Spanischer Bürgerkrieg als Lehrstück: Künstler zwischen Idealismus und politischer Instrumentalisierung
Spanischer Bürgerkrieg: Künstler zwischen Idealismus und Instrumentalisierung

Der Spanische Bürgerkrieg: Ein Lehrstück für die Gegenwart

Am 17. Juli 1936 läuteten rechte Generäle mit einem Aufstand das Ende der Zweiten Spanischen Republik ein. Bis zum 1. April 1939 wütete der Bürgerkrieg, bevor Francisco Franco bis zu seinem Tod am 20. November 1975 diktatorisch regierte. In seinem Buch Entscheidung in Spanien - Der große Kampf der Literatur schildert Paul Ingendaay das Geschehen durch den Blick der Künstlerinnen und Künstler.

Allgegenwärtiges Thema mit politischer Instrumentalisierung

Paul Ingendaay, der 18 Jahre als Spanienkorrespondent tätig war, betont: Wenn man in Spanien lebt, ist das Thema allgegenwärtig. Doch was ihn besonders beschäftigt, ist die politische Instrumentalisierung, etwa bei Gedenktagen. Dies betreffe auch die ermordeten Künstler wie den Dichter Federico García Lorca, dessen Gebeine bis heute nicht gefunden wurden.

Ingendaay kritisiert den Fetischismus um die Lorca-Gebeine als morbide Geschichte der Linken. Stattdessen plädiert er dafür, über das literarische Werk zu sprechen. Die 2019 erfolgte Umbettung von Francos Gebeinen aus dem Tal der Gefallenen hält er für richtig, warnt aber: Wenn sich Erinnerungspolitik in symbolischen Schlachten erschöpft, bringt es wenig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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Internationale Brigaden: Zwischen Heroismus und Ausnutzung

Die Internationalen Brigaden, die für die Republik kämpften, werden oft als idealistisch beschrieben. Ingendaay erinnert an ihren Heroismus, Aufopferungswillen und Idealismus. Diese Linken aus rund 60 Ländern waren häufig Geflüchtete und Verfolgte ohne Aufnahmeort.

Doch der Autor macht deutlich: Im Lauf des Bürgerkriegs haben die Kommunisten diesen Heroismus ausgenutzt und am Ende zerstört. Die Brigaden wurden 1938 verabschiedet, da die spanische Regierung keine internationalen Söldner mehr im Heer haben wollte. Ingendaay betont: Die Internationalen Brigaden waren ein hochherziges Unternehmen, das unter die Räder kam.

Gesellschaftliche Spaltung und verlorene Mitte

Die Unversöhnlichkeit der beiden Seiten personifiziert Ingendaay im Philosophen Miguel de Unamuno, der zwischen den Lagern hin- und hergerissen war. Schon Ortega y Gasset schrieb 1931: Die Republik ist eine Sache, der Radikalismus eine andere.

Ingendaay erklärt: Es gab eine systematische Überforderung dessen, was die Republik als Modernisierungsprogramm leisten konnte. Die Gegensätze zwischen sozialer Gerechtigkeit und traditionellem Spanien seien nicht zu versöhnen gewesen. Die Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs ist auch eine Tragödie über die verlorene gesellschaftliche Mitte.

Verrohung der Sprache und Vernichtungswille

Monate vor Kriegsbeginn verrohte die Sprache selbst im Parlament. Spanische Historiker haben nachgewiesen, dass die Rhetorik der physischen Vernichtung Anfang der 30er Jahre in alle Bereiche der Gesellschaft gesickert ist, so Ingendaay. Der Philosoph Julián Marías schrieb: Niemand wollte den Bürgerkrieg, aber viele wollten die Spaltung, die Radikalisierung und den Hass, die ihn ermöglichten.

Ingendaay sieht darin ein Lehrstück: Wir sehen, was passiert, wenn die immer radikaleren Stimmen die Bühne beherrschen. Interessant ist, dass die Verlierer die Geschichte geschrieben haben - zumindest außerhalb Spaniens. Reporter wie George Orwell, Ernest Hemingway und Robert Capa prägten die Geschichtsdeutung.

Künstlerische Perspektiven: Von Hemingway bis Picasso

Hemingways Bürgerkriegsroman Wem die Stunde schlägt erschien 1940 und wurde direkt ein Welterfolg. Im Franquismus wurde er nicht generell verboten, aber zensiert. Hemingway reiste viermal in den Bürgerkrieg, beim letzten Mal bereits lustlos. Ingendaay gewährt ihm mildernde Umstände: Er war zuallererst Künstler und Autor.

Im Kontrast dazu steht George Orwell, der mit wenigen Sardinendosen auskam, während Hemingway Delikatessen und Alkohol mitführte. Erika und Klaus Mann beschrieben 1938 noch den hoffnungsvollen Kampf, obwohl der Krieg fast entschieden war. Ihr Vater Thomas Mann notierte kühler Atrozitäten auf beiden Seiten.

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Picassos Guernica und die konservatorische Debatte

Picassos Bild Guernica entstand 1937 im Auftrag der Republik und erinnert an die Bombardierung durch die deutsche Legion Condor. Heute hängt es im Museum Reina Sofía in Madrid. Die baskische Regierung möchte es im Guggenheim Museum in Bilbao ausstellen, doch Madrid lehnt ab.

Ingendaay erklärt: Es gibt sehr gute konservatorische Gründe, dieses Gemälde nie wieder reisen zu lassen. Durch frühere Reisen stark beschädigt, habe die Leinwand ein enormes Gewicht zu tragen. Kein baskischer Politiker kann wollen, dass Guernica durch eine Ausstellung weiter beschädigt wird.

Militärische Realitäten und historische Lehren

Militärisch gesehen war der Einsatz der Künstler für die Republik nicht sonderlich bedeutend. Entscheidend war die Unterstützung der Aufständischen durch Hitler und Mussolini. Ohne die Waffenhilfe der beiden faschistischen Länder Deutschland und Italien wäre der Sieg Francos nicht möglich gewesen, betont Ingendaay.

Die Diktatur ab 1939 war ein rachsüchtiges Unternehmen, das den Kreuzzug jahrzehntelang fortsetzte. Ingendaay fragt: Wie können wir die Wunden heilen, wie können wir wieder zusammenwachsen? Francos Regime verfolgte, verfemte und demütigte bis in die 70er Jahre. Der Spanische Bürgerkrieg bleibt als Lehrstück aktuell, das vor Radikalisierung und gesellschaftlicher Spaltung warnt.