen endet: Hebammen erhalten bessere Arbeitsbedingungen

Nach monatelangen, intensiven Verhandlungen haben sich die Berufsverbände der Hebammen und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen auf wesentliche Verbesserungen geeinigt. Geringe Bezahlung und hohe bürokratische Hürden haben den Berufsalltag der Hebammen in der Vergangenheit erheblich erschwert. Diese Situation soll sich nun zumindest teilweise verbessern.

Konkrete Verbesserungen ab April

Die Einigung umfasst mehrere zentrale Punkte, die ab dem 1. April in Kraft treten sollen. Ein bedeutender Fortschritt betrifft die Bezahlung bei Klinikgeburten: Hebammen erhalten künftig auch dann bestimmte Zuschläge für die intensive 1:1-Betreuung von Gebärenden, wenn diese erst kurz vor der Geburt im Krankenhaus eintreffen. Bisher waren diese Zuschläge an strengere Voraussetzungen geknüpft.

Zudem wird die bürokratische Belastung reduziert. So müssen Hebammen für die Abrechnung telefonischer Beratungen von Frauen zu Hause keine separate Unterschrift mehr einholen. Diese Vereinfachung soll den administrativen Aufwand spürbar verringern und mehr Zeit für die eigentliche Betreuungsarbeit freisetzen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Politische Reaktionen und Hintergründe

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) begrüßte die Einigung als „eine gute Nachricht“. Die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner sprach von einem „tollen Ergebnis“. Ministerin Warken dankte in der „Rheinischen Post“ ausdrücklich allen Hebammen für ihren unermüdlichen Einsatz an der Seite von Frauen, Kindern und Familien.

Die Verhandlungen waren notwendig geworden, weil der Deutsche Hebammenverband vor einer drohenden „geburtshilflichen Unterversorgung“ gewarnt hatte. Hintergrund sind unzureichende Regelungen im bestehenden Hebammenhilfevertrag, der im vergangenen Jahr durch eine Schiedsstelle festgesetzt worden war. Aufgrund der nun erzielten Einigung will der Hebammenverband eine geplante Klage gegen diesen Schiedsspruch zurücknehmen.

Demografische Entwicklungen und strukturelle Herausforderungen

Die Bedeutung einer gut funktionierenden Geburtshilfe wird vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung deutlich. Laut dem Deutschen Hebammenverband werden in Deutschland bis zum Jahr 2030 zwischen 680.000 und 720.000 Geburten pro Jahr prognostiziert. Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2024 insgesamt 677.117 Neugeborene. Zum Vergleich: Die niedrigste Geburtenzahl seit 1946 wurde im Jahr 2011 mit 663.000 Neugeborenen registriert.

Gleichzeitig hat sich die Zahl der Krankenhäuser mit Entbindungsstationen seit der Wiedervereinigung halbisiert. Im Jahr 2024 verfügten nur noch 578 Kliniken über eine Geburtshilfestation. Diese strukturelle Entwicklung unterstreicht die Dringlichkeit, die Arbeitsbedingungen für Hebammen zu verbessern, um eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen.

Die Arbeitsgruppe aus Vertretern der Krankenkassen und der Hebammenverbände hat vereinbart, die Situation weiterhin genau zu beobachten und bei Bedarf nachzusteuern. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen sind ein erster, wichtiger Schritt zur Stärkung des Hebammenberufs und zur Sicherung der geburtshilflichen Versorgung in Deutschland.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration