NY Club München: Queerer Kultclub feiert 44. Geburtstag trotz verändertem Ausgehverhalten
Seit 44 Jahren steht der NY Club als sicherer Hafen und kulturelle Institution für die queere Szene in München. Nun führen Markus und Maximilian Wittig die legendäre Adresse in eine neue Ära – mit frischen Konzepten, die auf ein verändertes Ausgehverhalten und ein vielfältiges Publikum reagieren.
Von Mrs. Henderson zum ersten Gay-Club Münchens
Die Wurzeln des NY Clubs reichen bis in die legendäre Bar Mrs. Henderson in der Rumfordstraße zurück, die von den Eheleuten Heinz und Anni Neumann betrieben wurde. Nicht nur Freddie Mercury, sondern die gesamte Schwulenszene liebte diesen Treffpunkt, wo regelmäßig Motto-Partys stattfanden. Besonders beliebt war das Thema New York, das 1982 zur Eröffnung des ersten Gay-Clubs Münchens führte – zunächst in der Müllerstraße, später in der Thalkirchner Straße und dann in der Sonnenstraße.
Anni Neumann hat mit ihrer Arbeit queere Geschichte in München geschrieben. In den späten 80er Jahren, als Politiker wie Peter Gauweiler von der CSU Schwulen das Leben schwer machten, entwickelte sich der NY Club zu einem wichtigen Schutzraum für die Szene – eine Rolle, die er bis heute innehat. Seit 1992 arbeitet der Club eng mit der Münchner Aidshilfe zusammen.
Subkulturen halten zusammen: Vom Disco-Vibe zur neuen Leitung
Ken Koch, der von Anfang an dabei war und als Ideengeber für die Club-Ausrichtung fungierte, brachte nach einem Aufenthalt in New York den Disco-Vibe nach München. 2005 übernahm er die Leitung des NY Clubs. „Weil Subkulturen zusammenhalten müssen“, etablierte er bald auch regelmäßige Abende von lesbischen Veranstaltern.
Als in dem Gebäude in der Sonnenstraße ein Hotel geplant wurde, zog der Club 2017 in den Elisenhof am Hauptbahnhof um. 2024 übergab Koch die Leitung an das Ehepaar Markus und Maximilian Wittig, die nun das 44. Jubiläum des NY Clubs feiern – eines der wenigen seiner Art in ganz Deutschland.
„Hetero friendly“: Ein Club für alle Feierlustigen
„Aber wir sind 'hetero friendly'“, betont Markus Wittig. Willkommen sind alle Menschen, die gerne feiern, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Legendär ist der Luxuspop-Freitag, monatlich finden Mottopartys mit Themen wie „Casino“ oder „Spring Break“ statt. Das Samstagsprogramm ist abwechslungsreicher, mit regelmäßigen Auftritten queerer DJs.
Das Publikum ist gemischt: Viele ältere Stammgäste kommen weiterhin, aber auch immer mehr junge Menschen finden den Weg in den Club. Die Atmosphäre ist schwarz, bunt und modern – ein Spiegel der vielfältigen Community.
Anpassung an verändertes Ausgehverhalten
Grundsätzlich hat sich das Ausgehverhalten auch in der queeren Szene gewandelt. „Wir merken, dass diejenigen, die in der Pandemiesituation volljährig geworden sind, das Feiern nicht gelernt haben“, erklären die Wittigs. Diese Generation fehle teilweise, und man müsse sie inhaltlich anders ansprechen. „Einfach aufsperren reicht nicht. Sie wünschen sich auch einen Blick hinter die Kulissen.“
Das ältere Publikum komme zwar noch, gehe aber nicht mehr so häufig feiern wie früher. Daher passt das Paar das Konzept unter der Woche an und denkt über Zwischennutzungen nach. Bereits erfolgreich getestet wurden:
- Lesungen
- Konzerte
- Drag-Shows
- Livemusik
- Podiumsdiskussionen
Doch jetzt steht erst einmal das große Geburtstagsfest im Fokus: Die Jubiläumsparty steigt diesen Freitag und Samstag im NY Club in der Elisenstraße 3.



