Finanzanalytiker Volker Looman hat in vier Jahrzehnten rund 2000 Menschen beraten und zieht eine ernüchternde Bilanz: „Je reicher die Leute waren, desto unglücklicher waren sie.“ Besonders die Angst vor Verlusten lähme viele Vermögende. Dabei sei der Schritt an die Börse für viele die richtige Wahl – wenn sie denn langfristig denken.
Die Angst vor Verlusten überwiegt
Looman beobachtet, dass selbst Millionäre in ständiger Alarmbereitschaft leben. „Wenn der Aktienmarkt einbricht, sehen die Leute nicht die acht Millionen, die noch da sind, sondern die zwei Millionen, die weg sind.“ Diese Verlustangst hindere die Deutschen weiterhin daran, in Aktien zu investieren. Dabei rät Looman zu einer einfachen Strategie: Wer 100.000 Euro erbt, sollte in zwei ETFs auf den S&P 500 und den Euro Stoxx anlegen. „Damit hat man rund 1.200 Aktien im Portfolio.“ Der Einwand, alle könnten pleitegehen, sei absurd: „Wenn Apple, Microsoft, BMW und SAP zusammenbrechen, haben wir ganz andere Probleme.“
Fehler in jungen Jahren
Junge Leute zwischen 20 und 30 verlieren laut Looman wertvolle Jahre durch zu viele Praktika. „Bis sie anfangen zu arbeiten, sind sie oft 30 – und haben vier oder fünf Jahre verloren, in denen sie einen Grundstock hätten legen können.“ Frauen hingegen machten den Fehler, nicht um ihr Gehalt zu kämpfen. „Viele geben sich mit 40.000 Euro zufrieden, obwohl 60.000 Euro fair wären.“ Sie scheuten den Konflikt und verlören so über das Berufsleben enorm viel Geld. Looman fordert Frauen auf, sich finanziell unabhängig zu machen: „Männer sind keine verlässliche Altersversorgung. 40 Prozent der Beziehungen gehen in die Brüche, und Frauen sind oft die Leidtragenden.“
Eigenheim: Maßlos überschätzt
Viele Paare steckten ihr ganzes Geld in ein Haus – ein Fehler, so Looman. „Der Glaube, das Eigenheim sei eine tolle Geldanlage – das stimmt in vielen Fällen nicht.“ Rund um Berlin kostet ein Haus mindestens 700.000 bis 800.000 Euro, bei 100.000 Euro Eigenkapital reiche das kaum für die Nebenkosten. „Viele kaufen mit 40, müssen den Kredit weit in den Ruhestand zahlen – das geht nicht auf.“ Looman selbst wohnt zur Miete, besitzt Anleihen, Aktien und Gold, aber keine Immobilien.
Altersvorsorge: Früher starten
Wer zu spät anfängt, spürt die Folgen. Looman schildert einen Mitte-50-Jährigen mit 200.000 Euro Bruttojahreseinkommen, der sein Geld „verjubelt“ hat. Für eine Rente von 3.000 Euro monatlich müsste er 600.000 Euro ansparen – bei zehn Jahren bis zur Rente und drei Prozent Rendite sind das 4.000 Euro Ersparnis pro Monat. „Das tut weh, ist aber machbar.“ Der Finanzanalyst betont: „Niemand hat einen Anspruch auf absolute Sicherheit.“
Reichtum und Geiz
Looman bestätigt das Klischee: „Je mehr Geld da ist, desto weniger geben die ab.“ Er erlebte bei Spendenaufrufen in einem Club nur geringe Beträge. Andererseits stimme das Vorurteil nicht, dass Reiche ihr Geld zugeflogen bekommen hätten. „Die meisten haben sich ihren Wohlstand hart erarbeitet.“ Sein wichtigster Tipp: „Legen Sie Ihr Geld nie in Einzelaktien an, sondern in Indexfonds.“ Und er lebt, was er predigt: „Ich bin gesund, frei, habe eine tolle Frau und Kinder – und finanziell bin ich gut aufgestellt.“



