Adele Neuhauser spricht offen über Nacktszenen und gesellschaftliche Tabus im neuen ARD-Film
Adele Neuhauser über Nacktszenen und Tabus im ARD-Film

Adele Neuhauser: Offenheit über Nacktszenen und gesellschaftliche Tabus

Anlässlich ihres neuen Films im Ersten spricht die renommierte Schauspielerin Adele Neuhauser in einem exklusiven Interview über persönliche Grenzen, professionelle Herausforderungen und gesellschaftliche Erwartungen. Der Film "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" zeigt Neuhauser in der Rolle der Constanze, einer Chefin eines Münchner Trachtengeschäfts, die ihrem Mann mit einem deutlich jüngeren Callboy fremdgeht.

Die Herausforderung intimer Szenen

Gerade bei den intimen Szenen des Films sei sie sowohl als Schauspielerin als auch als Privatperson gefordert gewesen, berichtet Neuhauser der Deutschen Presse-Agentur. "Meine Scham zu überwinden und zu entscheiden, wie weit ich wirklich gehen will und muss, das war eine zentrale Frage", erklärt die Darstellerin. Im engen Austausch mit Regisseur Dirk Kummer und Kollege Manuel Rubey habe man beschlossen, mit diesen Szenen äußerst sensibel und sparsam umzugehen.

"Wir haben bewusst darauf verzichtet, bis in die letzte Konsequenz zu gehen", betont Neuhauser. "Weil mehr brauchen wir auch nicht zu sehen. Das Publikum weiß bereits, wie es geht." Dennoch seien diese Szenen von essentieller Bedeutung für die Erzählung gewesen, da sie einen natürlichen und ungeschönten Blick auf den Körper einer 67-jährigen Frau ermöglichen.

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Bruch mit traditionellen Gesellschaftsbildern

Neuhauser verfolgt mit ihrer Rolle ein klares Ziel: Sie möchte an etablierten Sehgewohnheiten kratzen und neue Perspektiven eröffnen. "Es muss möglich sein, dass wir als Gesellschaft akzeptieren, dass ältere Frauen ebenfalls körperliche Bedürfnisse haben dürfen", fordert die Schauspielerin. Während die Konstellation eines älteren Mannes mit einer jüngeren Frau über Jahrhunderte gesellschaftlich anerkannt wurde, sei das umgekehrte Bild nach wie vor ein Tabu.

Der Film thematisiert jedoch weit mehr als nur den körperlichen Aspekt. Constanze fühlt sich in ihrer langjährigen Ehe nicht mehr gesehen und spürt tiefe Sehnsüchte, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer nachvollziehen können. "Oft weiß man nicht genau, warum man unzufrieden ist", erklärt Neuhauser. "In langen Beziehungen entwickelt sich eine gewisse Normalität, und man glaubt, den anderen in jeder Lebenslage zu kennen, ohne darüber sprechen zu müssen."

Die Entwicklung der Filmfigur Constanze

Drehbuchautor Uli Brée wollte laut Presseheft eine ältere Frau porträtieren, die sich ihre Bedürfnisse nach Liebe, Nähe und Sichtbarkeit aktiv nimmt, wenn diese in ihrer Ehe verwehrt bleiben. Constanze fügt sich nicht einfach in ihr Schicksal, sondern stellt essentielle Fragen: "Betrüge ich mich selbst, oder betrüge ich dich? Wenn ich dir treu bleibe, bleibe ich dann auch mir selbst treu?"

Die anfängliche Unsicherheit der Figur wandelt sich im Verlauf der Handlung. Zunächst enttäuscht von der kommerziellen Natur der Begegnung erkennt Constanze: "Diese Leute machen das für Geld. Sie gaukeln einem genau das vor, was man hören will. Aber das, was ich fühlen will, das kann ich nicht kaufen." Mit der Zeit werden die Treffen jedoch intimer und die Gespräche berührender, was Neuhauser als romantische Tragikomödie beschreibt.

Frauenbilder in den Medien und persönliche Erfahrungen

Ältere Frauen sichtbarer zu machen, ist Neuhauser ein persönliches Anliegen. Sie kritisiert, dass Frauen zwischen 40 und 60 oft eine "Wüstenzeit" erleben, in der sie in Medien kaum repräsentiert werden. "Es braucht mehr Offenheit", fordert die Schauspielerin. "Wir als Filmschaffende haben die Pflicht, uns diesen Themen zu stellen und etablierte Sehgewohnheiten zu hinterfragen."

Ihre eigenen Erfahrungen mit Altersdarstellungen nimmt Neuhauser mit Humor: "Ich hatte mit 40 plötzlich die Anfrage, eine 70-Jährige zu spielen, was ich mit großer Freude angenommen habe. Dadurch habe ich gewissermaßen den Alterungsprozess übersprungen und wurde dem Publikum direkt als 'alte Schachtel' präsentiert." Diese Rolle in "Vier Frauen und ein Todesfall" habe ihr ermöglicht, eine Phase des "Brachliegens" zu überbrücken.

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Der Film "Makellos - Eine kurze Welle des Glücks" ist bereits in der ARD-Mediathek verfügbar und wird am Mittwoch, den 11. März, zur besten Sendezeit im Ersten ausgestrahlt. Regisseur Dirk Kummer betont im Presseheft die Wandlungsfähigkeit Neuhausers, die ihre Figuren stets mit viel Fantasie und Liebe ausfülle.