Ein angeblicher Polizeieinsatz am Strand von Adeje hat eine weltweite Empörungswelle ausgelöst. Innerhalb weniger Stunden verbreitete sich in sozialen Medien die Nachricht, dass auf Teneriffa der Bau von Sandburgen verboten worden sei. Die Aufregung war enorm, doch die Realität sieht deutlich entspannter aus.
Ausgelöst wurde der Sturm durch einen Vorfall, der sich nach Angaben von Augenzeugen an einem der belebten Küstenabschnitte von Adeje ereignet haben soll. Eine Familie soll von einem Mitarbeiter der örtlichen Sicherheitskräfte aufgefordert worden sein, eine von Kindern erbaute Sandburg abzutragen. Als Grund wurde eine Verordnung der Gemeinde aus dem Jahr 2017 genannt, die Veränderungen der natürlichen Strandbeschaffenheit untersagt. Noch am selben Abend machte die Geschichte in sozialen Netzwerken die Runde und wurde von unzähligen Nutzern als weiteres Beispiel für ausufernde Bürokratie angeprangert.
Die Gemeinde stellt klar
Die Stadtverwaltung von Adeje hat die Vorwürfe inzwischen zurückgewiesen. Nach Angaben mehrerer spanischer Medien erklärte eine Behördensprecherin, dass die Verordnung ausschließlich für gewerbliche Nutzer gelte. Beachclubs und Veranstalter brauchen eine Sondergenehmigung, wenn sie größere Strukturen auf dem Sand errichten möchten. Private Urlauber, die mit Schaufel und Eimer hantieren, sind von der Regelung nicht betroffen. Die Sprecherin bestätigte auf Nachfrage, dass es in der Geschichte der Verordnung keine einzige Sanktion gegen einen Privatmenschen wegen einer Sandburg gegeben habe.
Der Wortlaut der Regelung ist mit seinem breiten Begriff der Bauten allerdings irreführend. Das nutzen Kritiker aus, um die Maßnahmen als absurd darzustellen. In der Rechtspraxis zählt jedoch der Wille des Gesetzgebers. Und dieser Wille zielte von Anfang an auf den Schutz der Strandinfrastruktur und die Vermeidung von Stolperfallen – nicht auf das Urlaubsvergnügen.
Welche Regeln wirklich gelten
Wer auf Teneriffa Sandburgen bauen möchte, muss sich vor allem an ein grundlegendes Prinzip halten: Rücksichtnahme. Das bedeutet, keine Löcher von gefährlicher Tiefe zu graben und die Bauten am Ende des Tages möglichst wieder einzuebnen. In manchen Gemeinden gibt es diesbezüglich qualitative Vorgaben, die das Graben von Löchern mit einer Tiefe über 50 Zentimeter untersagen. Die Einhaltung wird in der Hochsaison von Rettungsschwimmern und der örtlichen Polizei kontrolliert. Ein Bußgeld wird allerdings nur bei offensichtlichen Gefahren verhängt, etwa wenn ein Loch direkt neben einem belebten Durchgang entsteht.
Ebenfalls wichtig zu wissen: Das Sammeln von Sand, Muscheln oder Steinen ist auf Teneriffa verboten. Dabei gilt die Regelung für alle Strände der Insel. Wer sich also ein Andenken in Form einer Flasche Sand mit nach Hause nehmen möchte, riskiert ein Bußgeld. Der Bau einer Sandburg ist davon allerdings strikt zu unterscheiden.
Zahlen und Hintergründe
Die Debatte über das angebliche Sandburgen-Verbot fällt in eine Zeit intensiver Diskussionen über den Tourismus auf den Kanaren. Nach Angaben des kanarischen Statistikinstituts ISTAC reisten im Jahr 2023 rund 6,4 Millionen ausländische Gäste auf Teneriffa – ein neuer Rekord. Das entspricht einem Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Tourismus sichert einen erheblichen Teil der Arbeitsplätze auf der Insel, besonders in den Küstengemeinden wie Adeje, Arona und Santiago del Teide. Gleichzeitig wächst jedoch die Kritik an Übertourismus und den damit verbundenen Umweltbelastungen.
Vor diesem Hintergrund verstehen viele Einheimische den allgemeinen Unmut über vermeintliche Verbote nicht. Sie weisen darauf hin, dass Teneriffa ohnehin zu den freiheitlichsten Stränden Europas gehört. Nacktbaden ist an vielen Abschnitten erlaubt, und auch das Zelten unter freiem Himmel wird in bestimmten Zonen toleriert. Von einer Regulierungswut kann also keine Rede sein.
Fazit: Entwarnung für die Saison
Für den Sommer 2024 und darüber hinaus gilt: Teneriffa bleibt ein kinderfreundliches Reiseziel, in dem Sandburgen ausdrücklich Teil des Strandlebens sind. Die Behörden haben mehrfach signalisiert, dass kein Anlass für eine Verschärfung bestehe. Ganz im Gegenteil: Die Tourismusverantwortlichen setzen auf positive Erlebnisse und freuen sich über jede Familie, die ihre Urlaubstage am Strand mit Kreativität verbringt.
Das Gerücht vom Sandburgen-Verbot dürfte sich damit als das entpuppen, was es ist: eine gut gemachte Ente, die innerhalb weniger Tage ihren Höhepunkt erreichte und nun langsam wieder an Fahrt verliert. Reiseveranstalter haben bereits prophylaktisch reagiert, indem sie die Sachlage in ihren Newslettern erläutern und auf die rechtliche Unbedenklichkeit hinweisen. Wer genau wissen möchte, welche Regeln an seinem persönlichen Strandabschnitt gelten, kann sich an die örtliche Touristeninformation wenden. Diese ist in allen größeren Orten Teneriffas vertreten und gibt Auskunft – in mehreren Sprachen, versteht sich.
Der nächste Strandurlaub ist also gerettet. Schaufel, Eimer und Förmchen können getrost in den Koffer. Auf Teneriffa darf gebaut werden – mit einer Einschränkung: Bitte an die nächste Flut denken und die Sandburg nicht auf direktem Weg zum Meeresufer platzieren.



