Max Uthoff: Kabarettist fordert Männer auf, patriarchale Privilegien nicht länger zu ignorieren
Max Uthoff: Männer müssen patriarchale Privilegien hinterfragen

Max Uthoff: Ein Kabarettist als Nutznießer des Patriarchats

Von den Epstein-Files bis zu aktuellen Medienaffären: Der renommierte Kabarettist Max Uthoff fordert in einem aktuellen Interview Männer dazu auf, ihre strukturellen Vorteile nicht länger zu ignorieren. In seinem neuen Programm "uns.ich.er" setzt sich der 1967 in München geborene Künstler kritisch mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen auseinander.

Ein Programm über Ängste und Verunsicherung

Der Titel "uns.ich.er" entstammt ursprünglich einem Buch des Schweizer Schriftstellers Beat Gloor, dessen Sohn Uthoff die Nutzung des Titels für sein Kabarettprogramm gestattete. "Wie der Name sagt, wird es um Ängste gehen, um das bedrohte, verunsicherte Ich, das in diesen Zeiten doch schwer unter Beschuss steht", erklärt Uthoff im Gespräch. Der Kabarettist möchte dabei einen Schritt zurücktreten und aus der Distanz auf gesellschaftliche Mechanismen blicken.

Besonders kritisch betrachtet Uthoff das von Union und FDP propagierte Leistungs-Mantra: "Deswegen werde ich mich auch viel mit der Fantasie der Meritokratie beschäftigen, die seit Jahren von der Union und der FDP erzählt wird, die das Leistungs-Mantra immer wieder verteidigen. Das werde ich mal ein bisschen durchlöchern."

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Patriarchale Strukturen und männliche Verantwortung

Uthoff thematisiert in seinem Programm auch die aktuellen Skandale um sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch: "Bei uns im Land sieht es auch kaum besser aus, wie die jüngste Causa um triebgestörte Springer-Chefredakteure zeigt. Darum wird es auch gehen: das Patriarchat, das uns Männer alle strukturell bevorteilt. Wir sind alle Nutznießer."

Der Kabarettist sieht hier eine besondere Verantwortung bei Männern: "Diese Selbstverständlichkeit, mit der der männliche Blick auf die Frau als Objekt der Begierde noch akzeptiert wird! Da ist es vor allem von uns Männer die Aufgabe aufzuschreien und zu sagen: 'Hey, geht‘s eigentlich noch, Freundchen?!'"

Die Balance zwischen schweren Themen und Humor

Uthoff beschreibt die Herausforderung, ernste gesellschaftliche Themen mit Humor zu verbinden: "Je schwerer die Kost, desto größer ist die Erleichterung, wenn da mal eine Pointe kommt." Im Gegensatz zum Stand-up-Comedy schätzt er die Freiheit des Kabaretts: "Ich habe die Freiheit, eben nicht wie im Stand-up häufig permanent eine gewisse Pointen-Taktung haben zu müssen, sondern auch mal eine oder zwei Minuten mal was Persönliches erzählen zu können."

Vater-Tochter-Duo und berufliche Vielseitigkeit

Neben seinem Solo-Programm tritt Uthoff auch gemeinsam mit seiner Tochter Toni auf. Das Duo-Programm "Einer zuviel" zieht nach seinen Angaben ein jüngeres Publikum an: "Wir haben zusammen ein jüngeres Publikum als bei mir im Solo-Programm. Es zieht mehr junges Publikum: Familien, Eltern mit ihren Kindern."

Die berufliche Belastung durch mehrere Programme und die monatliche ZDF-Sendung "Die Anstalt" bewältigt Uthoff mit einer pragmatischen Einstellung: "Indem ich wenigstmöglich darüber nachdenke." Besonders die Zusammenarbeit mit seiner Tochter empfindet er als Bereicherung: "Dieses Herumreisen von Bühne zu Bühne ist zwar anstrengend, aber eine großartige Möglichkeit meiner Tochter nahe zu sein."

Gesellschaftliche Visionen und Verunsicherung

In der zweiten Hälfte seines Programms will Uthoff grundsätzliche gesellschaftliche Fragen aufwerfen: "Ob wir das so wollen oder ob wir uns vielleicht eine andere vorstellen können, ohne jetzt eine genaue Erzählung aufzumachen." Dabei sieht er Verunsicherung nicht nur negativ: "Das ist auch Teil der Verunsicherung, die angenehm sein und Spaß machen kann, indem man sich mal raus begibt aus dem Wohlstandsmilieu, in dem man sich befindet."

Die Premiere von "uns.ich.er" fand am 6. März im Theater Leo 17 in München statt, weitere Vorstellungen sind für den 22. März sowie den 22. und 23. Juni im Lustspielhaus geplant.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration