Heino begeistert mit energiegeladenem Konzert in Wittenberge: Standing Ovations für die lebende Legende
Große Namen waren zuletzt nicht immer der Garant für ein volles Kultur- und Festspielhaus in Wittenberge. Bei Heino war das am Donnerstagabend völlig anders. Der Saal war nicht nur voll, auch die Stimmung war ausgelassen, als „Deutschlands Volkssänger Nr. 1“, wie er sich inzwischen nennt, seine Hit-Klassiker aus nahezu sieben Jahrzehnten präsentierte.
Warum Jugendliche auf Heino stehen
Schon nach zwei Titeln tönten „Heino, Heino“-Rufe durch den Saal - und es sollten bei weitem nicht die letzten an diesem Abend sein. Mit Hits wie „Caramba, caracho, ein Whisky“, „Schwarze Barbara“ oder „Blau blüht der Enzian“ heizte er dem Publikum derart ein, dass sich viele Besucher von ihren Plätzen erhoben.
Seit den 1960er-Jahren ist der mittlerweile 87-Jährige als Musiker bekannt. Angefangen hat er nahezu zeitgleich mit den Beatles. „Die sind Geschichte, ich bin noch da“, sagte er selbstbewusst. Schon längst lässt sich der in Düsseldorf geborene Rheinländer von Kontroversen um seine Person nicht mehr beirren. Heino steht für deutschsprachige Musik, für Volkstümliches und Schlager. Dazu bekennt er sich - und seine Fans danken ihm genau dafür.
Und das sind bei Weitem nicht nur die älteren Semester. Auch junge Leute trugen am Donnerstag die Deutschlandfahne mit einem stilisierten Heino-Bild als Bundesadler in den Händen. Zu ihnen gehörten auch der 28-jährige Marcel aus Wittenberge und sein Freund John-Luca (25) aus der Nähe von Bielefeld. „Wir sind beide Fans von Heino“, erzählten die Jugendlichen im Gespräch. „Das ist doch ordentliche Stimmungsmusik - und sie ist auf Deutsch gesungen.“
Glückliche Kartengewinner im Publikum
Im Vorfeld hatte der „Prignitzer“ zwei mal zwei Karten für das Konzert verlost. Zu den Gewinnern gehörten Jeannine und Heino Böning aus Wittenberge. Sie haben gerade ihren 30. Hochzeitstag gefeiert. „Meine Eltern haben sich wohl etwas dabei gedacht, dass sie mir diesen Namen gegeben haben“, meint Heino Böning schmunzelnd. Beide sind ebenfalls Fans des Volksmusiksängers.
Carmen Wolter hatte ebenfalls zwei Karten ergattert. Sie arbeitet mit körperlich und geistig behinderten Menschen der Lebenshilfe, von denen einige gerne das Heino-Konzert besuchen wollten. „Ich selbst bin eigentlich kein Fan, aber die Musik ist nicht schlecht. Ich bin als Betreuerin dabei“, so Carmen Wolter. „Viele Bewohner der Lebenshilfe finden diese Musik toll.“
Heino sang aber nicht nur seine eigenen Lieder
Neben Volksmusik-Klassikern wie „Lustig ist das Zigeunerleben“ - auch eine Art Statement wegen des „Z-Worts“ - oder „Rosamunde“ erinnerte er mit „Fiesta Mexicana“ an seinen früheren Kollegen Rex Gildo (1936-1999).
Vertrag bis zum 100. Geburtstag
Dass der Sänger mit 87 weiterhin rund zwei Stunden ohne Pause auf der Bühne steht, ist eine beachtliche Leistung, die aber doch im Laufe des Abends auch ihren Tribut forderte. Ab und zu musste Heino auf einen Monitor blicken, sich den Schweiß abwischen und eine Trinkpause einlegen. Der Stimmung im Saal schadete das ganz und gar nicht, zumal die Musikfarbe durchaus wechselte.
Irgendwann zog sich Heino eine Lederjacke an, die Musik wurde rockiger, ebenso präsentierte er einige neue Titel wie „Ein Gläschen am Morgen“. Auch den umstrittenen Party-Hit „Layla“, dem aufgrund seines Textes Sexismus vorgeworfen wurde, stimmte er an. Es sind solche kleinen, gezielt gesetzten Tabubrüche, mit denen der Sänger seine Botschaft untermauerte: Ich lasse mich nicht verbiegen. Manager Helmut Werner brach auf der Bühne eine Lanze für deutschsprachige Musik und für die deutsche Nationalhymne, die Heino als letztes Lied zum Besten gab.
Vor der deutschen Fahne, die während des gesamten Konzerts auf der Bühne zu sehen war, erhob sich dazu der gesamte Saal von den Plätzen. Fast wie ein Staatsakt endete damit das Konzert, begleitet von lautem Jubel und donnerndem Applaus. „Er ist der einzige Künstler, der sich das traut“, betonte Manager Werner - und mag damit wohl recht haben.
Die Botschaft kam beim Publikum an: Hier steht ein Sänger zu dem, was er verkörpert - und seine Fans danken es ihm. Ans Aufhören denkt Heino offenbar nach wie vor nicht: Sein Vertrag im „Bierkönig“ auf Mallorca wurde jedenfalls bis zu seinem 100. Geburtstag verlängert.



