Lizzy aus München: Vize-Miss-Germany und Rapperin will Deutschlands nächster Superstar werden
Die Welt dreht sich für Lise-Christine Kobla Mendama, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Lizzy, gerade schneller denn je. Die 24-jährige Münchnerin, die bereits als Vize-Miss-Germany und Rapperin von sich reden machte, hat sich nun bei der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar für den Recall qualifiziert. Nach ihrem Engagement gegen Rassismus steht sie nun auf der großen TV-Bühne und verfolgt ihren Traum mit unerschütterlichem Glauben.
Manifestieren als Erfolgsrezept
Ein Wort, das die junge Künstlerin im Gespräch häufig verwendet, ist manifestieren. Damit meint sie, fest an etwas zu glauben, bis es Wirklichkeit wird. Für Lizzy bedeutete das konkret, sich bei der 22. Staffel von DSDS zu bewerben. Nach Silvester mache ich jedes Jahr ein Meeting mit mir selbst und überlege, was ich erreichen will, erzählt sie. Der Aufruf zum Casting kam da genau zur richtigen Zeit.
Aus München gab es zahlreiche Bewerber, doch nur Lizzy konnte sich das Ticket zum Recall sichern, die Runde mit den letzten 30 Kandidaten. Ich war so nervös, erinnert sie sich an das erste Casting in Köln. So kenne ich mich gar nicht. Normalerweise sei sie sehr selbstbewusst, doch die Situation war außergewöhnlich.
Die Herausforderung vor der Jury
Hinter dem Jurorentisch warteten nicht nur der gefürchtete Dieter Bohlen, bekannt für seine gnadenlosen Sprüche, sondern auch Rapper Bushido, einst Teenie-Idol von Lizzy. Mein 13-jähriges Ich war sehr aufgeregt, gesteht sie. Einige seiner Songs hätten ihr früher Kraft gegeben, auch wenn sie mit seinen frauenfeindlichen Texten heute nicht mehr viel anfangen kann. Bei DSDS muss er mich als Juror gut finden, das ist alles, was zählt, sagt sie pragmatisch.
Im Warteraum herrschte angespannte Stimmung. Lizzy zog sich mehrmals auf die Toilette zurück, um der Angst-Wolke der anderen Kandidaten zu entfliehen. Als sie an der Reihe war, hatte sie gerade mitbekommen, wie ein Kandidat vor ihr komplett auseinandergenommen wurde. Doch Bushido lächelte sie an, als sie den Raum betrat. Er hat richtig geglänzt, erinnert sie sich.
Der Auftritt und die persönliche Note
Die Jury ließ Lizzy zunächst ihren eigenen Song Changes performen, einen Rap, der ihren Weg als afrodeutsche Frau reflektiert. Mit diesem und dem Song People Pleaser von Cat Burns überzeugte sie alle Jurymitglieder, darunter Partyschlager-Sängerin Isi Glück. Dreimal Ja für die nächste Runde. Zwar traf sie bei der Gesangsnummer nicht alle Töne, doch das Gesamtpaket stimmte die strenge Jury milde. Immer wenn ich einen Ton verkackt habe, habe ich sofort zu Dieter geschaut, sagt sie amüsiert.
Später stellte sich heraus, dass sie zum Zeitpunkt der Aufzeichnung zwei Registerbrüche in der Stimme hatte. Seither arbeitet sie mit einer Ärztin daran und setzt auf Dampfbäder und Salbei-Tee.
Mehr als nur DSDS: Aktivismus und Herkunft
Für Lizzy ist DSDS nur ein Sprungbrett unter vielen Projekten. Die Selbstständige plant, bald ein Album in Afrika aufzunehmen und engagiert sich seit Jahren aktivistisch, etwa bei der AfroJugend München. Sie war eine der Hauptsprecherinnen auf den Black Lives Matter-Demos 2020 und setzte sich für die Initiative N-Wort stoppen ein, die auch von der Stadt München unterstützt wird. Als Ex-OB Dieter Reiter kürzlich das N-Wort im Stadtrat rausrutschte, entschuldigte er sich unter anderem bei ihr.
Ursprünglich kam Lizzy mit sieben Jahren aus Nordrhein-Westfalen nach München, was sie als Kulturschock beschreibt. Die Leute haben sich lustig gemacht, weil ich Wörter wie Semmel nicht kannte, erzählt sie. Auch ihre Hautfarbe war ein Angriffspunkt. Hier habe ich das einzige Mal erlebt, dass mir jemand das N-Wort ins Gesicht sagt. Doch sie sieht auch Positives: Wir hatten die größte Black-Lives-Matter-Demo in Deutschland.
Die bayerische Schulbildung empfindet sie als Privileg, und schon mit 13 Jahren sprach sie auf Kundgebungen. Bei DSTS tritt sie stolz für München, Bayern und Kamerun an. Wie es im Recall für sie ausgeht, darf sie noch nicht verraten. Die Sendung läuft am Dienstagabend auf RTL. Doch egal, ob sie gewinnt oder nicht, für Lizzy steht fest: Ich bin Deutschlands neuer Superstar. Probieren – oder vielmehr Manifestieren – geht wohl über Studieren.



