Viele Paare bleiben zusammen, obwohl die Beziehung gescheitert ist – nicht aus Liebe, sondern weil sie sich eine Trennung nicht leisten können. Das beobachten die Berliner Psychologin Diana Boettcher und die Paartherapeutin Louisa Scheel in ihrer täglichen Arbeit.
Eine Trennung ist nicht nur eine emotionale Entscheidung, sondern auch eine finanzielle. Oft entscheidet das Geld darüber, ob Menschen wirklich gehen können. Schon eine Hochzeit ist für viele Paare ein finanzieller Kraftakt: fünfstellige Budgets, nicht selten auf Kredit. Doch das Ende einer Beziehung kann noch teurer werden als ihr Anfang. Aus einem gemeinsamen Haushalt werden plötzlich zwei Leben mit eigener Miete, Kaution, Versicherungen und oft auch zwei Kinderzimmern. Wer sich trennt, beendet deshalb nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern muss Alltag, Konten und Zukunftspläne entflechten.
Wenn die Liebe an den Finanzen scheitert
So bleiben manche Paare zusammen, obwohl sie innerlich längst getrennt sind. Aus der Beziehung wird eine unfreiwillige Wohngemeinschaft: Man teilt Küche, Kalender und Elternpflichten, aber kaum noch Nähe. Die Mietpreise in deutschen Großstädten sind in den letzten Jahren stark gestiegen, sodass ein gemeinsamer Haushalt oft günstiger ist als zwei getrennte Wohnungen. Das macht eine Trennung für viele Paare finanziell unattraktiv. Besonders Frauen sind häufig von finanzieller Abhängigkeit betroffen, weil sie oft Teilzeit arbeiten oder wegen Kindern kürzer getreten sind. Die beiden Therapeutinnen betonen, dass ein offener Umgang mit Geld und eine gemeinsame Planung helfen können, den Schritt zu wagen.
Der Trennungsplan als Ausweg
Der Ansatz: Statt aus Verzweiflung zusammenzubleiben, soll ein konkreter Trennungsplan beiden Partnern Orientierung geben. Darin werden zum Beispiel Wohnungssuche, Kontenaufteilung und Sorgerecht geregelt. Ein solcher Plan könnte festlegen, wer in der gemeinsamen Wohnung bleibt und wie die Raten für den Kredit aufgeteilt werden. Auch die Kosten für die Kinderbetreuung müssen neu geregelt werden. Boettcher und Scheel raten, alle Punkte schriftlich festzuhalten, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden, und sich professionelle Hilfe zu holen, um faire Lösungen zu finden. Dieser Plan könne verhindern, dass die Trennung im Chaos endet.
Psychologische Hürden überwinden
Viele Paare haben Angst vor dem finanziellen Absturz und schieben die Entscheidung hinaus. Die Psychologin Diana Boettcher erklärt, dass Scham und das Gefühl des Versagens häufig dazukommen. Ein Trennungsplan könne dabei helfen, die Angst zu nehmen, weil er eine konkrete Struktur biete. Die Paartherapeutin Louisa Scheel ergänzt, dass Paare oft erst dann den Mut zur Trennung fänden, wenn sie einen realistischen Fahrplan hätten. Traditionelle Rollenbilder spielen ebenfalls eine Rolle: Frauen, die wegen der Familie beruflich zurückgesteckt haben, fühlen sich häufig besonders abhängig und haben Bedenken, nach einer Trennung allein zurechtzukommen.
Was Paare jetzt tun können
Die Therapeutinnen empfehlen, frühzeitig und ehrlich über Finanzen zu sprechen – auch in intakten Beziehungen. Ein gemeinsames Konto für Fixkosten, getrennte Konten für persönliche Ausgaben und ein Notgroschen für den Trennungsfall können helfen, Abhängigkeiten zu vermeiden. Wer bereits in einer finanziellen Sackgasse steckt, sollte sich an eine Schuldnerberatung oder Paartherapie wenden. Letztlich geht es darum, die finanzielle Unabhängigkeit beider Partner zu stärken, damit eine Trennung nicht am Geld scheitert – oder zumindest geordnet ablaufen kann.



