Buchhandlungspreis-Skandal: Midyatli fordert Transparenz nach abgesagter Verleihung
Midyatli fordert Transparenz nach Buchhandlungspreis-Skandal

Wirbel um abgesagte Buchhandlungspreis-Verleihung: Midyatli verlangt lückenlose Aufklärung

Nach der abrupten Absage der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises fordert SPD-Bundesvize Serpil Midyatli nun umfassende Transparenz und eine detaillierte Aufklärung der Vorgänge. Die schleswig-holsteinische Oppositionsführerin sieht in dem Skandal um den renommierten Kulturpreis eine besorgniserregende Serie instinktloser und fehlgeleiteter Entscheidungen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.

Glaubwürdigkeit des Kulturstaatsministers hat bereits Schaden genommen

„Der Skandal um den Buchhandlungspreis reiht sich ein in eine Serie instinktloser und fehlgeleiteter Entscheidungen von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer“, erklärte Midyatli gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit deutlichen Worten. Sie betonte, dass Weimer dringend für vollständige Aufklärung sorgen müsse, da seine Glaubwürdigkeit bereits erheblichen Schaden genommen habe. Die Sozialdemokratin unterstrich die Bedeutung der Kulturschaffenden für die Gesellschaft, kritisierte jedoch gleichzeitig, dass diese durch die aktuellen Vorgänge verprellt würden.

Der Ausschluss mehrerer Buchhandlungen von der Nominierungsliste habe in der gesamten Branche und in der breiten Öffentlichkeit zahlreiche kritische Fragen aufgeworfen, die nun dringend beantwortet werden müssten. Midyatli hob hervor, dass der Deutsche Buchhandlungspreis ein wichtiges kulturpolitisches Signal darstelle und für die Vielfalt des Buchhandels stehe. „Eine nachvollziehbare Erklärung kann helfen, das Vertrauen in das Verfahren und den Preis wieder zu stärken“, so die Politikerin weiter.

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Hintergrund: Streichung linker Buchläden und juristische Auseinandersetzungen

Der parteilose Staatsminister Wolfram Weimer hatte drei als links geltende Buchläden in Berlin, Bremen und Göttingen aufgrund sogenannter verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse von der Nominiertenliste für den Deutschen Buchhandlungspreis streichen lassen. Obwohl eine unabhängige Jury die Auswahl getroffen hatte, folgte Weimer nach eigenen Angaben in diesen drei speziellen Fällen der Jury-Empfehlung ausnahmsweise nicht.

Die betroffenen Buchhandlungen haben inzwischen Klage eingereicht und werfen dem Minister vor, die Betreiber in der Absagemail getäuscht zu haben. In der schriftlichen Mitteilung sei behauptet worden, dass die Jury die Buchläden nicht für eine Auszeichnung ausgewählt habe. „Eine derartige Lüge wie in der Absage-E-Mail an die Buchhandlungen ist feige“, teilte Anwalt Sven Adam mit deutlicher Kritik mit. Die betroffenen Buchhandlungen prüfen nun eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Kanzleramt.

Eine Sprecherin Weimers entgegnete darauf, es handele sich lediglich um eine standardisierte Absage gehandelt habe, die versendet worden sei. Der Kulturstaatsminister selbst argumentierte im Kulturausschuss des Bundestags, dass der mit Steuergeld finanzierte Preis nicht „an Feinde des Staates“ gehen dürfe.

Verleihung abgesagt – Preisgeld wird direkt überreicht

Nach massiven Protesten gegen die umstrittene Entscheidung ließ Weimer schließlich die für den 19. März geplante feierliche Verleihung auf der Leipziger Buchmesse absagen. Statt einer öffentlichen Preisverleihung sollen die ausgezeichneten Buchhandlungen ihr Preisgeld und die Urkunden nun direkt erhalten. Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltenden Spannungen und den Vertrauensverlust in das kulturpolitische Verfahren.

Midyatli betonte abschließend, dass eine transparente Aufklärung nicht nur für die betroffenen Buchhandlungen und die Kulturszene wichtig sei, sondern auch für den Kulturstaatsminister selbst von entscheidender Bedeutung wäre. Die Debatte um den Buchhandlungspreis zeigt einmal mehr, wie sensibel kulturpolitische Entscheidungen sind und welche weitreichenden Konsequenzen sie für das Vertrauen in staatliche Kulturförderung haben können.

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