Berliner Club-Szene: DJ verliert Auftrag nach Diffamierung als „Zionist“ durch Aktivisten
DJ verliert Auftrag nach Diffamierung als „Zionist“

Berliner Club-Szene: DJ verliert Auftrag nach Diffamierung als „Zionist“ durch Aktivisten

Techno-Beats und DJ-Musik gelten oft als unpolitisch, doch in der Berliner Club-Szene zeigt sich ein anderes Bild. Künstler verlieren regelmäßig Aufträge, sobald sie von Aktivisten im Hintergrund als „Zionisten“ gebrandmarkt werden. Ein aktueller Fall betrifft den Berliner Künstler DJ Phonatic, der einen geplanten Gig in einer neuen Kreuzberger Bar kurzfristig absagen musste.

Absage per WhatsApp nach Aktivisten-Beschwerde

Die Bar hatte DJ Phonatic für einen Abend gebucht, doch einen Tag vor dem geplanten Auftritt erreichte ihn eine Absage per WhatsApp-Nachricht. Als Begründung wurde angegeben, dass die Bar kontaktiert worden sei mit der Beschwerde, warum dort ein „Zionist“ spielen dürfe. „Statt zunächst das Gespräch mit mir zu suchen – wie es bei offensichtlicher Diffamierung redlich gewesen wäre – entschied man sich für vorauseilenden Gehorsam“, kritisiert der DJ auf Instagram.

In der Nachricht hieß es weiter, dass sich die neu eröffnete Bar keinen schlechten Ruf leisten könne. Die Kommunikation wurde daraufhin eingestellt. Am nächsten Tag spielte an seiner Stelle ein DJ mit deutlich sichtbarer pro-palästinensischer Gesinnung.

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Systematische Ausgrenzung in der Club-Szene

DJ Phonatic entschied sich, den Vorfall öffentlich zu machen, da es sich seiner Aussage nach nicht um einen Einzelfall handelt. „Ich bin da bei weitem nicht alleine betroffen“, erklärt er. Die Utopie des Clubs als ideologiefreier Raum sei längst nicht mehr gelebte Realität. Insbesondere seit dem 7. Oktober habe sich die Club-Szene „sowohl in der Qualität als auch in der Quantität“ spürbar antiisraelisch radikalisiert.

Der DJ und Sozialwissenschaftler betont: „Mir ist es ganz wichtig, diese Methoden sichtbar zu machen, weil diese Ausgrenzung in 99 Prozent der Fälle unsichtbar und hinter den Kulissen passiert.“ Betroffen seien vorwiegend Kollegen mit israelischem und jüdischem Hintergrund sowie jene, die sich offen gegen den zunehmenden Israelhass in der Szene aussprechen.

Schweigen der Szene nährt Radikalisierung

„Viele in dieser Szene schweigen dazu“, sagt DJ Phonatic weiter. „Eigentlich haben sie keine Lust auf diese Erpressungsmethoden und aggressiven Diktate, aber aus Angst unternehmen sie nichts dagegen.“ Dieses Schweigen ermutige die Aktivisten jedoch, selbstbewusst und aggressiv anderen Druck zu machen.

Es sei unklar, wie viele Personen tatsächlich hinter den Einschüchterungs-E-Mails stecken. Klar ist für den DJ aber: „Diese Leute treibt eine bestimmte Obsession an. Und sie trifft in immer mehr Fällen auf fruchtbaren Boden.“

Politische Reaktion: „Elendiger Antisemitismus“

Der ehemalige Politiker Michael Roth (SPD) zog aus dem Fall einen deutlichen Schluss. Auf der Plattform X bezeichnete er die Vorgänge als „elendigen Antisemitismus“. Seine Kritik unterstreicht die politische Dimension des Vorfalls, der über die Club-Szene hinausreicht.

Der Fall zeigt, wie politische Konflikte zunehmend in kulturelle Räume hineingetragen werden und dort zu Ausgrenzung führen. DJ Phonatic bleibt jedoch entschlossen, weiter über diese Entwicklungen zu sprechen und die unsichtbaren Mechanismen der Diskriminierung sichtbar zu machen.

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