Die 98. Oscarverleihung: Ein Abend voller Glamour und politischer Statements
Die 98. Verleihung der Academy Awards im Dolby Theatre in Los Angeles bot eine Mischung aus glamourösen Auftritten, emotionalen Dankesreden und politischen Untertönen. Unter der Moderation von Conan O'Brien wurden in 24 Kategorien die begehrten Oscars verliehen, während hinter den Kulissen strenge Sicherheitsvorkehrungen und kontroverse Diskussionen den Abend prägten.
Die ersten Gewinner des Abends
Den Auftakt machte die Kategorie Beste Nebendarstellerin, die an die 75-jährige Amy Madigan für ihre Rolle im Horrorfilm "Weapons" ging. Madigan, die bereits 1985 für "Zweimal im Leben" nominiert war, zeigte sich in ihrer Dankesrede bescheiden und verwirrt – ein Moment, der beim Publikum gut ankam.
In der Kategorie Bester Animationsfilm setzte sich "KPop Demon Hunters" von Maggie Kang, Chris Appelhans und Michelle L.M. Wong durch. Der Netflix-Erfolg besiegte damit Konkurrenten wie "Zoomania 2", der als zweiterfolgreichster Animationsfilm der Kinogeschichte galt. Der Sieg wurde als Zeichen für die wachsende Internationalität der Oscars gewertet.
Den Oscar für den besten animierten Kurzfilm erhielt "The Girl Who Cried Pearls" von Chris Lavis und Maciek Szczerbowski. Die Produktion des Office National du Film du Canada überzeugte die Academy mit ihrer einzigartigen Erzählweise.
Politische Untertöne und kontroverse Stimmen
Bereits im Vorfeld der Veranstaltung gab es politische Diskussionen. Conan O'Brien warnte in seiner Eröffnungsrede vor möglichen politischen Statements während der Dankesreden und verwies humorvoll auf eine Alternativ-Show von Kid Rock in einer nahegelegenen Kneipe. Die Einlaufmusik "Bombtrack" von Rage Against the Machine setzte ebenfalls ein politisches Signal.
Hinter den Kulissen äußerten internationale Nominiierte kritische Töne. Der iranische Regisseur Jafar Panahi, nominiert für "Ein einfacher Unfall", erklärte: "Im Vergleich zu dem, was in meinem Land geschieht, sind die Oscars bedeutungslos." Die palästinensische Regisseurin Kaouther Ben Hania, deren Film "Die Stimme von Hind Rajab" nominiert war, zeigte sich wütend und ängstlich, zumal ihr Hauptdarsteller Motaz Malhees nicht in die USA einreisen durfte.
Der deutsche Schriftsteller Daniel Kehlmann forderte in der "New York Times" klare Stellungnahmen zu politischen Themen: "Opportunismus ist ansteckend, Courage aber auch."
Sicherheitsvorkehrungen und organisatorische Herausforderungen
Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Dolby Theatre waren in diesem Jahr besonders streng. Ein Schutzradius von einer Meile wurde eingerichtet, Straßen wurden abgesperrt und FBI-Beamte sowie Anti-Terror-Spezialteams patrouillierten das Gelände. Ein internes FBI-Memo hatte vor möglichen Drohnenangriffen gewarnt, die sich jedoch nicht bestätigten.
Für die Gewinner begann nach der Preisverleihung ein anstrengender Marathon: Von der Bühne ging es zur Garderobe, dann Backstage, zu Social-Media-Auftritten, in den Fotografenraum und schließlich in den Interviewbereich. Die Regie hatte dafür eine digitale Flowchart entwickelt, um den Überblick zu behalten.
Neue Regeln und historische Hintergründe
Erstmals galt in diesem Jahr eine neue Regel: Academy-Mitglieder müssen alle nominierten Filme in jeder Kategorie gesehen haben, um in der Endrunde abstimmen zu dürfen. Diese Sichtungspflicht soll auf einer internen Streaming-Plattform nachverfolgt werden.
Die Oscar-Verleihung blickt auf eine fast hundertjährige Geschichte zurück. Die erste Zeremonie fand am 16. Mai 1929 im Hollywood Roosevelt Hotel statt, dauerte nur 15 Minuten und kostete pro Ticket 5 Dollar. Heute werden mehr als 3.000 Oscars verliehen, die Statuetten bestehen aus massiver Bronze und sind mit 24-karätigem Gold überzogen.
Deutsche Präsenz und modische Highlights
Auf dem roten Teppich sorgte der deutsche Moderator Steven Gätjen mit seinem hellblauen Samt-Anzug für Aufsehen. Seine charakteristischen Rufe "Germany! Germany! We are live in Germany!" lockten wie gewohnt Stars vor seine Kamera. Als mögliche Ablöse wird bereits Paul Luca Fischer gehandelt.
Unter den Stars fiel Leonardo DiCaprio mit einem Schnauzbart auf, der an Tom Selleck erinnerte. Timothée Chalamet trug ein komplett weißes Outfit mit zahlreichen Ringen und zeitweise einer Sonnenbrille. Das Farb- und Stilmotiv der Veranstaltung war von Zen- und Sonnenuntergangs-Ästhetik geprägt, mit handgemachten Bäumen mit dunkelroten Blättern.
Kulinarische Eindrücke und persönliche Notizen
Das Buffet im Dolby Theatre bot Shrimps, Pilztaschen, Hühnchen-Spießchen, Mini-Sandwiches und Desserts. Eine erste, nicht-repräsentative Umfrage unter Gästen ergab jedoch, dass das Essen in diesem Jahr etwas trocken ausfiel. Das Redaktionsteam vor den Bildschirmen ließ sich davon nicht abhalten und bestellte stilecht Pizza für den Fernsehabend.
Die Oscar-Nacht verlief mit der für Hollywood typischen Mischung aus Glamour, Emotionen und politischen Statements. Während die ersten Preise vergeben wurden, blieb die Spannung auf die Hauptkategorien bis zum Schluss erhalten. Die internationale Ausrichtung der Nominierungen und die politischen Diskussionen zeigten, dass die Oscars mehr sind als nur eine Preisverleihung – sie sind ein Spiegel der globalen Filmindustrie und ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.



