Stefanie Sargnagel seziert den Wiener Opernball: Satire über die Angst der Hautevolee
Sargnagel seziert den Wiener Opernball: Satire über Hautevolee

Stefanie Sargnagel seziert den Wiener Opernball: Eine satirische Reise in die Welt der Hautevolee

Die Wiener Autorin und Künstlerin Stefanie Sargnagel hat sich in ihrem neuesten Werk einem vertrauten Terrain zugewandt: dem Wiener Opernball. In ihrem Buch „Opernball - Zu Besuch bei der Hautevolee“ seziert sie mit beißendem Humor und scharfen Beobachtungen die Ängste und Absurditäten der Oberschicht. Das dünne Büchlein, basierend auf einem Theaterstück für das Rabenhoftheater, bietet eine treffsichere Analyse einer Klassengesellschaft voller obskurer Gestalten.

Von der Verwandlung zur Konfrontation

Wie gewohnt schont Sargnagel niemanden, nicht einmal sich selbst. Für den Ball ließ sie sich von einer Maskenbildnerin und Stylistin des Gemeindebautheaters in eine „Oligarchenwitwe“ verwandeln – ein Prozess, der laut ihrer Beschreibung Werkzeuge wie „Pinsel, Kleber, Messer, Feilen, Äxte“ erforderte. Gemeinsam mit Begleitern wie einem „Museumswärter“ und einer „Kellnerin“ wirft sie sich unter jene, denen „die Welt gerecht erscheint“ und die ohne Scham Champagner für 46 Euro pro Glas genießen.

Die Angst vor der Proletarisierung

Sargnagel trifft auf Menschen, die ihre Persönlichkeit mit Kostbarkeiten überdecken und deren größte Furcht die Proletarisierung ihres Opernballs ist. Sie fürchten eine Gesellschaft, in der „sich Leistung gar nicht mehr auszahlt“ und die Grenzen zwischen Personal und Gast verschwimmen. Ihre Beobachtungen reichen von langen Hälsen, die auf andere herabsehen, bis hin zu grotesken Fantasien über das Leben der Eleven, die eine „innere Vergreisung“ erleben.

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Vom Clash zur Eskalation

Vom erwartbaren Aufeinandertreffen verschiedener Welten steigert sich die Autorin in wilde, blutige Eskalationen rund um die Tanzfläche. Indem sie das Treiben ins Groteske überhöht, enthüllt sie erstaunlich viel über diese vermeintlich feine Gesellschaft. Sargnagel, die nie eine elitäre Tanzschule besuchte und nur den „Ententanz“ beherrscht, übt sich im Dreivierteltakt und verdaut ihre Eindrücke literarisch.

Gültigkeit über Wien hinaus

Auch wenn der Wiener Opernball für Nicht-Wiener auf den ersten Blick unwichtig erscheinen mag, sind Sargnagels Beobachtungen über die Spezies Mensch universell gültig. Ihr Werk liest sich als famose Analyse einer Klassengesellschaft, die über die Ringstraße hinausreicht. Das Buch, veröffentlicht bei Rowohlt, umfasst 80 Seiten und kostet 18 Euro. Parallel überträgt 3sat den Wiener Opernball live, was die Aktualität der Thematik unterstreicht.

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