ZDF-Sendung „Besseresser“: Sebastian Lege zerlegt DDR-Malzkaffee „im nu“
In der aktuellen Folge der ZDF-Sendung „Besseresser“ hat TV-Koch Sebastian Lege den legendären DDR-Malzkaffee „im nu“ einem ausführlichen Test unterzogen. Der Kult-Kaffeeersatz aus Getreide war in der DDR Millionen von Menschen ein vertrauter Begleiter, als echter Kaffee Mangelware war. Lege nimmt nicht nur den Geschmack und die Herkunft unter die Lupe, sondern versucht sich auch selbst an der Herstellung des Malzkaffees.
Historischer Hintergrund: Warum die DDR auf Malzkaffee setzte
Kaffee war in der Deutschen Demokratischen Republik genauso begehrt wie in der Bundesrepublik, galt jedoch als absolute Luxusware. Anfangs bezog die DDR die Bohnen noch aus der Sowjetunion, doch ab 1954 musste sie den Kaffee teuer mit Westgeld auf dem Weltmarkt einkaufen. Ende der 1970er Jahre verschärfte sich die Situation dramatisch, als eine ausgebliebene Ernte in Brasilien zu einer akuten Kaffeeknappheit führte.
Die DDR-Regierung reagierte mit einem Notfallplan und präsentierte den sogenannten Kaffee-Mix, eine Mischung aus 50 Prozent Kaffee und 50 Prozent Ersatzstoffen wie Erbsen oder Getreide. Dieser Mix wurde von der Bevölkerung jedoch abgelehnt und spöttisch „Erichs Krönung“ genannt. Als Alternative etablierte sich schließlich der Malzkaffee „im nu“ der Marke Röstfein, der zu einer erschwinglichen Lösung für Kaffeeliebhaber wurde.
Sebastian Leges Herstellungsprozess: Vom Getreide zum Malzkaffee
In der Sendung demonstriert Sebastian Lege Schritt für Schritt, wie der Malzkaffee traditionell hergestellt wird. Zuerst weicht er Gerstenkörner in Wasser ein, um sie zum Keimen zu bringen. Dieser Prozess aktiviert Enzyme, die die Stärke in den Körnern in Malzzucker umwandeln. Anschließend trocknet Lege die Körner und entfernt die Keime sorgfältig.
Übrig bleibt eine Mischung aus Gerste, Gerstenmalz und Roggen, die er in eine Rösttrommel gibt. Beim Rösten entwickeln die Körner nicht nur ihre charakteristische dunkle Farbe, sondern auch das typische Aroma. „Das riecht hier original wie Kaffee“, stellt Lege während des Röstvorgangs fest. Doch er weist auch auf einen Nachteil hin: Durch das Rösten können geringe Mengen Acrylamid entstehen, das im Verdacht steht, Krebs zu verursachen.
Gesundheitliche Aspekte: Vorteile von Getreidekaffee
Obwohl normaler Kaffee ebenfalls potenziell gesundheitliche Risiken birgt, bietet Malzkaffee einen entscheidenden Vorteil: Er enthält kein Koffein. Dr. Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin erklärt: „Getreidekaffee ist daher eine gute Alternative für Schwangere, Menschen, die keinen Kaffee vertragen, oder Kinder.“ Dieser Aspekt macht den Malzkaffee auch heute noch zu einer interessanten Option für bestimmte Bevölkerungsgruppen.
Vom Mahlen bis zum fertigen Produkt: Leges Experiment
Nach dem Rösten mahlt Sebastian Lege das Getreide fein in einer Kaffeemühle, damit es beim Aufbrühen mehr Wasser aufnehmen kann. „Sieht etwas aus wie Schlammbrühe“, kommentiert er den Prozess. Anschließend filtert er die Brühe mit einer XXL-French-Press und sprüht den Kaffee-Extrakt über stark erwärmte Luft. Durch die Hitze entweicht die restliche Feuchtigkeit, während Aroma und Farbe erhalten bleiben.
Stolz präsentiert Lege schließlich seinen selbst hergestellten Malzkaffee mit dem Namen „Ruck Zuck“. Bei der Verkostung urteilt er: „Es riecht sehr ähnlich. Es sieht genau so aus. Der Geschmack ist schon anders, aber diese süße Note mit den Röstaromen kommt dem schon sehr nah.“ Sein Resümee fällt durchaus positiv aus, auch wenn er die historischen Umstände der Entstehung kritisch reflektiert.
Fazit: Kultprodukt zwischen Nostalgie und praktischem Nutzen
Die ZDF-Sendung „Besseresser“ mit Sebastian Lege zeigt eindrucksvoll, wie der DDR-Malzkaffee „im nu“ nicht nur ein Produkt der Not, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte ist. Während die Herstellung pfiffige Lösungen erforderte, bleibt der Getreidekaffee bis heute eine Alternative für Menschen, die auf Koffein verzichten möchten oder müssen. Leges Experiment unterstreicht sowohl die handwerkliche Kunst als auch die gesellschaftlichen Hintergründe dieses Kultprodukts.



