Ex-Manager blickt auf 44 Jahre mit Tony Marshall zurück
In seinem neuen Buch "Tony, die schöne Maid und Ich" gewährt Herbert Nold, der langjährige Manager von Schlagerlegende Tony Marshall (1938-2023), intime Einblicke in eine der längsten Manager-Künstler-Beziehungen der deutschen Musikgeschichte. Die mehr als 300 Seiten starke Lektüre, die Nold gemeinsam mit Journalistin Andrea Röthe verfasst hat, präsentierte der heute 86-Jährige kürzlich in Rheinmünster bei Baden-Baden.
Alkohol als Sabotage-Versuch gegen den eigenen Hit
Eine der kuriosesten Anekdoten betrifft die Entstehung von Marshalls größtem Erfolg "Schöne Maid". Nold schildert, wie der ausgebildete Opernsänger den Titel zunächst vehement ablehnte. "So einen Mist singe ich nicht", habe Marshall gerufen und sei wütend ins Erdgeschoss-Lokal des Tonstudios verschwunden. Dort trank er laut Nolds Schilderung eine bis zwei Flaschen Rotwein - mit voller Absicht, betrunken zu werden.
"Er dachte tatsächlich, wenn er besoffen ist und völlig daneben singt, schmeißt Jack White ihn raus und er muss diesen ihm verhassten Titel nicht singen", so der Manager. Doch Produzent White ließ sich nicht beirren und zog die Aufnahme durch. Nold stellt fest: "Der Punkt war: Wenn man eine ausgebildete Stimme wie Tony Marshall hat, dann ist es wohl gar nicht möglich, schlecht zu singen." Die Aufnahme gelang und "Schöne Maid" wurde zum Kassenschlager.
Vom Polizisten zum Rekord-Manager
Nold begleitete Marshall rekordträchtige 44 Jahre lang - eine Manager-Künstler-Beziehung, die laut Nold weltweit einzigartig ist. "Kein anderer hat jemals einen einzelnen Künstler so lange vertreten wie ich Tony Marshall", betont er. Für diese Aufgabe hängte er seine Karriere als Polizeibeamter an den Nagel.
Das Buch beschreibt nicht nur die Anfänge der Zusammenarbeit, sondern auch ungewöhnliche Methoden und besondere Promi-Begegnungen. So handelte Nold Marshalls erstes Engagement bei einem Sportfest im Juni 1970 von 500 auf 250 D-Mark herunter - damals noch nicht als offizieller Manager. Jahre später gab er sich sogar einmal als Marshall aus und verteilte Autogramme.
Prominente Begegnungen und gesundheitliche Folgen
Die Lektüre gleicht einem Streifzug durch Jahrzehnte deutscher Musik- und Unterhaltungsgeschichte. Neben TV-Legenden wie Dieter Thomas Heck, Roberto Blanco und Frank Elstner tauchen auch jüngere Stars wie Lena Meyer-Landrut auf. Gespickt ist das Buch mit zahlreichen Fotos, die die gemeinsame Zeit dokumentieren.
Durch sein Engagement kreuzten zudem Prominente aus verschiedenen Bereichen Nolds Wege:
- Fußball-Legenden: Fritz Walter, Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und Karl-Heinz Rummenigge
- Politikgrößen: Altkanzler Helmut Kohl und Angela Merkel
- Kabarettist Dieter Hallervorden, den er für die Unterstützung der Volksschauspiele Ötigheim gewann
Nold spart auch die gesundheitlichen Folgen des stressigen Manager-Alltags nicht aus und profitiert immer wieder von seinem Wissen aus der Zeit bei der Kriminalpolizei. Das Buch ist somit nicht nur eine Hommage an Tony Marshall, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte aus persönlicher Perspektive.



