700 Jahre altes Wandbild in Neubrandenburger Konzertkirche nach Jahrhunderten wiederentdeckt
700 Jahre altes Wandbild in Neubrandenburger Kirche entdeckt

Verborgene Kunst aus dem Mittelalter

In der Neubrandenburger Konzertkirche verbirgt sich ein kunsthistorischer Schatz von unschätzbarem Wert. Ein monumentales Wandbild, das bereits im frühen 14. Jahrhundert entstand, war über mehrere Jahrhunderte hinter Farbschichten verborgen und geriet fast in Vergessenheit. Erst durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten konnte dieses einzigartige Zeugnis mittelalterlicher Kunst wieder sichtbar gemacht werden.

Das Weltgericht an der Westwand

Das mehr als 700 Jahre alte Wandbild befindet sich an der Westwand des Kirchenschiffes und stellt das traditionelle Motiv des Weltgerichts dar. Im Zentrum der Darstellung ist Christus zu erkennen, flankiert von Maria und Johannes dem Täufer als Fürbitter. Umgeben wird die zentrale Szene von zahlreichen religiösen Symbolen und biblischen Figuren, darunter Engel sowie die vier Evangelistensymbole Adler, Löwe, Stier und Mensch.

Die Malerei entstand in der sogenannten Secco-Technik, bei der die Farben auf trockenen Putz aufgetragen werden. Diese Technik unterscheidet sich grundlegend von der Freskomalerei, bei der auf frischen Kalkputz gemalt wird. Das Wandbild gehört zu den ältesten erhaltenen Kunstwerken der Kirche, nur der aus Feldstein gemauerte Unterbau des Westturmes und seine nördliche Nebenhalle sind noch älter.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Jahrhunderte der Übermalung und Wiederentdeckung

Spätestens während der Reformationszeit wurde das bedeutende Wandbild übermalt und geriet dadurch für lange Zeit in Vergessenheit. Bei späteren Sanierungsarbeiten wurde es immer wieder überstrichen, bis es schließlich durch die Zerstörungen am Ende des Zweiten Weltkriegs teilweise wieder sichtbar wurde. Allerdings war die wertvolle Malerei von 1945 bis in die 1980er Jahre hinein der Witterung ausgesetzt, da das Kirchenschiff in dieser Zeit kein schützendes Dach besaß.

Erst mit dem 1998 begonnenen Umbau der Konzertkirche konnten sich Experten intensiv um das Wandbild kümmern. Bei den Untersuchungen wurden zahlreiche Schäden festgestellt, darunter Fehlstellen im Putz, Risse und Putzlockerungen. Es bestand die akute Gefahr weiterer Verluste dieses einzigartigen Kunstwerks.

Behutsame Restaurierung und Replik

Die Stadt Neubrandenburg als Bauherrin entschied sich gemeinsam mit den Experten für eine behutsame Sicherung und Bewahrung des historischen Bestandes. Anstatt das Wandbild in alter Frische erstrahlen zu lassen, wurden Fehlstellen in der Malerei farblich dezent und zurückhaltend ausgebessert. Diese Entscheidung respektiert die Geschichte des Kunstwerks und bewahrt seine Authentizität.

Um Besuchern dennoch einen Eindruck vom ursprünglichen Aussehen des Wandbildes zu vermitteln, wurde eine großformatige Replik angefertigt. Ein Künstler gestaltete diese Replik in der originalen Secco-Technik, die unterhalb des historischen Wandbildes ausgestellt ist. Diese Darstellung zeigt, wie das Bild einst im Original aussah und ermöglicht einen faszinierenden Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Wiederentdeckung dieses mittelalterlichen Wandbildes fällt in ein besonderes Jahr für die Neubrandenburger Konzertkirche. Das Haus feiert 2026 seinen 25. Geburtstag, nachdem es am 13. Juli 2001 mit einem Festkonzert eröffnet wurde. Zu diesem Anlass werden in den kommenden Monaten 25 Geschichten über das Wahrzeichen und seine Menschen veröffentlicht, wozu auch die faszinierende Geschichte des wiederentdeckten Wandbildes gehört.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration