Plötzlich knurrt der eigene Hund am Futternapf, hört nicht mehr auf Kommandos, springt in die Leine oder dreht völlig auf, sobald Besuch kommt. Viele Halter erkennen ihren jungen Vierbeiner kaum wieder. Besonders in der Pubertät bringen Hunde ihre Halter oft an die Grenzen. Noch vor dem ersten Geburtstag beginnt bei vielen Hunden die schwierige Phase. Im Gehirn laufen Umbauprozesse ab, Hormone verändern das Verhalten. Vor allem Rüden wirken plötzlich hektisch, unsicher oder aggressiv. Doch laut Hundetrainer Thomas Baumann steckt hinter problematischem Verhalten oft mehr als nur die Pubertät.
„Nicht alles auf die Pubertät schieben“
Der Hundetrainer warnt gegenüber PETBOOK davor, jedes auffällige Verhalten allein mit Hormonen zu erklären. Entscheidend seien auch Herkunft, Aufzucht und die Mutterhündin. „Bei einem pubertierenden, ängstlichen Hund würde ich mich erst mal fragen, wie viele Wurfgeschwister er hatte und wie die Mutterhündin war“, erklärt Baumann. Schlechte Bedingungen beim Züchter oder eine instabile Mutter könnten später Verhaltensprobleme begünstigen.
Warum viele Hunde völlig überdrehen
Gerade in der Pubertät braucht ein Hund viel Ruhe und feste Abläufe. Doch das geht nicht von heute auf morgen. „Ein Unruhe-Geist muss erst mal lernen, zur Ruhe zu kommen“, sagt der Experte. Deshalb setzt er auf sogenanntes Deckentraining. Der Hund bekommt einen festen Ruheplatz und lernt, dort entspannt liegenzubleiben. Viele Halter machten laut Baumann den Fehler, hyperaktive Hunde ständig auspowern zu wollen. Genau das verschlimmere das Problem oft noch. „Diese Hunde sind nur übermüdet“, erklärt er. Es scheint also ähnlich wie bei Kindern: Nach müde kommt doof.
Ruhe statt Dauer-Action
Baumann empfiehlt deswegen, klare Strukturen in den Alltag zu integrieren. Hunde sollten nicht ständig beschäftigt oder aufgedreht werden. Stattdessen sollten Halter ruhiges Verhalten ihres Haustiers positiv verstärken. Liegt der Hund entspannt auf seiner Decke, bekommt er Lob oder sanfte Streicheleinheiten. Hektik dagegen werde ignoriert. Auch bei Unsicherheiten setzt der Trainer auf Ruhe und Nähe. Wird der Hund nervös, weil Menschen oder andere Hunde vorbeigehen, hält Baumann ihn ruhig am Körper fest. So lerne der Hund, Stress gemeinsam mit seinem Menschen auszuhalten. „Der Hund muss die Erfahrung machen, dass ihm nichts passiert“, so der Trainer.
Warum Halter oft selbst Teil des Problems sind
Viele Probleme entstehen laut Baumann schon früh. Welpen würden oft ständig bespaßt, angesprungen und für aufdringliches Verhalten belohnt. „Wir finden es süß, wenn Welpen Menschen manipulieren“, sagt der Hundetrainer. Genau dadurch entstehe später oft soziale Distanzlosigkeit. Auch zu viel Action sei problematisch. Statt wildem Toben empfiehlt Baumann konzentrierte Beschäftigung wie Nasenarbeit oder ruhige Denkspiele.



