Große Augen, schnelle Zusage: Was viele über Tierschutzhunde nicht wissen
Dass der Auslandstierschutz boomt, ist bekannt. Doch viele wissen nicht, was mit einer Adoption auf neue Hundehalter wirklich zukommt. Der Auslandstierschutz boomt in Deutschland. Große Augen auf einem Handybildschirm. Ein junger Mischling aus Rumänien, angeblich kurz vor dem Einschläfern. Wenige Wochen später sitzt der Hund in einer Wohnung – und weder Tier noch Halter wissen, wie der neue Alltag funktionieren soll. Immer häufiger geraten dabei Hunde nach Deutschland, die auf das Leben hier kaum vorbereitet sind. Das hat Folgen für die Tiere, Halter und oft auch für Tierheime und Hundetrainer.
Wenn Mitleid zum Geschäftsmodell wird
In Deutschland gibt es immer mehr gerettete Tiere aus dem Auslandstierschutz. Laut einer Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen kamen allein 2020 mehr als 100.000 Hunde über Tierschutzvereine nach Deutschland. Nicht jede Organisation arbeitet ausschließlich im Sinne des Tierschutzes. In der Branche werden immer wieder Fälle kritisiert, in denen Vereine Vorschriften umgehen oder Hunde ohne vollständige Dokumentation nach Deutschland bringen, wie PETBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer) berichtet.
Der Deutsche Tierschutzbund sieht solche Importe kritisch. Nach Ansicht des Verbands sollten Hunde nur in Ausnahmefällen nach Deutschland vermittelt werden. Nachhaltiger sei es, Kastrationsprojekte vor Ort zu unterstützen. Zugleich werben viele Anbieter in sozialen Netzwerken mit dramatischen Bildern und Zeitdruck. Abgemagerte Hunde und emotionale Geschichten sollen Interessenten zu einer schnellen Entscheidung bewegen. Eine sachliche Prüfung bleibt dabei oft auf der Strecke.
Die Risiken werden oft unterschätzt
Hinzu kommt, dass viele Auslandshunde nie als klassische Familienhunde gelebt haben. Manche stammen von der Straße, andere gehörten Menschen, liefen aber frei umher. Die Umstellung auf das Leben in einer Wohnung kann sie überfordern.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen Probleme. Laut der Gießener Studie treten bei Hunden aus dem Auslandstierschutz häufiger Ängste gegenüber fremden Menschen und unbekannten Umwelteinflüssen auf. Hunde aus Osteuropa zeigen öfter Angst- und Aggressionsverhalten, Hunde aus Südeuropa häufiger Jagdverhalten. Bei 6,7 Prozent der untersuchten Tiere wurden schwere Angststörungen festgestellt. Dazu kommen gesundheitliche Risiken. 37,2 Prozent der untersuchten Hunde waren mit Krankheitserregern infiziert. Etwa die Hälfte davon litt an Erkrankungen wie Leishmaniose, Babesiose oder Ehrlichiose. Die Studie zeigte außerdem, dass rund ein Drittel der neuen Besitzer weder über typische Verhaltensweisen von Hunden aus dem Auslandstierschutz noch über mögliche Infektionskrankheiten ausreichend aufgeklärt wurde.
Woran seriöse Vereine zu erkennen sind
Wer trotzdem einen Hund aus dem Ausland adoptieren möchte, sollte genau hinschauen. Seriöse Vereine sind gemeinnützig, verfügen über die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes. Sie informieren zudem transparent über Gesundheitsrisiken, Vermittlungsabläufe und Transportwege.
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