Historisches Denkmal in akuter Gefahr: Haus Demmin vollständig gesperrt
Die wichtigste Sehenswürdigkeit der Hansestadt Demmin ist ab sofort nicht mehr zugänglich. Wegen akuter Einsturzgefahr wurden alle Zugänge zur Gutshausruine Haus Demmin gesperrt. Die Stadtvertretung hatte in ihrer Sitzung am 18. März die dringend erforderlichen Notsicherungsmaßnahmen abgelehnt, obwohl bereits Fördermittel in beträchtlicher Höhe bereitstanden.
Politische Entscheidung mit weitreichenden Folgen
Die Entscheidung fiel nach einer intensiven Debatte in der Stadtvertretung. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, notwendige Sicherungsarbeiten durchzuführen, die mit einer 50-prozentigen Landesförderung unterstützt werden sollten. Für den ersten Bauabschnitt im Jahr 2026 waren 180.000 Euro veranschlagt, für den zweiten Bauabschnitt 2027 weitere 119.000 Euro. Die Gelder waren bereits im Haushalt eingeplant, und der Bürgermeister sollte beauftragt werden, zusätzliche Drittmittel einzuwerben, um den städtischen Eigenanteil weiter zu senken.
Bauingenieur Steffen Teetz, Vorsitzender der CDU-Fraktion, wies darauf hin, dass ein Abriss der Ruine rechtlich nicht möglich sei und die Hansestadt die Verantwortung für die Verkehrssicherheit trage. „Wenn wir die Sicherung weiter verzögern, müssten wir das gesamte Areal, einschließlich der frühdeutschen Burgruine, vollständig sperren“, erklärte er. Ein Zaun um die Ruine sei aufgrund des Bodendenkmals nicht zulässig.
Kontroverse Positionen in der Stadtvertretung
Die Fraktionen blieben bei ihren unterschiedlichen Positionen:
- CDU stimmte geschlossen für die Sicherungsmaßnahmen und betonte die historische und touristische Bedeutung des Denkmals
- UWG lehnte ab und priorisierte stattdessen eine „Umgestaltung“ des Geländes
- AfD sprach sich zwar grundsätzlich für den Erhalt aus, lehnte aber die geplanten Maßnahmen aus finanziellen Gründen ab
- Die Linke stimmte ebenfalls gegen die Sicherungsarbeiten
Einzig Anne Siemonsmeier von der AfD enthielt sich der Stimme und brach damit die Fraktionsdisziplin.
Zustand des Denkmals besorgniserregend
Das Objekt „Gutshausruine (Haus Demmin) mit frühdeutscher Burgruine und Wallanlage“ ist als Denkmal Nummer 322 in der Denkmalliste des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte verzeichnet. Der aktuelle Zustand ist alarmierend:
- Zerbröckelndes Mauerwerk mit tiefen Rissen
- Träger, die kaum noch Auflage haben
- Wucherndes Gestrüpp auf einer nicht mehr begehbaren Kellerdecke
- Durch kaputte Dachentwässerung gelangt zusätzliche Feuchtigkeit ins Mauerwerk
- Wände, die zunehmend aus dem Lot geraten
Bürgermeister Thomas Witkowski betonte in der Debatte die Vorbildfunktion der Hansestadt in Sachen Denkmalpflege und verwies auf gute Chancen, zusätzliche Landes- und Bundesmittel einzuwerben. „Wenn wir uns verweigern, werden Land und Bund uns in Zukunft aber dafür kein Geld mehr zur Verfügung stellen“, warnte er.
Touristischer Anziehungspunkt dauerhaft verloren
Durch die vollständige Sperrung ist nicht nur die Gutshausruine, sondern auch der Zugang zur frühdeutschen Burgruine dauerhaft nicht mehr möglich. Damit verliert Demmin einen der wichtigsten touristischen Anziehungspunkte der Region. Das Haus Demmin, das zu DDR-Zeiten als Internat diente und durch dessen Portal Generationen von Demminer Schülern schritten, bleibt nun hinter Absperrungen verborgen.
Rainer Tietböhl (CDU) mahnte: „Ich halte es für einen Fehler von historischer Tragweite, wenn wir heute entscheiden, wir machen gar nichts.“ Die Stadt habe eine Sicherungspflicht für dieses Denkmal und müsse dieser nachkommen, unabhängig von finanziellen Erwägungen.
Am Donnerstag nach der Entscheidung rückte der Bauhof an, um sämtliche Zugänge abzusperren und so zu verhindern, dass Besucher zu Schaden kommen, wenn Mauern und Kellerdecken tatsächlich einstürzen sollten.



