„Reflexion“ in der Pinakothek der Moderne: Eine sinnliche Reise durch Licht, Spiegel und Transparenz
Pinakothek der Moderne: Sinnliche Reise durch Licht und Spiegel

„Reflexion“ in der Pinakothek der Moderne: Eine sinnliche Reise durch Licht, Spiegel und Transparenz

München – Der Titel „Reflexion“ mag zunächst theoretisch klingen, doch in der Pinakothek der Moderne erwartet Besucher eine überraschend sinnliche Erfahrung. Die gemeinsame Ausstellung aller vier Museen des Hauses kreist um die faszinierenden Themen Licht, Spiegel und Transparenz – und das ganz ohne belehrende Traktate aus der Optik.

Vier Museen, ein Thema: Das Potenzial der Sammlungen

Bereits zum zweiten Mal haben sich alle vier Museen der Pinakothek der Moderne zusammengeschlossen, um das beeindruckende Potenzial ihrer Sammlungen zu demonstrieren. Die aktuelle Schau beweist, dass zu nahezu jedem Thema Ausstellungen entwickelt werden könnten – problemlos und ohne externe Leihgaben. Diesmal steht die Trias aus Licht, Spiegelungen und Transparenz im Mittelpunkt, die in Graphik, Fotografie, Malerei, Design und Architektur gleichermaßen präsent ist.

Der quadratische Schausaal im Erdgeschoss gewinnt durch Heimo Zobernigs überdimensionalen Spiegel an unerwarteter Tiefe – eine raffinierte Illusion, die die oft beengten Museumsräume geschickt erweitert. Doch Zobernigs animierende Spiegelfolie ist kein Solitär. Die Ausstellung spannt einen Bogen über 100 Jahre Kunst- und Designgeschichte.

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Von historischen Entwürfen zu zeitgenössischen Installationen

Aus der Gründungszeit der Neuen Sammlung 1925 stammt der Entwurf eines kühn geometrisierenden Wandteppichs von Ivan da Silva Bruhns, dessen sich doppelt spiegelndes Muster bereits früh die Faszination für Reflexionen zeigt. Die Reise führt bis in die Gegenwart mit Kassenschlagern wie Jeff Koons‘ Luftballonhündchen aus bunten Leuchtdioden und den ersten Apple-PCs mit ihrer charakteristischen Retro-Durchsichtigkeit.

Besonders beeindruckend ist die Video-Installation „High Tide“ des Künstlerinnen-Duos Haubitz und Zoche, die die Metropolen New York und Mumbai in wellenrauschender Konfrontation zeigt. Durch ein Sonnenschutzglas spiegelt sich alles zigfach – das Publikum steht buchstäblich mittendrin im Geschehen und zugleich mitten im Thema Klimawandel.

Transparenz als architektonisches und politisches Statement

Transparenz erweist sich als besonders vielschichtiges Konzept. Der historische Münchner Glaspalast brachte diese Qualität plötzlich in die hiesige Architektur – eine 234 Meter lange Kathedrale aus Glas und Gusseisen ohne tragendes Mauerwerk, deren vorgefertigte Eisenteile per Bahn aus Nürnberg geliefert wurden.

Nach dem Brand des Glaspalasts 1931 und der folgenden dunklen Architekturepoche des Nationalsozialismus wurde Transparenz zum bewussten Statement der jungen Nachkriegsdemokratie. Offizielle Gebäude wie der 1958 errichtete Deutsche Pavillon in Brüssel von Egon Eiermann und Sep Ruf symbolisierten Offenheit und transparente Entscheidungsprozesse – eine Haltung, die sich später auch im Kanzler-Bungalow von Sep Ruf widerspiegelte.

Moderne Materialien und nachhaltige Visionen

In der Rotunde des Museums präsentiert sich eine extrem leichte Wandverkleidung aus recycelten PET-Flaschen – eine zukunftsweisende Idee der Architekten Moritz Mungenast und Luc Morroni. Die Module können immer wieder eingeschmolzen und durch 3D-Drucker neu verarbeitet werden. Die Platten erinnern an eine Hausfassade, wie sie ein Modemacher wie Paco Rabanne entworfen haben könnte.

Nicht zu übersehen ist der generationenübergreifende Reiz der Kunststoffmöbel, die um die Jahrtausendwende mit einem gewissen James-Bond-Chic daherkamen – wie der Sessel LPC von Maarten Van Severen aus dem Jahr 2000, auf dem Besucher schwebend zu sitzen scheinen.

Zwischen Wehmut und warmer Beleuchtung

Die Ausstellung lässt Besucher zwischendurch wehmütig werden angesichts der luziden Einfälle und der sichtbar gewordenen Aufbruchsenergie vergangener Jahrzehnte. Doch Schatten gehören zum Licht dazu, wie Gerhard Richters Alpenbilder demonstrieren. Manchmal genügt es, sich vor den „bösen alten“ Glühlampen zu versenken und ein wenig in deren wärmendem Schein zu baden.

„Reflexion – Licht, Spiegel, Transparenz“ ist bis zum 31. Mai 2026 in der Pinakothek der Moderne in der Barer Straße 40 zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr.

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