Vergessene Kunstschätze kehren nach Jahrzehnten ins Licht zurück
Im Überregionalen Förderzentrum Hören und Kommunikation in Güstrow wurden zwei bedeutende Kunstwerke nach langer Vergessenheit wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die beiden Hinterglasmalereien des DDR-Künstlers Erwin Fuchs aus dem Jahr 1957 waren ganze 17 Jahre lang im Keller der Bildungseinrichtung eingelagert, bevor sie nun im Rahmen des 75-jährigen Jubiläums feierlich wieder eingeweiht werden konnten.
Entdeckung und Restaurierung durch engagierte Initiativen
Die stellvertretende Schulleiterin Birgit Schaub entdeckte die Kunstwerke während umfangreicher Sanierungsarbeiten an der Schule. Die Malereien samt ihrer originalen Trinkwasserbrunnen waren nach dem Abriss eines Schulteils im Jahr 2007 in den Keller verbannt worden, wo sie in völliger Vergessenheit gerieten. „Wir haben es tatsächlich geschafft, die Hinterglasmalereien zum 75. Jubiläum wieder einweihen zu können“, erklärte Birgit Schaub sichtlich bewegt während des Festaktes am 12. März.
Für die aufwendige Restaurierung und Wiederanbringung der Kunstwerke wurden insgesamt 10.000 Euro benötigt. Durch einen Spendenaufruf, der im Dezember gestartet wurde und auch auf der Plattform betterplace.org veröffentlicht war, kamen die notwendigen Mittel innerhalb von nur drei Monaten zusammen. Unterstützung erhielt das Projekt vom Förderverein der Schule sowie dem Güstrower Ortschronisten Dieter Koelpien.
Die großzügigen Spender und ein besonderer Enkel
Zu den zahlreichen Spendern gehörten die Stadtwerke Güstrow, die Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, die Ostseesparkasse, der Netzbetreiber 50 Hertz sowie viele engagierte Bürgerinnen und Bürger. Besonders großzügige Beiträge kamen von Herrn Weise und dem Berliner Ingenieur René Fuchs, der sich als Enkel des Künstlers Erwin Fuchs herausstellte.
René Fuchs nutzte die Gelegenheit, um den anwesenden Gästen seinen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Großvater vorzustellen. „Über Erwin Fuchs ist heute nur noch wenig bekannt, obwohl er ein bedeutender Künstler seiner Zeit war“, betonte der Enkel während der Veranstaltung, die von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt wurde.
Das bewegte Leben des Künstlers Erwin Fuchs
Erwin Fuchs wurde am 15. Dezember 1908 in Stettin, dem heutigen Szczecin, geboren und absolvierte seine künstlerische Ausbildung an der Kunstgewerbeschule seiner Heimatstadt. Als überzeugter Kommunist wurde er während der NS-Zeit ins Zuchthaus gesteckt und kam nur durch großes Glück sowie die Fürsprache eines Kunstkenners wieder frei.
Zwischen 1935 und 1947 lebte Fuchs mit seiner Familie in Güstrow, wo er in unmittelbarer Nähe zu Ernst Barlach wirkte, der offensichtlich als künstlerisches Vorbild diente. In dieser Zeit schuf er unter anderem Wandmalereien für eine Turnhalle der Stadt, die von Zeitgenossen als dekorativ und jugendstilartig beschrieben wurden.
1947 zog der Künstler nach Schwerin und hatte als Verfolgter des Faschismus einen erfolgreichen Start in der DDR mit zahlreichen Aufträgen, von denen er gut leben konnte. 1957 schuf er die nun wiederentdeckten Hinterglasmalereien sowie die beiden dazugehörigen Trinkwasserbrunnen für den damaligen Schulteil der Gehörlosenschule in Güstrow.
Künstlerisches Schaffen zwischen verschiedenen Stilen
Erwin Fuchs bewegte sich künstlerisch zwischen Malerei, Grafik und Holzbildhauerei. Seine Werke zeigen deutliche Einflüsse des Jugendstils, Impressionismus und Expressionismus. Viele seiner erhaltenen Arbeiten widmen sich norddeutschen Landschaften und Küstenmotiven, die er mit großer Sensibilität und handwerklichem Können umsetzte.
Die beiden nun restaurierten Hinterglasmalereien für die Trinkwasserbrunnen von 1957 nehmen das Thema Wasser auf besonders kunstvolle Weise auf. Die tiefgrünen Farbtöne und raffinierten Spiegelreflexe erzeugen den Eindruck, auf einen zauberhaften Meeresgrund zu blicken – eine Gestaltung, die offensichtlich genau auf die Fantasie der sechs- bis 16-jährigen Schülerinnen und Schüler am Landesförderzentrum Hören abgestimmt war.
Neuer Ehrenplatz für die restaurierten Kunstwerke
Die beiden Hinterglasmalereien befinden sich nun im ersten Obergeschoss vor der Aula im Hauptgebäude der Schule und sind damit für alle Besucher gut sichtbar. Schulleiter Daniel Stockmann bedankte sich zusammen mit Birgit Schaub besonders bei Dieter Koelpien und allen Spendern für deren Engagement, das diese Wiedersichtbarmachung der Kunstschätze ermöglicht hat.
Die Wiederentdeckung und Restaurierung der Werke von Erwin Fuchs stellt nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Region dar, sondern bietet auch den Schülerinnen und Schülern des Förderzentrums die Möglichkeit, täglich mit hochwertiger Kunst in Berührung zu kommen. Die beiden Hinterglasmalereien leuchten nun nach 17 Jahren im Dunkel des Kellers wieder in voller Pracht und bereichern den Schulalltag auf besondere Weise.



