QUEEN Lizzy: Vom Kulturschock in Bayern zur DSDS-Bühne – Eine Münchnerin manifestiert ihren Erfolg
Für die Münchnerin Lise-Christine Kobla Mendama, die unter ihrem Künstlernamen QUEEN Lizzy auftritt, dreht sich die Welt derzeit schneller denn je. Nach ihrer Tätigkeit als Aktivistin gegen Rassismus und ihrer Teilnahme an der Vize-Miss-Germany-Wahl steht sie nun auf der großen Bühne von Deutschland sucht den Superstar. Die 25-Jährige, die auch als Rapperin aktiv ist, nutzt die Casting-Show als Sprungbrett für ihre vielseitige Karriere.
„Manifestieren“ als Lebensmotto
Ein Wort, das QUEEN Lizzy im Gespräch häufig verwendet, ist „manifestieren“. Dieses moderne Konzept beschreibt für sie den festen Glauben an etwas, bis es Wirklichkeit wird. „Nach Silvester halte ich jedes Jahr ein Meeting mit mir selbst und überlege, was ich erreichen will“, erklärt sie. Der Aufruf zum Casting für die 22. Staffel von DSDS auf RTL kam da genau zur rechten Zeit. Von den zahlreichen Bewerbern aus München schaffte es nur Lizzy in die Recall-Runde mit den letzten 30 Kandidaten.
Nervöses Casting in Köln mit prominenter Jury
„Ich war so nervös“, erinnert sich Lizzy an das erste Casting in Köln. „So kenne ich mich gar nicht.“ Eigentlich ist sie selbstbewusst, doch die Situation war außergewöhnlich. Hinter dem Jurorentisch warteten Dieter Bohlen, bekannt für seine gnadenlosen Sprüche, und Rapper Bushido, einst ihr Teenie-Idol. „Mein 13-jähriges Ich war sehr aufgeregt“, gesteht sie. Obwohl sie heute mit einigen seiner frauenfeindlichen Texten nicht mehr viel anfangen kann, betont sie, dass dies eher ein allgemeines HipHop-Problem sei. „Bei DSDS muss er mich als Juror gut finden, das ist alles, was zählt.“
Im Warteraum herrschte angespannte Stimmung, mit herumhuschenden Kamerateams. Lizzy zog sich mehrmals auf die Toilette zurück, um der „Angst-Wolke“ der anderen Kandidaten zu entfliehen. Als sie schließlich drankam, hatte sie Glück: Bushido lächelte sie an, und sie konnte mit ihrem eigenen Song „Changes“ und „People pleaser“ von Cat Burns die Jury überzeugen. Trotz einiger unsicherer Töne bei der Gesangsnummer erhielt sie dreimal „Ja“ für die nächste Runde.
Kulturschock beim Umzug nach Bayern
QUEEN Lizzy ist nicht in Bayern aufgewachsen. Mit sieben Jahren zog sie aus Nordrhein-Westfalen nach München, was sie als „Kulturschock“ beschreibt. „Die Leute haben sich lustig gemacht, weil ich Wörter wie Semmel nicht kannte“, erzählt sie. Auch ihre Hautfarbe wurde zum Angriffspunkt: „Hier habe ich das einzige Mal erlebt, dass mir jemand das N-Wort ins Gesicht sagt.“ Dennoch sieht sie Licht und Schatten: München war Schauplatz der größten Black-Lives-Matter-Demo in Deutschland, und die bayerische Schulbildung empfand sie als Privileg. Schon mit 13 Jahren sprach sie auf Kundgebungen.
Aktivistisches Engagement und Zukunftsperspektiven
Für Lizzy ist DSDS nur eines von vielen Projekten. Sie ist selbständig und plant, bald Musikvideos in Afrika zu drehen. Seit Jahren engagiert sie sich aktivistisch, etwa bei der AfroJugend München, und war eine der Hauptsprecherinnen auf den Black-Lives-Matter-Demos 2020. Als der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter kürzlich das N-Wort im Stadtrat verwendete, entschuldigte er sich unter anderem bei ihr.
Derzeit arbeitet sie mit einer Ärztin an zwei Registerbrüchen in ihrer Stimme, die während der DSDS-Aufzeichnung auftraten. Viele Dampfbäder und Salbei-Tee gehören zu ihrer Routine. Ob sie im Recall weiterkommt, darf sie noch nicht verraten, aber eines steht für sie fest: „Ich bin Deutschlands neuer Superstar.“ Für QUEEN Lizzy geht Probieren – oder vielmehr Manifestieren – über Studieren.



