DDR-Museum-Depot: Von Honeckers Fernseher bis zur MS Völkerfreundschaft
DDR-Museum-Depot: Honeckers Fernseher und Kreuzfahrt-Schätze

Einzigartige Schätze im Depot des DDR-Museums

Meterhohe Regale voller Fernseher, Möbel und Haushaltsgeräte: Im Depot des DDR-Museums in Berlin-Marzahn lagern rund 360.000 Objekte. Wer durch die Hallen geht, begegnet hier nicht nur einem Stück Geschichte, sondern auch den Erinnerungen der Menschen an das Leben im Osten Deutschlands bis 1989. „Der Großteil der Sachen, die Sie hier sehen, sind tatsächlich Spenden aus der Bevölkerung“, sagt Historiker Eric Denis Strohmeier-Wimmer vom DDR-Museum.

Seit dem vergangenen Jahr können Besucher das Depot bei Führungen besichtigen. Beim Rundgang durch die Hallen stößt man auf Gegenstände aus vielen Bereichen des DDR-Alltags. Fahnen hängen von den Regalen, Porträts prominenter Sozialisten lehnen an den Wänden. Und zwischen den Tausenden Objekten hat sogar der Fernseher von Erich Honecker einen Platz gefunden.

Depot weckt persönliche Erinnerungen

Viele Besucher würden Dinge aus ihrer eigenen Vergangenheit wiedererkennen, erzählt Strohmeier-Wimmer. „Für die meisten ist das hier tatsächlich ein Erinnerungsort.“ Welche Gegenstände Erinnerungen auslösen, sei dabei nicht immer vorhersehbar. Eine alte Waschmaschine, die WM 66, habe sich im Laufe der Jahre zu einem Lieblingsobjekt entwickelt, erzählt der Historiker beim Gang durch die Hallen.

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Viele Besucher würden das Modell sofort wiedererkennen und eigene Geschichten dazu erzählen. „Wir leben schon auch davon, dass die Leute, die hierherkommen, uns dann Details erzählen.“ So habe eine Besucherin berichtet, dass die Maschine früher nicht nur zum Waschen genutzt worden sei, sondern auch zum Kochen von Thüringer Klößen.

Die MS Völkerfreundschaft: Das Traumschiff der DDR

Nicht alle Erinnerungen drehen sich jedoch um den Alltag in der Küche oder im Wohnzimmer. In einem klimatisierten Depotbereich lagern Briefe, Fotos und Reiseunterlagen in ausziehbaren Schränken. Zwischen den Dokumenten finden sich auch Spuren eines Schiffes, das laut Historikern für viele DDR-Bürger etwas Besonderes war: die MS „Völkerfreundschaft“.

Das Schiff wurde einst im schwedischen Göteborg gebaut und trug zunächst den Namen „Stockholm“. 1959 kaufte die DDR die „Stockholm“ für rund 20 Millionen schwedische Kronen. 1960 stach das Schiff schließlich als MS „Völkerfreundschaft“ in See. 25 Jahre wurde das „Traumschiff der DDR“ vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) betrieben. Am 5. Juli 1985 wurde das Schiff dann nach Angaben des Vereins Seeleute Rostock am Warnemünder Passagierkai außer Dienst gestellt.

Reiseunterlagen und Fotos erinnern an Fahrten mit dem Kreuzfahrtschiff ans Schwarze Meer, nach Ägypten oder auch nach Athen. Viele der Dokumente sind gut erhalten geblieben und von ihren ehemaligen Eigentümern sorgfältig aufbewahrt worden. „Die haben das aufgehoben, für die war das ein kleiner Schatz“, sagt Strohmeier-Wimmer.

Politischer Hintergrund der Kreuzfahrten

Dabei war die „Völkerfreundschaft“ weit mehr als ein Urlaubsschiff. Die Plätze an Bord waren oft eine Belohnung für Arbeiter oder Parteiveteranen und zugleich Ausdruck der DDR, dem Westen etwas entgegensetzen zu können.

„Man versucht tatsächlich, sich in der Systemkonkurrenz zu zeigen, dass der sozialistische Staat die gleichen Möglichkeiten hat wie der kapitalistische Staat“, erklärt Strohmeier-Wimmer. Kreuzfahrten seien deshalb auch politisch aufgeladen gewesen. Die Bundesrepublik sei für die DDR stets der unmittelbare Vergleichspunkt gewesen. Das habe das Regime unter Druck gesetzt, bestimmte Angebote zu machen – oder zumindest zu glauben, sie machen zu müssen.

„Vieles, was der Staat macht, macht er intrinsisch, aus sich heraus. Weil er das Gefühl hat, dass die Bevölkerung das fordert. Wir wissen gar nicht, ob die Bevölkerung das tatsächlich gefordert hat. Ich glaube, die hatten andere Probleme, als auf einem Urlauberschiff Urlaub zu machen“, erklärt Strohmeier-Wimmer.

Ein Lebensereignis für viele Reisende

Für den Historiker lässt sich die „Völkerfreundschaft“ deshalb nicht losgelöst von der Sozialpolitik der DDR betrachten. Viele Angebote hätten den Menschen zwar reale Vorteile gebracht. Gleichzeitig seien sie Teil eines Systems gewesen, das Zustimmung sichern sollte.

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Zugleich schildern die erhaltenen Unterlagen und Reisetagebücher ehemaliger Passagiere die einzelnen Überfahrten, den Aufbau des Schiffes und das Programm an Bord zum Teil bis ins Detail. Für Strohmeier-Wimmer zeigen sie, welchen Stellenwert die Fahrten für viele Reisende hatten. „Es war einfach ein Lebensereignis“, sagt er.

Wie die Reisen ausgesehen haben könnten, lässt sich heute noch anhand von Prospekten und Speisekarten nachvollziehen. Obwohl die „Völkerfreundschaft“ als Einklassen-Schiff fuhr, mangelte es nicht an Komfort. An Bord gab es ein Außen- und ein Innenschwimmbad, einen Frisiersalon, einen Rauchersalon, ein Veranda-Café mit großer Tanzfläche und einen Kinosaal für 180 Besucher. Auf den Speisekarten standen neben alltäglichen Gerichten auch Angebote wie Schildkrötensuppe.

Besuch des Depots

Heute liegen die Erinnerungsstücke der „Völkerfreundschaft“ zwischen Tausenden anderen Objekten im Depot. Sie zeugen von den unterschiedlichen Erfahrungen, die den DDR-Alltag ausmachten: von Urlaub, von politischen Ansprüchen und persönlichen Erlebnissen, von schönen Momenten ebenso wie von schwierigen.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann das Depot bei Führungen besuchen, die montags bis freitags sowie an jedem ersten Sonntag im Monat angeboten werden. (dpa)