Marterias neues Album: Tränen, Krise und Hoffnung in Rostock
Düstere Welten, persönliche Abgründe und die großen Fragen des Lebens: Am Freitag erscheint das neue Album des Rostocker Rappers Marteria. Mit „Zum Glück in die Zukunft III“ schließt sich für den Künstler ein bedeutender Kreis, der vor 16 Jahren mit dem ersten Teil dieser Reihe begann. In einer Zeit, in der Krisen, Kriege und Desinformation oft Zweifel an einer glücklichen Zukunft aufkommen lassen, wagt Marteria dennoch diesen optimistischen Titel.
Ein Album ohne heile Welt
Der 43-jährige Marten Laciny, wie Marteria bürgerlich heißt, erklärt im Gespräch: „Es geht wieder um sehr viel eigentlich, um das große Ganze, wie man sich durch das Leben kämpft und am Ende irgendwie das Glück finden will.“ Er betont, dass es aktuell für viele Menschen schwierig sei, ihr Glück zu finden oder Dinge klar einzuordnen. Auf dem Album sucht man vergeblich nach einer heilen Welt. Im Song „Babylonia“ rappt er über kilometerhohe Jengaturme und eine Welt, die Mayday schreit – ein düsteres Bild, das auch das Albumcover ziert.
Rückzug in die Bubble und persönliche Tiefe
Trotz der dystopischen Elemente geht es Laciny stets darum, etwas Positives herauszukitzeln. In „Babylonia“ springt er von Bubble zu Bubble und sucht Sicherheit vor Weltschmerz. Nachdem sein letztes Album „5. Dimension“ aus dem Jahr 2021 eine Ode ans Feiern war, war das neue Werk zunächst nicht als Fortsetzung der Trilogie geplant. Doch während der Produktion merkte er, dass es wieder in diese Richtung ging. Das Album wird sehr persönlich, besonders im Song „Platz für uns beide“, bei dem sein Sohn Louis, Künstlername Luzey, mitwirkt.
Gemeinsamer Song mit Sohn und emotionale Klammer
Zu Soul-Samples kritisiert Luzey seinen „Good-Time-Daddy“, der oft abwesend war, während die Mutter den Alltag regelte. Doch er rappt auch Versöhnliches: „Doch ich versteh' Dich. Ja ich versteh' Dich langsam.“ Auf dem ersten Teil der Trilogie war der Song „Louis“ dem damals kleinen Sohn gewidmet – etwas, das Laciny als emotionalste Schreibarbeit beschreibt. Nun rappt der 18-jährige Louis selbst, was Laciny als „die krasseste Klammer“ bezeichnet. Luzey feierte 2023 seine Premiere vor großem Publikum im Rostocker Ostseestadion und begleitete später seinen Vater auf Tour.
Sehr private Einblicke und politische Töne
Sehr privat wird es auch beim Track „Sad Holiday“, bei dem Marteria persönliche Audionachrichten veröffentlichte, die nach Partnerschaftsspannungen klingen. Laciny sagt, dass er dies mit 23 wohl nicht getan hätte, aber nun mache er, worauf er Bock habe. Im Video erscheint Tasha Kimberly an seiner Seite, was zu Verlobungsspekulationen führte – dazu sagt er nur: „Kein Kommentar.“ Neben Persönlichem gibt es Politik auf der Platte, wie in „Captain Europa“, der Europa als Superhelden mit Bierbauch beschreibt, der seinen Zenit überschritten hat.
Künstlerische Vielfalt und Tourstart
Die elf Titel sind weniger Club-orientiert als das Vorgängeralbum und stellen die Geschichten stärker in den Vordergrund. Produziert von The Krauts, bekannt durch Zusammenarbeit mit Peter Fox, entstand ein vielseitiger Klang mit Opernsängerinnen, Jazzmusikern und Streichern. Laciny betont, dass es nicht um den nächsten großen Hit gehe, sondern um künstlerisches Denken. Fans können dies bald live erleben: Die Tour startet Mitte August in seiner Heimatstadt Rostock.



