Polen sagt umstrittenes Konzert von US-Rapper Ye in Chorzów ab
Der US-Rapper Ye, ehemals bekannt als Kanye West, wird seinen geplanten Auftritt im polnischen Chorzów nicht spielen. Die Absage des Konzerts, das für den 19. Juni im Schlesischen Stadion vorgesehen war, wurde vom Stadiondirektor mit "formal-rechtlichen Gründen" begründet. Hinter dieser offiziellen Erklärung dürften jedoch tiefgreifendere politische und gesellschaftliche Bedenken stehen.
Kulturministerin bezeichnet Konzert als "inakzeptabel"
Polens Kulturministerin Marta Cienkowska hatte den geplanten Auftritt des 48-jährigen Rappers bereits im Vorfeld scharf kritisiert. Auf der Plattform X schrieb sie, es handele sich um einen Künstler, der sich öffentlich antisemitisch äußere und mit dem Verkauf von T-Shirts mit Hakenkreuzen Geld verdiene. "In einem Land, das von der Geschichte des Holocaust geprägt ist, dürfen wir nicht so tun, als sei dies nur Unterhaltung", betonte Cienkowska. Sie nannte Ye's Verhalten "ein bewusstes Überschreiten von Grenzen", das Hass normalisiere.
Internationaler Druck und weitere abgesagte Konzerte
Die Absage in Polen folgt auf eine Reihe internationaler Kontroversen um den umstrittenen Musiker:
- Vor etwa zwei Wochen verweigerte die britische Regierung Ye die Einreise für ein geplantes Festival, das daraufhin komplett abgesagt wurde.
- In Frankreich sagte Ye ein Konzert nach einem drohenden Verbot selbst ab.
- Auch Auschwitz-Überlebende hatten Polen aufgefordert, dem britischen Beispiel zu folgen und Ye die Einreise zu verweigern.
Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, äußerte die Hoffnung, dass Veranstalter Einladungen für Ye zurückziehen und Regierungen mögliche Einreisen verhindern würden. Dies gelte auch für das noch geplante Konzert in Italien am 18. Juli.
Ye's umstrittene Vergangenheit und aktuelle Tourneepläne
Ye zählt zu den einflussreichsten und gleichzeitig umstrittensten Künstlern der Musikindustrie. Immer wieder fiel er mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf. 2025 veröffentlichte er ein Lied mit dem Titel "Heil Hitler", was weltweit für Empörung sorgte.
Anfang dieses Jahres versuchte Ye in einer ganzseitigen Anzeige im "Wall Street Journal" sich zu erklären: "Ich bin weder ein Nazi noch ein Antisemit", schrieb er darin. Seine früheren Äußerungen führte er auf eine bipolare Störung zurück.
Trotz der Absagen plant Ye weiterhin Konzerte in Europa:
- Im niederländischen Arnhem
- In der spanischen Hauptstadt Madrid
- An der portugiesischen Algarve
Anfang April spielte der Rapper noch zwei Konzerte in Los Angeles, die ebenfalls von Protesten begleitet waren. Die internationale Musikindustrie beobachtet die Entwicklung um Ye's Europa-Tournee mit großer Aufmerksamkeit, da sie grundsätzliche Fragen zum Umgang mit kontroversen Künstlern aufwirft.



